Sofja Kowalewskaja war Mathematikerin, Revolutionärin und Schriftstellerin. 1850 in Moskau als Tochter eines russischen Landadligen geboren, wurde sie in ihrer Jugend Teil der nihilistischen Bewegung in St. Petersburg und ging eine Scheinehe ein, um in Deutschland studieren zu können. Sie gewann mit dem Prix Bordin eine der höchsten Auszeichnungen in Mathematik und erhielt in Stockholm als erste Frau in Europa eine Mathematikprofessur. Ihr größter Wunsch, in ihrer russischen Heimat lehren und arbeiten zu können, blieb unerfüllt. 

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In ihren Jugenderinnerungen zeichnet sie ein leicht skurriles Bild ihrer Kindheit. Da gibt es Kindermädchen und Gouvernanten, die ihre Machtposition ausnutzen, um die Geschwister gegeneinander auszuspielen, einen distanzierten Vater und eine noch weiter entfernte Mutter, Verwandte, die kommen und gehen – oder sich auch wochenlang einnisten, einen Hauslehrer, der sich selbst im Nachhinein als wichtig für die Entwicklung des genialen Kindes beschriebt, von der kleinen Sofia jedoch offenbar kaum wahrgenommen wird, und das alles in der Abgeschiedenheit eines russischen Landsitzes mit dem poetischen Namen Palibino. 

Mit 18 Jahren kehrt sie dieser Welt den Rücken. Sie weiß bereits, dass sie Mathematik studieren will und eine besondere Begabung für das Fach hat. Trotzdem widmet sie sich einige Semester lang auch der Medizin und der Physik. Die Scheinehe mit dem später als Paläontologen bekannt gewordenen Wladimir Kowalewski, der sie zuerst nach Heidelberg und dann nach Berlin begleitet, erweist sich als spannungsreich. Was als rein kameradschaftliches Verhältnis geplant war, wird zu einer komplizierten Beziehung und zu einer lebenslangen Zerreißprobe für beide. 

Sofja Kovalevskaja | © Mittag-Leffler-Institut Djursholm/Schweden

Ab 1870 studiert Sofja Kowalewskaja – unterstützt mit Geld ihrer Familie – privat beim Mathematiker Karl Weierstraß in Berlin, da sie als Frau keine Zulassung an der Universität erhält. Sie und Wladimir reisen viel herum und haben viel Kontakt zu den intellektuellen Geistesgrößen dieser Zeit, und insbesondere Sofja erlangt eine gewisse Berühmtheit. Einen engen Kontakt pflegt sie auch zu ihrer sieben Jahre ältere Schwester Anjuta, die sich in diesen Jahren hauptsächlich der Revolution in Frankreich verschreibt.

1874 ermöglicht Weierstraß Sofja die Promotion in Göttingen. Danach kehren sie und ihr Mann nach Sankt Petersburg zurück, wo ihr jegliche ihrer Qualifikation angemessene Beschäftigung versagt wird. Abgesehen davon, dass sie als Frau nicht an einer Universität lehren darf, stammen beide aus dem Milieu der russischen Nihilisten. Die revolutionären Bestrebungen, die sich gegen das zaristische Russland richten, machen es ihnen unmöglich, in ihrer Heimat wieder Fuß zu fassen. Die beiden betreiben einen Salon, werden Eltern und Sofja versucht sich mit einigem Erfolg als Schriftstellerin, doch 1879 sind sie finanziell am Ende und 1883 nimmt sich Wladimir, der das verbleibende Vermögen durch Immobilien-Spekulationen verloren hat, das Leben. Er lässt seine Frau allein mit der fünfjährigen Tochter zurück.

Sofja wendet sich wieder der Mathematik zu. Mit einem Vortrag auf einem Kongress in Petersburg erregt sie das Aufsehen des Schweden Mittag-Leffler, auch er ein Weierstraß-Schüler wie sie, der beschließt, ihr zu einer Universitätslaufbahn zu verhelfen. Vier Jahre später geht sie als Privatdozentin nach Stockholm, muss auf Gehalt verzichten, um arbeiten zu dürfen, und bekommt mit Verzögerung doch noch ab 1884 eine Anstellung als außerordentliche Professorin für Mathematik an der Universität Stockholm. 1888 erhält sie den Prix Bordin, eine der höchsten Auszeichnungen in Mathematik. Wegen der Eleganz der Ausführungen wird das Preisgeld von 3000 Francs auf 5000 Francs erhöht. 1891 stirbt sie in Stockholm an einer Lungenentzündung. 


