Liebe Petra,

nach deinem letzten Brief, in dem es um das schöne Weimar ging, hatte ich mir vorgenommen, dir aus Dresden oder Leipzig zu schreiben, wo ich letzte Woche war – doch dann kam immer so viel anderes dazwischen. Außerdem war das Wetter recht bescheiden und ich habe nicht die instagramtauglichen Aufnahmen gemacht, die ich dir hier präsentieren wollte. Immerhin war ich in der Sächsischen Landes- und Universitätsbibliothek, der SLUB. Öffnungszeiten von 8 bis 24 Uhr, das ist doch ein rechter Service. Auf dem Foto kann man die rauchenden Köpfe der Studierenden im großen zentralen Lesesaal sehen.

Noch gibt es dort sehr viel Papier, aber ich habe kurz darüber nachgedacht, wie das eigentlich in ein paar Jahrzehnten sein wird – lesen wir dann nur noch digital?

Mittlerweile bin ich zurück am Schreibtisch und habe das Problem, dass mir unterwegs meine Bildschirmbrille abhanden gekommen ist. Ich muss jetzt noch ein bisschen herumtelefonieren, vielleicht ist sie ja gefunden worden.

Viele Grüße

Susanne

Liebe Susanne,

nun, der Stollen hat nicht bis Ostern gehalten … Aber wer will auch Stollen zu Ostern essen? Er war jedenfalls sehr köstlich, und ich habe dem Zoll nichts davon abgegeben!

Danke, dass du mir den Rolandsbogen vorgestellt hast. Der hat mich an eine weitere künstliche Ruine erinnert, die in Weimar im Ilmpark steht. Letzten Sommer habe ich ja eine Weile dort recherchiert. Im Park habe ich mich allerdings immer nur nach dem Regen aufgehalten, denn es war Heuschnupfenzeit, und Goethe, der den Park mit designt hat, war definitiv nicht gegen Gräser allergisch …

Jedenfalls die künstliche Ruine aus dem Jahr 1784. Immerhin haben sie u. a. Bruchstücke aus der zehn Jahre zuvor abgebrannten Wilhelmsburg genutzt, um sie zu gestalten. Aber solche romantischen Bauwerke passen ja nur zu gut in die Romantik. Memento mori usw.

Heute kann man sich gut in ihren Schatten setzen und seinen Heuschnupfen geniesen, äh, genießen. (Und das schreibe ich dir im Januar, es ist Schnee vorausgesagt.)

Herzlich,
Petra

Liebe Petra,

ich gebe dir recht, auf der Website Bonner Frauen sind tatsächlich spannende Entdeckungen zu machen. Es freut mich auch, dass es bei uns schon zwei Episoden zu den Bonner Frauen gibt, nämlich Petra Kelly und Elisabeth Schwarzhaupt. Viele andere sind mir bei meinen Recherchen für die Romane oder den Podcast schon über den Weg gelaufen, zum Beispiel Sybille Mertens-Schaaffhausen, Adele Schopenhauer oder Clara Schumann.

Gerade habe ich mir den Beitrag über Sybille Mertens-Schaaffhausen angesehen und da ist unter „Erinnerungsorte in Bonn“ der Rolandsbogen in Remagen aufgeführt. Lustiger Zufall, denn gerade heute Morgen habe ich an meinem neuen Romanmanuskript gearbeitet und eine Szene geschrieben, in der der Rolandsbogen vorkommt, und darum weiß ich auch, dass der Bogen 1839 eingestürzt ist und 1840 wieder aufgebaut wurde. Natürlich wollte man ihn genauso krumm und schief haben, wie er vorher war, denn das galt damals schon als romantisch und pittoresk. Heute ist er aber leider nicht mehr so hübsch bewachsen wie damals (das Bild ist von 1900). Der Ausblick ist allerdings immer noch sehr schön.

Die Welt ist doch manchmal sehr klein – der Weg von Zürich nach München ist allerdings weit – und führt über die Grenze der EU. Du musstest Zoll für einen selbst gebackenen Stollen bezahlen ???!!! Das tut mir leid. Die gute Nachricht ist: der Stollen hält sich bis Ostern.

Liebe Grüße

Susanne

Liebe Susanne,

heute schreibe ich dir gleich noch mal. Denn in unserer aktuellen Podcastfolge über die Isländerin Ingibjörg H. Bjarnason habe ich kurz von der dortigen Premierministerin Katrín Jakobsdóttir erzählt.

