Liebe Susanne,

ich hoffe, du hast deinen Urlaub genossen und bist jetzt bereit für die Weihnachtstage. Die Überschrift da oben heißt „Frohe Weihnachten“ auf Dänisch – denn meine Architektin von New York wird gerade ins Dänische übersetzt, und ich konnte dem netten Übersetzer heute ein paar Fragen beantworten.

Es ist ohnehin großartig, wenn das eigene Werk übersetzt wird, aber Dänisch verstehe ich ja auch selbst, und deshalb werde ich mich besonders freuen, wenn ich ein Belegexemplar bekomme. Eine zweite Übersetzung ist in Arbeit, und zwar ins Bulgarische, was ich leider so überhaupt gar nicht kann. Nicht einmal die Schriftzeichen lesen.

Von dir weiß ich, dass deine Madame Clicquot ins Italienische übertragen wird. Sprichst du die Sprache oder verstehst zumindest ein bisschen?

Wenn ja: buon Natale! Frohe Weihnachten und noch einmal glædelig jul, auch allen, die hier mitlesen und unseren Podcast so treu hören und/oder unsere Romane lesen –

Petra

Liebe Petra,

nun bin ich also auch im Hotel und hier ist 2G plus – klingt ja irgendwie nach was Gutem und nach gesunder Umgebung, ist es auch, aber bleiben dürfen wir natürlich nur, solange der eigene tägliche Test negativ bleibt. Wir fragen uns natürlich, was passieren würde, wenn wir auf einmal ein positives Ergebnis hätten, das wäre sicher sehr negativ – und hier im Hotel dürften wir auch nicht in Quarantäne, aber wohin dann? Und wie kämen wir nach Hause? Fragen über Fragen, die niemand beantworten kann, doch wir sind optimistisch und prüfen die tägliche Inzidenz im Landkreis wie man Schneestände oder den Wetterbericht prüft, denn ab 1000 macht das Hotel zu und wir müssten den Urlaub abbrechen. Viele wollten sich diese Unsicherheit wohl nicht antun, denn es ist ziemlich leer – den Abstand zu anderen einzuhalten ist daher sehr einfach. Wir sind jedenfalls froh, dass wir uns getraut haben, denn es ist einfach nur wunderschön, morgens mit dem Blick auf schneebedeckte Berge aufzuwachen. Dann ein bisschen Frühsport, Schwimmen und was Gutes von der Eierspeisenkarte wählen. Am Nachmittag Teetrinken und Kartenspielen, vielleicht ein, zwei Stunden Arbeiten und nochmal Schwimmen gehen, und nach dem Abendessen dem Jazzpianisten in der Bar zuhören.

Vor lauter Erholung schon ganz müde grüßt

Susanne

Die Schwedische Botschaft in Berlin ruft eine Aktion ins Leben, um den vollen und gleichberechtigten Zugang zu, und die Teilhabe an, den Naturwissenschaften für Frauen und Mädchen zu fördern.

Dazu schreibt sie:

Gleichstellung der Geschlechter sind für eine nachhaltige Entwicklung von entscheidender Bedeutung, und da die naturwissenschaftlichen Disziplinen nach wie vor von Männer dominiert werden, wollen wir diese Gelegenheit nutzen, um auf diese Situation aufmerksam zu machen.

Wir wollen Schülerinnen, Studentinnen, Kolleginnen och Forscherinnen herzlich dazu einladen, ein Foto zu machen und dazu einen kleinen Text zu verfassen, warum sie sich für die naturwissenschaftlichen Fächer begeistern. Eine Alternative wäre auch, dies mithilfe eines kurzen Films zu erzählen. Auf unseren sozialen Medien möchten wir dann die Beiträge vorstellen. Unser Ziel ist es, sowohl auf die häufig fehlende Präsenz weiblicher Naturwissenschaftlerinnen hinzuweisen, als auch Frauen und Mädchen zu inspirieren.

Und dies ist die Anleitung für alle, die mitmachen möchten:

Was mich an Naturwissenschaft und Forschung begeistert
* Drehen Sie einen kurzen Film, in dem Sie erzählen, was Sie an den naturwissenschaftlichen Fächern begeistert. Wenn es Ihnen lieber ist, können Sie auch gerne Foto(s) machen sowie einen kurzen Text dazu schreiben.
* Schicken Sie Ihren Beitrag an: celina.gleisner@gov.se
* Als Dankeschön versprechen wir Ihnen dann eine kleine Überraschung!