Literatur: 

Ann Hibner Koblitz: A Convergence of Lives, Birkhäuser Boston Inc. 1983

Sonja Kowalewski: Jugenderinnerungen. S. Fischer Verlag Frankfurt am Main 1968

Anna Maria Stuby: Sofja Kovalevskaja  “Prinzessin der Naturwissenschaften”. Ein Beitrag zur Entheroisierung. Aus der Zeitschrift „Feministische Studien“, 2017 

Empfehlung:

Erzählung von Alice Munro über Sofja Kowalewskaja: Zu viel Glück. Veröffentlicht in Alice Munro, Zu viel Glück, Fischer Taschenbuch Frankfurt am Main 2011 

Eine Quellensammlung findet sich auch unter https://www.cordula-tollmien.de

Wir erwähnen die Folge über Laura Bassi


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Angst habe sie nie gehabt, sagte die Französin Marie Marvingt in einem Interview. Sie war Pilotin im Krieg und im Frieden, sie war Krankenschwester, Erfinderin des Luftrettungsdiensts, Extremsportlerin – und wohl ein Adrenalinjunkie.

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Marie Marvingt in Deperdussin aeroplane 1912
Marie Marvingt in einem Deperdussin-Flugzeug, 1912

Nachdem ich die Biografie von Rosalie Maggio gelesen hatte, fragte ich mich, wie diese Marie Marvingt all das, was sie getan und erlebt hat, in einem einzigen Leben unterbringen konnte. Und wie sollte ich es nun alles in eine Podcastfolge stopfen? Schon allein der Gedanke war erschöpfend 😉

Marie Marvingt
Marie Marvingt

Marie Marvingt war das Sinnbild der New Woman, die genau in der Zeit ins Leben gerufen wurde, in der (einzelne) Frauen sich bereits genug Freiheiten nehmen konnten, um ihre Träume zu verwirklichen, und in der ihnen auch die Voraussetzungen zur Verfügung standen, um Erfolg zu haben. In Marvingts Fall waren das vor allem die Technik – Automobile, Fahrräder, die ersten Flugzeuge.

Dazu gehörte ein unbedingter Wille, alles zu erreichen und immer das Beste zu geben.

Verblüffenderweise wurde sie dabei von der Öffentlichkeit stets unterstützt. Die Presse war ihre beste Freundin: Sie gab ihr ehrenvolle Spitznamen wie die „Verlobte der Gefahr“, die „wichtigste Frau in Frankreich seit Jeanne d’Arc“ und „Leonardo da Vinci im Rock“.

Marie Marvingt by Emile Friant 1914
Marie Marvingts Flugambulanz, Zeichnung von Emile Friant (1914)

Was diese Frau alles erlebt und ausprobiert hat, erfahrt ihr in dieser Folge.

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Empfehlung:
Der Film The Aeronauts (2019) mit Felicity Jones und Eddie Redmayne

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Quellen:
Rosalie Maggio: Marie Marvingt, Fiancée of Danger. First Female Bomber Pilot, World-Class Athlete and Inventor of the Air Ambulance. McFarland & Company 2019.

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Die gebürtige Polin Helena Rubinstein war eine Pionierin der Kosmetikindustrie. Den Grundstein zu ihrem Unternehmen legte sie 1902 im australischen Melbourne, mit einer aus ihrer Heimat importierten und später vor Ort hergestellten Hautcreme. In Europa und den USA eröffnete sie zahlreiche Schönheitssalons und baute in den folgenden Jahrzehnten eine international erfolgreiche Firma auf. 

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Helena ist die älteste von acht Schwestern einer jüdischen Familie, der Vater ist Kolonialwarenhändler in Krakau. Sie möchte Medizin studieren, stellt jedoch fest, dass sie kein Blut sehen kann, weshalb aus diesem Plan nichts wird. Den Ehemann, den die Eltern für sie aussuchen, findet sie zu alt, den jungen Mann, in den sie sich verliebt, mögen die Eltern wiederum nicht. Sie wird nach Australien zu einem Onkel geschickt. (Wie alt sie damals war ist etwas unklar, in ihrer Autobiografie behauptet sie, nicht einmal 18 gewesen zu sein, als sie nach Australien kam, andere Quellen verlegen ihre Ankunft in Australien ins Jahr 1896, dann wäre sie je nach Geburtsdatum – 1870 oder 1872, auch das ist nicht eindeutig – bereits 24 oder 26 gewesen. Leider konnte ich nicht herausfinden, was davon stimmt, wahrscheinlicher erscheint letzteres. Auf jeden Fall hat Helena Rubinstein ihr Alter auch selbst verschleiert, etwa um jünger zu erscheinen als ihre Konkurrentin Elisabeth Arden.)

Im «Schafzüchterland» ist es ihr zu langweilig. Sie geht nach Melbourne und beginnt, eine Hautcreme zu verkaufen. Ihre Mutter hat die Rezeptur von einer berühmten Schauspielerin, mit der sie befreundet ist, ein ungarischer Chemiker stellt die Wundercreme in Krakau her. Mit geborgtem Startkapital eröffnet sie 1902 ein eigenes Geschäft, später kommen weitere Cremes dazu, die sie eigens entwickeln lässt. 