Katrín Jakobsdóttir (Jahrgang 1976, Links-Grüne-Bewegung)

Gerade habe ich gelesen, dass sie neben ihrer politischen Tätigkeit jetzt auch schriftstellerisch tätig ist und zusammen mit dem Krimiautor Ragnar Jónasson ihren ersten Kriminalroman veröffentlicht hat. Er heißt originellerweise Reykjavík und handelt originellerweise von einem verschwundenen Mädchen.

Was ich aber ganz interessant finde, ist die Kulisse: Es spielt 1986, als Ronald Reagan und Michail Gorbatschow in der isländischen Hauptstadt zu einem Gipfeltreffen zusammenkamen, um über Abrüstung und Frieden zwischen den USA und der Sowjetunion zu sprechen.

Das Treffen fand in Höfði statt, dem offiziellen Gästehaus der Hauptstadt, in dem es – so ist das in Island – ordentlich spuken soll.

Höfði

Das klingt vielversprechend, aber laut Reykjavík Grapevine ist wohl nicht viel passiert. Auch nicht politisch.

Jedenfalls damals noch nicht.

Ich werde aber die Augen offen halten und berichten, ob der Krimi der Premierministerin ins Deutsche übersetzt wird. Dann sage ich hier Bescheid.

Bless bless (sagt man auf Isländisch)
Petra

Liebe Susanne,

wir haben eine E-Mail von der Redaktionsgruppe der „Bonner Frauen(orte)“ bekommen, die uns auf die Website Bonner Frauen(orte) aufmerksam macht. Ich habe gerade mal ein bisschen gestöbert und tatsächlich inspirierende Frauenbiografien gefunden, z. B. Elisabeth Erdmann-Macke, die Ehefrau und Biografin des Malers August Macke, dessen Werke ich mir erst letzte Woche im Münchner Lenbachhaus angesehen habe.

Aber auch Frauen „in Wissenschaft & Beruf“ sind dabei, wie die Soziologin Marianne Krüll oder aber Rita Maiburg: „Erster weiblicher Linienflugkapitän der westlichen Welt“. Da könnte man wohl noch etwas an der Berufsbezeichnung feilen, aber interessant ist das natürlich trotzdem. Niemand wollte sie einstellen, weil sie eine Frau war – „aus grundsätzlichen Erwägungen“.

Nun, ich denke, da gibt es noch viel zu entdecken. Vielleicht hast du ja auch mal Lust zu stöbern.

Viele Grüße

Petra

PS: Warst du schon mal in Bonn? Ich war damals(TM) mit der Schule im Haus der Geschichte.

Liebe Petra,

du hast mich vollkommen zu recht ermahnt, ich wollte schon längst geantwortet haben – und wer das hier liest, schaue sich doch bitte das dazu gehörende Foto aus dem Juni an.

Einerseits gefällt mir die Bronze der Dame recht gut. Das Gesicht hat etwas leicht cartoonhaftes an sich, was ganz hübsch mit dem schweren klassischen Material kontrastiert, und sie schreitet tatsächlich leicht und fröhlich und schwungvoll dahin. Und da kommen wir auch schon zum „Andererseits“ – ich verstehe nämlich nicht, warum man eine Intellektuelle so leicht bekleidet darstellen muss. Man sieht ihren Bauchnabel, und das hat weder mit der Zeit der Aufklärung noch mit der Mode noch mit ihrem Intellekt etwas zu tun. Fürs 18. Jahrhundert ist sie meiner Meinung nach zu unkonventionell, fürs 21. jedoch wiederum viel zu konventionell geraten.

Mittlerweile herbstliche Grüße sendet dir 

Susanne 

Liebe Susanne,

vielen Dank für die Info zu Königin Wilhelmina. Einfach mal zu suchmaschinen, ist mir offenbar nicht eingefallen.

Inzwischen bin ich aus Weimar zurück. Dort habe ich zwar keine bronzenen oder goldenen Reiterinnen gesehen, aber immerhin gibt es in Gotha eine Statue von (Luft holen!) Herzogin Luise Dorothea von Sachsen-Gotha-Altenburg. Sie war eine dieser adligen, hochgebildeten Frauen im 18. Jahrhundert, die sich mit den großen (männlichen) Geistern der Epoche in Briefen und Salons austauschte und ihr Herzogtum zu einem kulturellen, aufgeklärten Zentrum machte, so wie zum Beispiel auch die große Anna Amalia in Weimar.