Einsendeschluss ist der 9. Dezember 2021.

Liebe Susanne,

inzwischen läuft es mit mir und meinem aktuellen Projekt deutlich besser. Ich habe ein Hotel gefunden, fünfzehn Minuten von hier, in dem man ein Zimmer als „Homeoffice“ für einen Tag buchen kann. Das kann ich aus finanziellen Gründen leider nicht jeden Tag machen, aber ich bin unglaublich produktiv, wenn ich in diesem riesigen, coronaleeren und -stillen Haus mit Blick auf einen Hinterhof und in der Ferne die Türme der Frauenkirche fünf Stunden lang nichts anderes zu tun habe als zu schreiben. Sogar einen Balkon gibt es, auf dem ich mich ab und zu strecken und das Gesicht in die Sonne halten kann, falls die es mal durch die Novembertrübe schafft.

Heute meinte die Dame an der Rezeption: „Wir haben ja jetzt 2G. Falls da noch jemand kommt, müsste er bitte auch sein Zertifikat vorzeigen …“

Die hat wohl gedacht, dass ich für etwas anderes da bin als fürs Arbeiten … Vielleicht sollte ich ihr zu Ehren im Roman einmal Sex im Hotel unterbringen … Passt nur leider nicht zu meiner Hauptfigur.

Zertifizierte Grüße von
Petra

Liebe Petra,

die Angst vor dem weißen Blatt kenne ich natürlich auch, beziehungsweise das, was man so nennt – ich für mich nenne es allgemeiner: Die Angst vor fehlender Kreativität. Ich kann sehr gut fleißig sein, wenn ich muss, aber was, wenn mir irgendwann nichts mehr einfällt? Es gibt Dinge, die kann frau nun einmal nicht mit Fleiß ausgleichen.

Aber die Erfahrung zeigt zum Glück, dass es es dann doch irgendwann weitergeht, das nennt man dann den Zauber des Anfangs (oder so) – und sehr bald hast du deine ersten 50 Seiten und ich hab meine, die sind dann für Band 3, denn Band 2 der Ronnefeldt-Saga ist nun so gut wie fertig. Außerdem zwacken wir ja nun an anderer Stelle Zeit ab fürs Schreiben: Künftig gibt es nur noch alle vier Wochen eine Podcast-Episode und nicht mehr alle vierzehn Tage. Da können wir, falls nötig, länger vor dem leeren weißen Blatt sitzen – oder auch vor dem blinkenden Cursor.

Ich hab übrigens zur Feier des Tages ein neues Notizbuch angefangen und gleich die erste Seite vollgeschrieben. Vielleicht hilft das ja.

Herbstliche Grüße sendet

Susanne

Derzeit werden wieder einmal die Gewinner:innen der Nobelpreise verkündet, und noch immer gibt es viel zu wenige weibliche Preisträgerinnen. Ja ja, es gibt oder gab ja angeblich immer einfach zu wenige Frauen in den entsprechenden Feldern, aber stimmt das? So hat zum Beispiel Jocelyn Bell Burnell (*1943) im Rahmen ihrer Doktorarbeit den ersten Pulsar (mit dem poetischen Namen PSR B1919+21) entdeckt. Den Nobelpreis dafür bekam – ihr Doktorvater!

Hier eine empfehlenswerte Doku von Ben Proudfoot (auch ein poetischer Name).

Später hat Burnell für ihre Entdeckung einen Special Breakthrough Prize in Fundamental Physics erhalten, plus drei Millionen Dollar, die sie für Stipendien zur Verfügung stellte, um Frauen, Minderheiten und Flüchtlinge in der Forschung zu unterstützen.

Liebe Susanne,

bevor ich in den nächsten Wochen endlich in meinen nächsten Roman abtauche, melde ich mich hier noch einmal. Ich glaube, ich habe dir schon öfter (außerhalb dieses Blogs) vorgejammert, dass ich in das neue Manuskript nicht so recht reinkomme. Obwohl ich die Frau, von der ich dieses Mal erzählen darf, wirklich ganz toll finde. (Es geht übrigens in der Piper-Reihe der Bedeutenden Frauen weiter, so viel kann ich verraten.)