Helena Rubinstein gezeichnet von Paul César Helleu 1908. Quelle: Wikipedia

Helena Rubinstein geht wieder nach Europa

Die junge Firma ist schnell erfolgreich. Hautpflege ist noch weitgehend unbekannt und der Bedarf groß. In zwei Jahren verdient sie 250’000 Pfund. Sie übergibt das Geschäft ihrer Schwester Ceska, die in der Zwischenzeit Chemie studiert hat, und geht selbst zurück nach Europa, um ihre Kenntnisse über Hautpflege zu vertiefen. Sie will ihr Unternehmen professionalisieren, knüpft wertvolle Kontakte zu Ärzten und Chemikern und lässt weitere Hautpflegeprodukte entwickeln. 

1907 eröffnet sie in London ihren ersten Salon in der «Alten Welt». Den Heiratsantrag ihres Geliebten, Edward William Titus, lehnt sie zunächst ab, heiratet ihn dann aber doch. Sie bekommt mit ihm zwei Söhne, tritt aber nur kurzzeitig kürzer. Im Jahr 1912, dem Geburtsjahr ihres zweiten Sohns, eröffnet sie einen Salon in Paris. 1914 siedelt die Familie von London nach Paris über, sie berät die Kundinnen nun wieder selbst. Zahlreiche Prominente und ihr avantgardistischer Freundeskreis verschaffen ihr immer mehr Zulauf. 

Helena Rubinstein. Quelle: Wikipedia

1915 siedelt die Familie nach New York über, was nur möglich ist, da ihr Mann die amerikanische Staatsbürgerschaft besitzt. Schnell erkennt sie das große Potenzial des amerikanischen Marktes. Ihre größte Konkurrentin ist Elizabeth Arden. Beide Unternehmerinnen gründen in rascher Folge Salons in Philadelphia, Boston, Washington, Chicago, Toronto – 1920 eröffnet Arden einen Salon in Paris. 

Börsencrash mit Folgen für Rubinstein

Ende der 20er Jahre verkauft Rubinstein ihre amerikanische Firma an das Bankhaus Lehman Brothers und erwirbt nach dem Börsencrash von 1929 das Unternehmen mit großem Gewinn zurück. 1930 eröffnet sie einen Salon in Rom, 1932 in Mailand, 1934 in Wien. Ihr Erfolg und die vielen Reisen, sie hält zeitweise einen Weltrekord für transatlantische Flüge, gehen auf Kosten ihres Familienlebens. 1937 wird ihre erste Ehe geschieden, sie heiratet ein zweites Mal, einen 25 Jahre jüngeren georgischen Prinzen von allerdings etwas zweifelhafter Abstammung. In einem Sanatorium in Zürich macht sie sich mit den Methoden von Bircher-Brenner vertraut und integriert dessen Methoden in ihr Schönheitskonzept, sie schreibt zwei Bücher und erweitert das Angebot von Helena Rubinstein um Massagen und Diäten. 

Nach dem zweiten Weltkrieg baut sie, mittlerweile über 70jährig, die teilweise zerstörten Salons in Europa wieder auf, manche Mitarbeiterinnen bleiben jedoch verschollen. In New York entwickelt sie Kosmetik für Männer. Auch eine Krebserkrankung in den 1950er Jahren kann sie nicht stoppen, sie arbeitet immer weiter und reist unermüdlich um die Welt. 1955 stirbt ihr zweiter Ehemann, 1958 ihr Sohn Horace. Mit über 90 Jahren bittet sie zu Geschäftsbesprechungen in ihr Schlafzimmer in New York. Ihr Vermögen hat sie teilweise in wohltätigen Stiftungen angelegt, sie besitzt eine umfangreiche Kunstsammlung und mehrere Häuser und Wohnungen. 

Als sie 1965 stirbt, hinterlässt sie ein erhebliches Vermögen und ein erfolgreiches Unternehmen. Die Erben, sie hat zeitlebens auf Angehörige ihrer großen Familie vertraut, haben nicht denselben Geschäftssinn. 1974 wird das Unternehmen für 143 Millionen Dollar an Colgate-Palmolive verkauft. 1980 geht es für nur noch 20 Millionen Dollar an Albi Enterprises Inc., 1988 schließlich an L’Oréal. 

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Für diese Episode verwendete Literatur: 

Doris Burchard: Der Kampf um die Schönheit. Helena Rubinstein, Elizabeth Arden, Estée Lauder. Europäische Verlagsanstalt 1999. 

Helena Rubinstein: Ein Leben für die Schönheit. Im Verlag der Arche, Zürich, 1958.

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Fossiliensammlerin, erste weibliche Paläontologin, clevere Geschäftsfrau. Wer Mary Anning war, erfahren wir hauptsächlich aus Schilderungen Dritter. Sicher ist aber, dass sie an der Südküste von England Fossilien von Ichthyosauriern und Plesiosauriern fand, zu einer Zeit, als noch niemand wusste, dass vor vielen Millionen Jahren solche gigantischen Tiere auf der Erde gelebt haben.