Diese Statue von Luise Dorothea ist allerdings eine ganz moderne, die 2017 zu ihrem 250. Todestag aufgestellt wurde. Bildhauer ist Bernd Göbel.

Herzogin Luise Dorothea von Sachsen-Gotha-Altenburg als Statue von Bernd Göbel

Wie gefällt sie dir, die leicht bekleidete, dynamisch voranschreitende Herzogin?

Ich hoffe, du genießt die langen Juni-Tage, trotz der Hitze …

Herzliche Grüße nach Zürich!

Petra

Liebe Petra, 

bei der Frau auf dem Pferd – die Reiterinnenstatue in Amsterdam, die du gesehen hast – handelt es sich offenbar um Königin Wilhelmina, genauer gesagt war sie Prinzessin der Niederlande, Prinzessin von Oranje-Nassau, Herzogin von Limburg, Herzogin zu Mecklenburg und von 1890 bis 1948 Königin der Niederlande. Aber vielleicht wusstest du das ja längst.

Das erinnert mich daran, dass die englische Queen gerade ihr 70jähriges Thronjubiläum feiert und die entsprechenden Dokus gerade wieder rauf- und runtergenudelt werden im Fernsehen. Ich muss dann immer daran denken, dass meine Schwiegermutter und ihre Schwester dieselben Jahrgänge waren wie Elizabeth und Margaret. Sie hat immer gerne erzählt, dass ihr Vater, ein gebürtiger Engländer, oft auf Geschäftsreisen in England war, dort gerne hübsche Kleider für seine beiden Mädchen gekauft hat und im Geschäft als Größenangabe nur sagen musste: „So wie die englischen Prinzessinnen.“ Darauf war sie immer ein bisschen stolz.

Ich hoffe du hast viel Spaß und Inspiration in Weimar, wo du gerade bist! Da gibt‘s bestimmt auch viele Statuen. Vielleicht findest du ja sogar wieder eine von einer Frau. 

Herzlichst

Susanne 

Liebe Susanne,

im Februar hast du mich hier gefragt, ob ich genug Pausen mache. Nun, inzwischen ist der April vorbei, und ich komme endlich dazu, dir zurückzuschreiben. Beantwortet das deine Frage?

Aber ich war gerade eine Woche in Egmond aan Zee, in Nordholland, am Meer. Wusstest du, dass die Niederlande fast 20 Millionen Einwohner:innen haben – und NRW allein genauso? Zum Glück waren die NRW-Osterferien gerade vorbei, sodass Strand und Ort durchzuatmen schienen. Ich habe köstlichen Fisch gegessen und bin durch die Dünen gewandert, in denen es, kaum zu glauben, jede Menge Schrebergärten gibt.

Außerdem habe ich einen Ausflug nach Amsterdam gemacht, wo ich ganz verblüfft war, als ich auf dem Weg zurück zum Bahnhof ein Reiterdenkmal mit Frau gesehen habe! Wie selten das ist! Und wie gut das zu dem weltoffenen, jungen Amsterdam passt. Leider war ich so knapp dran, dass ich nicht nachschauen konnte, wem denn diese Ehre dort zuteil wird.

Vielleicht beim nächsten Mal. Denn das Meer ruft doch immer wieder …

Viele entspannte Grüße

Petra

Liebe Petra,

das Jahr ist erst wenige Wochen alt und ich bin – welch ein Klischee – mit einem ganzen Haufen guter Vorsätze gestartet. Nicht so ganz freiwillig, wie ich zugeben muss, aber ich habe Rücken, wie Hape Kerkeling es so schön treffend nannte, und ich habe Ohr, das heißt ich höre ein Klingeln und Pfeifen, das gar nicht da ist. Also muss ich jetzt entspannen – Anordnung vom Hausarzt! – und das ist, wer hätte es gedacht, richtig viel Arbeit! Viel Bewegung, Massagen, Physiotherapie, viele Pausen machen und vor allem: Alles fließen lassen. Die Kreativität leidet zum Glück bisher noch nicht, das heißt die reduzierte Schreibzeit ist immer noch produktiv. Und zumindest ein paar der guten, gesunden Gewohnheiten, die ich mir nun antrainiere, werde ich hoffentlich beibehalten können.

Ich hoffe du machst auch genügend Pausen?!

Es grüßt ganz motiviert

Susanne