Inzwischen habe ich verstanden, woran es liegt. Erstens: In den letzten Wochen hatte ich zu viele Übersetzungen auf dem Tisch und konnte mich nicht konzentrieren. Logisch. Zweitens aber ist mir aufgefallen, dass ich bei den letzten Projekten, als es dann richtig losging, immer schon ein ganzes Stück geschrieben hatte, um die Verlage zu überzeugen. Beim allerletzten hatte ich schon fast hundert Seiten, die wir etliche Male überarbeitet hatten – und danach flutschte das Schreiben nur so.

Bei dem davor (meiner Architektin) waren es immerhin so vierzig oder fünfzig, wenn ich mich recht erinnere. Und dieses Mal: null. Vielleicht ist es das, was man „Angst vor dem weißen Blatt“ nennt, wobei ich die, denke ich, nicht habe. Dann eher vor dem Abgabetermin, der zwar noch gemütlich weit entfernt liegt, aber du weißt bestimmt, wie schnell so ein paar Monate vergehen können … Bald ist schließlich schon Weihnachten!

Voradventliche Grüße von
Petra

Liebe Petra,

jetzt habe ich so lange für meine Antwort gebraucht, dass ich mit ganz neuen Erfahrungen aufwarten kann. Auf vorablesen.de gibt es nämlich gerade eine ganze Menge LeserInnen, die dazu aufgefordert sind, sich über meinen neuen Roman „Die Teehändlerin“ auszulassen. Es schmerzt tatsächlich ein bisschen, wenn man Kommentare liest, mit denen man nicht gerechnet hat, oder die man ganz einfach lieber nicht gelesen hätte. Aber das gehört eben dazu, sage ich mir. Und dass ich es nicht jedem recht machen kann. 

Dazu habe ich kürzlich in der Autorenzeitung Federwelt ein Zitat des Autors Andreas Eschbach gefunden, das ich mir gemerkt (und eben noch einmal herausgesucht) habe: „Man kann nur die Bücher gut schreiben, die man selber vermisst, und nur die werden sie lesen, denen es ebenso geht.“ Da finde ich mich tatsächlich voll und ganz wieder – und es ist doch auch irgendwie tröstlich, oder nicht? Ich hoffe eben darauf, dass es möglich viele sind, die dasselbe vermissen, was auch ich vermisse. Und mir dann fünf Sternchen geben.

Sternchengruß von 

Susanne 

Liebe Susanne,

Sommerpause? We don’t know her.

Ich weiß auch nicht, was wir uns dabei gedacht haben. Hier ist jedenfalls genug zu tun. Meine Architektin von New York wird gerade auf LovelyBooks in einer Leserunde gelesen, und es ist so schön zu sehen, wie sie bei den Leserinnen ankommt. Natürlich ist auch immer ein bisschen Kritik dabei, aber die hilft ja vielleicht fürs nächste Buch. Passend dazu habe ich mir gestern einen ersten Batzen Bücher für meine nächste „bedeutende Frau“ aus der Piper-Reihe bestellt, das heißt, da geht es jetzt mit der Recherche los.

Währenddessen wird mein Roman, der nächstes Frühjahr bei Fischer Krüger erscheint, zum Vorablesen auf einer anderen Plattform eingestellt, sodass ich da mit ersten Eindrücken rechnen kann. Hgnnnn … Macht dich so etwas auch nervös? Wie wichtig sind dir Rückmeldungen von deinen Leserinnen? Wie kommst du mit (berechtigter, konstruktiver) Kritik zurecht?

Liebe, unkritische Grüße

Petra

Liebe Petra, 

nun also eine Sommerpause. Dazu gleich eine Frage: Machst du eigentlich manchmal Ferien vom Schreiben? Ich hatte das eigentlich zuerst nicht vor, aber vielleicht ist so eine Pause vom Kreativsein ja doch ganz schön. Ich bin noch unentschlossen, ob ich den Laptop mit in den Urlaub nehme oder nicht. 

Was unseren Podcast betrifft, ist das mit der Sommerpause ohnehin relativ. Drei Episoden in zwei Wochen aufzunehmen, klingt nicht nach Pause. Es gibt aber ja auch inspirierende Frauen wie Sterne, wie du so schön festgestellt hast. Da muss man einfach immer weitermachen. 

Ich werde jedenfalls auch auf Straßenschilder achten! 

Herzlichst

Susanne