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Krokodile würden es wohl sein, Schildkröten vielleicht oder Fische. So erklärten sich die Geologen und anderen Naturwissenschaftler die seltsamen Funde aus Südengland. Seit dem frühen 19. Jahrhundert wurde das helle Gestein gleich am Ärmelkanal für die Herstellung von Zement abgebaut. Dabei kam neben den üblichen Fossilien von Ammoniten, Belemniten und anderen Meerestieren oder auch Pflanzen und Algen immer wieder Rätselhaftes zutage.

Mary Anning
Mary Anning von B. J. Donne

Mary Anning ging schon als junges Mädchen mit ihrem Vater Richard und ihrem Bruder Joseph auf die „Jagd“ nach Fossilien. Die Familie, die in Lyme Regis lebte, war nicht reich und verkaufte die guten Fundstücke an Tourist:innen und auch professionelle Sammler.

In dieser Folge unseres Podcasts erfahrt ihr, wie Mary vom Blitz getroffen wurde, finanzielle Unterstützung von wohlmeinenden Wissenschaftlern erhielt, während andere ihre Professionalität anzweifelten – und warum sie als Diana, Helena, Sankt Georgina und Prinzessin bezeichnet wurde statt einfach nur (verdammt noch mal) als Paläontologin.

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Quellen:
Thomas W. Goodhue: „Mary Anning: the fossilist as exegete“, Endeavour Vol.29 (1), S. 28–32. Elsevier Review 2005.
Tom Sharpe: The Fossil Woman. A Life of Mary Anning. The Dovecote Press 2020.
Michael A. Taylor und Hugh S. Torrens: „An anonymous account of Mary Anning (1799–1847), fossil collector of Lyme Regis, England, published in Chambers’s journal in 1857, and its attribution to Frank Buckland (1826–1880), George Roberts (c.1804–1860) and William Buckland (1784–1856)“, Archives of natural history 41 (2), S. 309–25. Edinburgh University Press 2014.
Hugh S. Torrens: „Mary Anning (1799–1847) of Lyme; ‘the greatest fossilist the world ever knew’“, BJHS 28 (3), S. 257–84. Cambridge University Press 1995.
Peggy Vincent et al.: „Mary Anning’s legacy to French vertrebrate paleontology“, Geol. Mag. 151 (1), S. 7–20. Cambridge University Press 2013.

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Hier ist der erwähnte Koprolith oder Kotstein von Susanne:

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Die Frankfurterin heiratete einen Kaufmann, bekam fünf Kinder, wurde früh Witwe und musste sich dann ganz allein um Ausbildung, Haushalt, Finanzen und ein Unternehmen kümmern. Friederike Ronnefeldt wurde 99 Jahre alt. Die Firma, die ihr Mann Johann Tobias Ronnefeldt gegründet hat, gibt es heute, 200 Jahre später, immer noch.  

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Die Eckdaten ihres langen Lebens sind bekannt. Es gibt einen Stammbaum, einige Briefe und Fotografien sind erhalten geblieben. Und trotzdem ist es nicht einfach, aus diesen Puzzlesteinen ein ganzes Leben zusammenzusetzen – oder einen Roman. Für die Geschichte um „Die Teehändlerin“ habe ich daher viele weitere historische Quellen hinzugezogen, die in dieser Podcast-Folge zur Sprache kommen. Frankfurt im Jahr 1838, das war eine ausgesprochen lebendige Handelsstadt, Sitz der Deutschen Bundesversammlung und ein Stadtstaat, der sich selbst regierte. Die Bürger waren selbstbewusst, gründeten unzählige Vereine und hatten regen Anteil am kulturellen und politischen Leben. Hauptsächlich galt dies allerdings für die Männer, denn für Frauen war gerade die Zeit des Biedermeier eher mit einem Rückzug in den häuslichen Bereich verbunden. Ich stelle einige Frauen vor, die zur selben Zeit wie Friederike in Frankfurt gelebt haben, und auch die Bedeutung des Tees und des Teehandels kommt in dieser Episode zur Sprache. Einige Zitate aus Originalbriefen von Tobias und Friederike vermitteln einen schönen Eindruck vom damaligen Alltag.

Friederike Ronnefeldt (Abbildung Firma Ronnefeldt)

Eine sehr frühe Anzeige von J. T. Ronnefeldt, mit der er in der Zeitung seine Waren anpreist

Neue Kräme, Frankfurt, 1854
(Aquarell von Theodor Reiffenstein)

Tobias-Ronnefeldt-1
Porträt von Johann Tobias Ronnefeldt (1794 bis 1845)

Tipps und Hinweise

Petra Hucke liest am 28. September 2021 um 19 Uhr in Mühlhausen, Thüringen

Susanne Popp ist am 23. Oktober bei den OpenBooks in Frankfurt dabei

und außerdem am 30. Oktober 2021 bei Zürich liest

In der Episode erwähnen wir Bianca Walther, Podcast Frauen von damals, Folge 8, von Olympe bis Helene: Streifzug durch 100 Jahre Frauenbewegung

