Sie gründete eine eigene politische Partei, um sich zur Präsidentschaftskandidatin der USA aufstellen zu lassen, sie sagte einem Eisenbahnbaron die Aktienkurse voraus und trat für Frauenrechte, aber nicht unbedingt für die Frauenwahl ein. Victoria Woodhull kam aus schlechten Verhältnissen und legte sich mit mächtigen Männern an.

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Frühling in England, Mitte der 1920er Jahre. Eine lange, von Bäumen gesäumte Auffahrt, Blütenblätter schweben durch die Luft. Die Musik schwillt an, als ein Ford Modell A den knirschenden Kiesweg hinauffährt, am Steuer eine betagte Dame mit weißen Haaren und einem im Fahrtwind flatternden Schal. Neben ihr ein junger Mann, ein Journalist, mit Notizblock auf dem Schoß, der sich auf dem Sitz zusammenkauert, als die Fahrerin noch einmal beschleunigt, bevor sie auf dem Hof des Herrenhauses zum Stehen kommen. Die Tür öffnet sich, ein Butler tritt heraus.

Nein, das ist keine Szene aus Downton Abbey, sondern eine aus einem ungeschriebenen Film, der in meinem Kopf läuft, wenn ich mir die späten Jahre der US-Amerikanerin Victoria Woodhull vorstelle. (Und ich weiß, Schals in offenen Automobilen sind gefährlich, fragt ruhig mal Isadora Duncan.)

Als Kind hätte sie sich solch einen Lebensabend wohl nicht vorgestellt. Die Familie Claflin war bitterarm, ihre Mutter umarmte Bäume, ihr Vater war ein Gauner und Betrüger, der in ganz schlechten Zeiten seine Töchter als Wahrsagerinnen oder zur Prostitution anbot.

So wusste Victoria früh, dass sie ausbrechen muss. Sie wurde Geschäftsfrau, Journalistin und Herausgeberin, Börsenmaklerin und Frauenrechtlerin, mischte die New Yorker Politik auf und erklärte sich zur ersten Präsidentschaftskandidatin. Zwischendurch heiratete sie zweimal, bekam zwei Kinder, propagierte die freie Liebe, wurde eingesperrt und freigelassen, scheffelte Geld und verlor es wieder.

Es ist ein wunderbar skandalöses, wildes Leben, von dem wir euch in dieser Folge erzählen. In Überlänge.

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PS: Ein Fehlerchen hat sich eingeschlichen. Cornelius Vanderbilt ist nicht „schon Mitte vierzig“, sondern „schon Mitte siebzig“.

Noch ein PS: Den empfehlenswerten Podcast hart aber fail von Juli und Julia, Kulturwissenschaftlerinnen und Schauspielerinnen, findet ihr unter anderem hier bei Spotify. Die beiden reden mit ihren Gästen übers Scheitern, feiern ganz bewusst die Dinge, die nicht geklappt haben, und ermuntern dadurch zu mehr Gelassenheit im Alltag.

Quelle:

Antje Schrupp: Vote for Victoria! Das wilde Leben von Amerikas erster Präsidentschaftskandidatin Victoria Woodhull (1838–1927), Ulrike Helmer Verlag, Sulzbach/Taunus 2016.

Artwork und Musik: Uwe Sittig

Frauenleben-Hosts: Susanne Popp und Petra Hucke

Frauenleben-Podcast

Instagram: https://www.instagram.com/frauenleben.podcast/

Liebe Susanne, gute Frage, ob es noch Langeweile gibt. Nicht nur weil man immer gleich zum Handy greift und niedliche Hundebabys oder das dreiundzwanzigste Update des Tages zur US-Präsidentschaftswahl anschaut … Man hat ja auch…

Liebe Susanne, nun ist der Tag schon fast vorbei, aber ich muss dir noch schnell zur Veröffentlichung deiner Madame Clicquot und das Glück der Champagne (in E-Book-Form) gratulieren! Ich hoffe, ihr habt mit einem orangenen…

Liebe Susanne, deine Eltern waren Jugendherbergseltern!? Das allein hört sich ja schon nach einer Kinderbuchkindheit an – Mädcheninternate, Kinderheime, Jugendherberge, klingt alles nach dieser Backfischliteratur von früher. Meine Mutter hat mir ihren Trotzkopf vererbt, und…

Noch heute findet man in ganz Deutschland Schulen und Kindergärten, die der Methode der italienischen Reformpädagogin folgen. Während sie sich für die Erziehung fremder Kinder einsetzte, war es für sie gar nicht so einfach, auch ihr Privatleben auf die Reihe zu bekommen. Auch das ist heute leider für viele arbeitende Mütter noch ein brandaktuelles Thema.

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Ich kann schreiben! Ich kann schreiben!

Maria hat dem Jungen gesagt, er solle ihr etwas mit Kreide auf den Boden malen. Doch mit einem Mal formt er Buchstaben und schreibt ganze Wörter auf den Asphalt. Auf seinen verblüfften Ausruf hin kommen die anderen Kinder des Casa dei bambini angerannt und tun es ihm, genauso verblüfft, nach. Eine Schreibexplosion, nennt Maria das – und die sei einfach nur das folgerichtige Ergebnis ihrer Methode.

Sie selbst ist noch ganz anders unterrichtet worden. Die leicht aufmüpfige, vielleicht auch etwas frühreife Maria hat unter dem typischen Frontalunterricht der Zeit gelitten, im Rom der 1870er- und 1880er-Jahre. Damals hat sie sich eigentlich vorgenommen, nicht selbst berühmt zu werden, damit nicht später jemand ihre biografischen Daten auswendig lernen muss – Auswendiglernen war ihr wohl wirklich zuwider.

Und doch: Sie wird 1870 in Ancona geboren, will erst Ingenieurin werden, dann Ärztin. Sie hasst den Anatomie-Unterricht, studiert bis 1896 und erhält als erste Italienerin einen Doktortitel. Congratulazioni, Dotoressa Montessori. Sie spezialisiert sich auf Kinderheilkunde und beschäftigt sich mit geistig behinderten Kindern.

Sie selbst bekommt auch ein Kind, einen Sohn, geistig gesund, doch der Vater – ein Kollege – möchte die Existenz des unehelichen Mario lieber geheim halten. Mario wird weggegeben. Aufs Land. Ist es Scham? Vorauseilender Gehorsam? Zwang? Eine Entscheidung für die Karriere? Maria selbst sagt nichts dazu, ihr schwärmerischer Biograf aus den 1950er-Jahren lässt den Sohn praktisch unter den Tisch fallen.

In den folgenden Jahren entwickelt Maria Montessori die Methode, für die sie im Handumdrehen berühmt wird. Das Motto lautet: „Hilf mir, es selbst zu tun!“

Was genau das bedeutet und was und wie die Kinder im ersten Casa dei bambini und heute noch in Montessori-Kindergärten und -Schulen lernen, erfahrt ihr in dieser Episode.

Quellen – die jedoch mit Vorsicht zu genießen sind:
Helmut Heiland: Maria Montessori, Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1991.
Marjan Schwegman: Maria Montessori, 1870–1952. Kind van haar tijd, vrouw van de wereld, Amsterdam University Press, Amsterdam 1999.
E. M. Standing: Maria Montessori – Her life and work, Advanced Library Guild, Fresno 1959.

Besser: Eine kurze, verständliche Erklärung der Montessori-Methode gibt es im Kita-Handbuch.

Artwork und Musik: Uwe Sittig

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