Cäcilie Marianne Gontard, Porträt auf frankfurterfrauenzimmer.de

Goethe und der Ginkgo

Quellen:

Im Nachwort zu “Die Teehändlerin” werden zahlreiche Quellen genannt, die für den Roman und für die Episode verwendet wurden

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Back of every great work we can find the self-sacrificing devotion of a woman – das steht auf einer Plakette an der Brooklyn Bridge. Emily Warren Roebling war die Frau, die sich für den Bau dieser ikonischen Brücke „aufopferte“, als ihr Mann, der Chefingenieur, schwer krank wurde. Diese Folge ist eine Ergänzung zur Romanbiografie Die Architektin von New York und erzählt vor allem von Emily Warren Roeblings Leben vor und nach dieser monumentalen Aufgabe.

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Aufgewachsen ist Emily Warren im idyllischen Cold Spring im Staat New York. Sie war ein lebendiges, gesundes Mädchen vom Land, das sofort die Aufmerksamkeit des Adjutanten Washington A. Roebling auf sich zog, als sie sich auf einem Officers Ball kennenlernten. Die nächsten 20 Jahre standen im Zeichen der Great Brigde oder Brooklyn Bridge, aber das soll hier nicht näher ausgeführt werden.

Emily Warren Roebling
Emily Warren Roebling (Quelle)

Im Jahr der Eröffnung dieses monumentalen Bauwerks, 1883, war Emily Warren Roebling 40 Jahre alt und hatte noch längst nicht genug vom Leben. Sie baute ein Haus und richtete es ein, sie kümmerte sich um ihren oft kränklichen Mann, organisierte Wohltätigkeitsveranstaltungen und ging, wenn ihr langweilig wurde, auf Reisen.

1896 wurde sie dabei Queen Victoria in London vorgestellt, und in Russland konnte sie an den Krönungsfeierlichkeiten von Zar Nikolaus dem II. und Zarin Alexandra teilnehmen.

Emile Auguste Carolus-Duran: Porträt der Emily Warren Roebling – bei Queen Victoria (Quelle)

Danach wurde sie in der Frauenbewegung und zahlreichen Vereinen, Clubs und Vorständen aktiv. Sie hielt Reden und brachte anderen Frauen bei, ebenfalls in der Öffentlichkeit zu sprechen. Eine Vortragsreise führte sie durch die ganzen USA.

Als auch das noch nicht reichte, studierte sie im Rahmen eines speziell für Frauen eingerichteten Studiengangs Rechtswissenschaften an der NYU. In ihrem Abschluss-Essay, den sie während der Zeremonie öffentlich vorlas, kritisierte sie die fehlenden Rechte für Ehefrauen und Witwen.

Emily Warren Roebling nach Abschluss ihres Jurastudiums (Quelle)

Emily Warren Roebling starb 1903 an einer Herzmuskelschwäche.

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Nach Aufnahme dieser Folge meinte Susanne, dass Emilys Mann Washington wirklich nicht allzu gut wegkäme, und weil ich halt doch Autorin und keine Historikerin bin und beim Schreiben meines Romans liebgewonnen habe, will ich hier noch anfügen, dass die Briefe zwischen ihnen wirklich von großer Liebe und Herzlichkeit sprechen und sich in seinem Nachlass ein kopiertes Gedicht aus der Zeit ihres Todes fand, das mit der Zeile „Good night, dear heart, good night, good night“ endet. Über die Zeit des Brückenbaus sagte er einmal: „At first I thought I would succumb, but I had a strong tower to lean upon, my wife, a woman of infinite tact and wisest cousel.“

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Quellen:
David McCullough: The Great Bridge. The Epic Story of the Building of the Brooklyn Bridge. Simon & Schuster, New York 1972.
Donald Sayenga: Washington Roebling’s Father: A Memoir of John A. Roebling. ASCE Press, 2009.
Erica Wagner: Chief Engineer. Washington Roebling. The Man Who Built the Brooklyn Bridge. Bloomsbury Publishing, New York 2017.
Marilyn E. Weigold: Silent Builder: Emily Warren Roebling and the Brooklyn Bridge. Associated Faculty Press, Port Washington, New York 1984.

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Bertha Pappenheim war Frauenrechtlerin, sprach sich aber gegen Frauenwahlrecht und Abtreibung aus. Sie war Sozialaktivistin, sprach sich aber dagegen aus, dass Menschen für Sozialarbeit bezahlt wurden. Sie übersetzte A Vindication of the Rights of Woman von Mary Wollstonecraft sowie die Memoiren von Glikl bas Judah Leib. Außerdem war sie Anna O. – die junge Frau hinter Sigmund Freuds psychoanalytischer Fallstudie zur sogenannten Hysterie, der Modekrankheit des 19. Jahrhunderts.

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Bertha Pappenheim selbst sprach in in ihrem späteren Leben nie mehr über ihre Erfahrungen mit ihrem Dr. Josef Breuer und seiner Psychoanalyse (die er noch nicht so nannte). Doch auch die modernen Biografien, in denen die Autorinnen behaupten, man solle Bertha Pappenheims spätere soziale Arbeit viel stärker betonen als die wenigen Jahre ihrer Krankheit, nehmen bereits in ihren Titeln immer wieder darauf Bezug. Das leicht Skandalöse, Dramatische dahinter zieht. Und so – shame on us – reden auch wir in dieser Folge darüber …

Bertha Pappenheim während ihres Aufenthalts im Sanatorium Bellevue 1882
Fotograf unbekannt, Quelle: Wikipedia

Bertha Pappenheim, die bereits früh schneeweiße Haare bekam, heiratete nie, sondern konzentrierte sich als Erwachsene auf Wohltätigkeitsarbeit. So erzählen wir auch von ihrer Zeit in Frankfurt am Main und der Gründung eines Waisenhauses für jüdische Mädchen und Frauen in Neu-Isenburg sowie von ihren Tätigkeiten im Jüdischen Frauenbund und ihren Reisen durch Osteuropa, wo sie sich Kinderheime und Bordelle ansah. Sie sprach mit Politik, Polizei und sogar einer Königin. Ihr großes Ziel war es, dass die armen, ungebildeten jüdischen Familien dort nicht mehr auf Menschenhändler hereinfielen, die den Frauen und Mädchen das Blaue vom Himmel – genauer: Arbeit und Auskommen versprachen, um sie in Deutschland als Prostituierte zu verkaufen.

Wie es vielen Menschen geht, die ihrem Leben einer solchen Aufgabe verschreiben, hatte Bertha Pappenheim oft Angst, niemals genug tun zu können. Doch viele ihrer Mitstreiter*innen und „Geretteten“ haben sie stets verehrt.

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Ergänzungen:

Susanne fragte nach Bertha Pappenheims Bruder. Wilhelm hieß er. Gefunden habe ich nur, dass sie gemeinsam beim Erforschen ihres Stammbaums herausgefunden haben, dass sie mit Glikl verwandt sind. Also hatten die beiden auf jeden Fall im Erwachsenenalter noch Kontakt.

Das erwähnte Buch von Irvin D. Yalom heißt Und Nietzsche weinte. (Und ja, einen Film gibt es davon auch!) Empfehlen kann ich allen, die sich für Psychoanalyse und -therapie interessieren, außerdem Yaloms Memoiren Wie man wird, was man ist. Und, wenn wir grad beim Thema sind: Vielleicht solltest du mal mit jemandem darüber reden von Lori Gottlieb.

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Quelle:
Marianne Brentzel: Sigmund Freuds Anna O. Das Leben der Bertha Pappenheim. Biografie, Reclam Verlag, Leipzig 2004.

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Glikl bas Judah Leib oder Glückel von Hameln führte das Leben einer wohlhabenden jüdischen Kauffrau im Altona des 17. Jahrhunderts. Sie war zweimal verheiratet, gebar zwölf Kinder und hinterließ ihnen autobiografische Aufzeichnungen, in denen sie sich im inzwischen ausgestorbenen Westjiddisch zu Familie und Ehe, Religion und Messiasglauben sowie die Hochs und Tiefs der jüdischen Gemeinschaft in Europa äußerte.

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Aus vielen Sorgen und Nöten und Herzeleid

Im Jahre 1691 beginne ich dieses zu schreiben, aus vielen Sorgen und Nöten und Herzeleid … Ich habe dieses angefangen zu schreiben mit Gottes Hilfe nach dem Tode eures frommen Vaters, und es hat mir wohlgetan, wenn mir die melancholischen Gedanken gekommen sind, aus schweren Sorgen, als wir waren wie eine Herde ohne Hirt und wir unseren getreuen Hirten verloren haben. Ich habe manche Nacht schlaflos zugebracht und ich habe besorgt, dass ich nicht, Gott bewahre, in melancholische Gedanken sollte kommen. Darum bin ich oft nachts aufgestanden und habe die schlaflosen Stunden damit zugebracht.

Man weiß nicht, wann Glikl ihren Kindern diese Aufzeichnungen überreicht hat. Ob sie noch am Leben war? Oder ob die Kinder die beschriebenen Seiten irgendwann nach ihrem Tod in einer Schublade gefunden haben? Jedenfalls war es ein großer Schatz, den sie dort in den Händen hielten, eine Lebensgeschichte der Mutter, immer wieder ergänzt durch Erinnerungen und Anekdoten aus der großen jüdischen Gemeinde, die sich über Altona und Deutschland auf ganz Europa erstreckt.

Glikl bas Judah Leib
Bertha Pappenheim als Glikl. Gemälde von Leopold Pilichowski. Original von 1925.

Ein seltenes Schriftstück

Und auch für uns heute ist Glikls Autobiografie ein interessantes Schriftstück. Wann kann man schon einmal direkt in den Kopf einer aschkenasischen Jüdin aus dem 17. Jahrhundert schauen? Der Originaltext ist in Westjiddisch verfasst, einer heute nicht mehr gesprochenen Sprache, und auf Deutsch steht er uns dank der Übersetzung von Bertha Pappenheim zur Verfügung. Bertha Pappenheim ist es auch, die auf diesem Gemälde von Leopold Pilichowski als Glikl posiert. Von Glikl selbst gibt es leider kein Porträt.

Wie sie als (sehr!) junge Frau eines Luxuswarenhändlers zurechtkommt, ob sie gute Partien für ihre Kinder findet und ob die ganze Familie einem vermeintlichen Messias nach Ägypten folgt, all das erfahrt ihr in unserer Podcast-Folge zu Glikl bas Judah Leib oder Glückel von Hameln. (Auch die zwei Namen erklären wir natürlich.)

Wie im Podcast versprochen, hier noch ein Link zum ersten von zehn Videos von La Porta Musicale, in denen ein großer Teil aus Glikls Text vorgelesen und passende Musik dazu gespielt wird. Hört mal rein, um euch einen Eindruck von Glikls Sprache zu machen: Glikl von Hameln – musikalisch literarisch.

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Quellen:
Marianne Awerbuch: „Vor der Aufklärung: Die Denkwürdigkeiten der Glückel von Hameln – Ein jüdisches Frauenleben am Ende des 17. und zu Beginn des 18. Jahrhunderts“. In: Willi Jasper und Joachim H. Knoll (Hrsg.): Preußens Himmel breitet seine Sterne, Georg Olms Verlag, Hildesheim/Zürich/New York 2002.
Bernhard Gelderblom: Die Juden von Hameln von ihren Anfängen im 13. Jahrhundert bis zu ihrer Vernichtung durch das NS-Regime. Verlag Jörg Mitzkat, Holzminden 2011.
Inge Groll: Die jüdische Kauffrau Glikl (1646–1724). Edition Temmen, Hamburg 2011.

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Sie gründete eine eigene politische Partei, um sich zur Präsidentschaftskandidatin der USA aufstellen zu lassen, sie sagte einem Eisenbahnbaron die Aktienkurse voraus und trat für Frauenrechte, aber nicht unbedingt für die Frauenwahl ein. Victoria Woodhull kam aus schlechten Verhältnissen und legte sich mit mächtigen Männern an.

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Frühling in England, Mitte der 1920er Jahre. Eine lange, von Bäumen gesäumte Auffahrt, Blütenblätter schweben durch die Luft. Die Musik schwillt an, als ein Ford Modell A den knirschenden Kiesweg hinauffährt, am Steuer eine betagte Dame mit weißen Haaren und einem im Fahrtwind flatternden Schal. Neben ihr ein junger Mann, ein Journalist, mit Notizblock auf dem Schoß, der sich auf dem Sitz zusammenkauert, als die Fahrerin noch einmal beschleunigt, bevor sie auf dem Hof des Herrenhauses zum Stehen kommen. Die Tür öffnet sich, ein Butler tritt heraus.

Nein, das ist keine Szene aus Downton Abbey, sondern eine aus einem ungeschriebenen Film, der in meinem Kopf läuft, wenn ich mir die späten Jahre der US-Amerikanerin Victoria Woodhull vorstelle. (Und ich weiß, Schals in offenen Automobilen sind gefährlich, fragt ruhig mal Isadora Duncan.)

Als Kind hätte sie sich solch einen Lebensabend wohl nicht vorgestellt. Die Familie Claflin war bitterarm, ihre Mutter umarmte Bäume, ihr Vater war ein Gauner und Betrüger, der in ganz schlechten Zeiten seine Töchter als Wahrsagerinnen oder zur Prostitution anbot.

So wusste Victoria früh, dass sie ausbrechen muss. Sie wurde Geschäftsfrau, Journalistin und Herausgeberin, Börsenmaklerin und Frauenrechtlerin, mischte die New Yorker Politik auf und erklärte sich zur ersten Präsidentschaftskandidatin. Zwischendurch heiratete sie zweimal, bekam zwei Kinder, propagierte die freie Liebe, wurde eingesperrt und freigelassen, scheffelte Geld und verlor es wieder.

Es ist ein wunderbar skandalöses, wildes Leben, von dem wir euch in dieser Folge erzählen. In Überlänge.

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PS: Ein Fehlerchen hat sich eingeschlichen. Cornelius Vanderbilt ist nicht „schon Mitte vierzig“, sondern „schon Mitte siebzig“.

Noch ein PS: Den empfehlenswerten Podcast hart aber fail von Juli und Julia, Kulturwissenschaftlerinnen und Schauspielerinnen, findet ihr unter anderem bei Spotify. Die beiden reden mit ihren Gästen übers Scheitern, feiern ganz bewusst die Dinge, die nicht geklappt haben, und ermuntern dadurch zu mehr Gelassenheit im Alltag.

Quelle:

Antje Schrupp: Vote for Victoria! Das wilde Leben von Amerikas erster Präsidentschaftskandidatin Victoria Woodhull (1838–1927), Ulrike Helmer Verlag, Sulzbach/Taunus 2016.

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Die «Grande Dame de la Champagne», Veuve Clicquot-Ponsardin, war eine erfolgreiche Unternehmerin und wurde für ihre Innovation in der Champagner-Herstellung bekannt. Ihr Erbe steckt weltweit in jedem Schaumwein, der nach der Methode der Flaschengärung hergestellt wird.

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Es gibt kein Gemälde, welches die junge oder gar jugendliche Barbe-Nicole Clicquot-Ponsardin zeigt. Es gibt nur Porträts von ihr als alte Dame. Dort präsentiert sie sich stolz als die berühmte «Grande Dame de la Champagne», schon zu Lebzeiten ein Mythos. 

Einer Romanschriftstellerin verschaffen solche und andere Lücken kreativen Spielraum. Es gibt Hinweise auf ihre Augenfarbe, ihre Größe oder Haarfarbe – und schon erscheint die Person vor dem inneren Auge. Ihr Charakter lässt sich aus dem Lebenswerk rekonstruieren. Das Privatleben entsteht rund um die bekannten historischen Daten. 

Da sind zum Beispiel die zahlreichen jungen Männer, die in ihrem Leben eine Rolle spielen. Monsieur Kessler, der später selbst eine Sektkellerei gründet, beginnt mit gerade einmal zwanzig Jahren bei ihr zu arbeiten. Monsieur Werlé, der im Roman noch keinen Auftritt hat, kommt etwa fünfzehn Jahre später als Praktikant zu ihr in die Firma, um sein Französisch aufzubessern, und wird schnell ihr Favorit und später ihr Nachfolger. Ich möchte Madame nichts unterstellen – sondern einfach nur annehmen, dass sie noch andere Dinge im Kopf hatte als ihre Arbeit. 

Portrait de Madame Clicquot par Cogniet (1794-1880).
Huile sur toile (129,5 cm X99,3 cm), peinte entre 1851 et 1861.

Dabei stand die Arbeit ganz ohne Frage im Mittelpunkt ihres Lebens, denn Madame Clicquot war ehrgeizig bis hin zur Besessenheit. Früh erkannte sie, was die Kunden im fernen Zarenreich von ihr erwarteten – und sie ruhte nicht, bis sie zuverlässig den für russische Gaumen perfekten Champagner liefern konnte. Als ihre Konkurrenten am Ende der napoleonischen Ära noch zögerten, charterte sie bereits ein Schiff, um ihren Wein nach Russland zu transportieren – und zwar ohne zu wissen, ob er dort überhaupt gehandelt werden durfte. Sie erfand die Remuage, und während der Wein der übrigen Produzenten immer noch unansehnlich trübe war, da war der Champagner von Veuve Clicquot bereits glasklar und sprudelnd.

Anonymes Gemälde aus dem Bildband von Frédérique Crestin-Billet. Das Etikett ist weiß – auch diese Variante gab es (für demi-sec), wesentlich häufiger war jedoch auch damals das orangenfabene Etikett.

Diese Liste ließe sich noch lange fortsetzen. Seien es die Brandzeichen auf den Korken, die perfekte Flaschenform, die Wahl der Farbe und des Schriftzugs für die Etiketten – absolut nichts überließ Madame Clicquot dem Zufall, davon zeugt ein umfassender Schriftverkehr. Ihre Risikobereitschaft brachte ihr Unternehmen auch das eine oder andere Mal in Gefahr, doch da sie sich mit zuverlässigen und charakterstarken Mitarbeitern umgeben hatte, bewältigten sie diese Krisen gemeinsam und gingen gestärkt daraus hervor. 

Mehr über das inspirierende Leben dieser beeindruckenden Unternehmerin und die spannenden historischen Hintergründe des Champagners und des Romans erzählen wir euch in dieser Podcast-Episode. 

Foto: Susanne Popp ℅ Veuve Clicquot, Reims

Quellen: 

Tilar J. Mazzeo: Veuve Clicquot. Die Geschichte eines Champagner-Imperiums und der Frau, die es regierte. Hoffmann & Campe 2009
Frédérique Crestin-Billet: Veuve Clicquot. La Grande Dame de La Champagne. Glénat, 1992. 

Das Leben der Veuve Clicquot stellt die historische Vorlage dar für den Roman von Susanne Popp: Madame Clicquot und das Glück der Champagne, Rowohlt, 2020 (zum Beispiel bei Amazon erhältlich)

Artwork und Musik: Uwe Sittig

Frauenleben-Hosts: Susanne Popp und Petra Hucke

Frauenleben-Podcast

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