Hierzulande kennt wohl kaum jemand Margaret Mead. In den USA war die Anthropologin allerdings ein Medienstar, die sich nicht nur über fremde Völker äußerte, sondern auch zu nahezu jeder Debatte der amerikanischen Gesellschaft.

Am häufigsten sprach sie über das Verhältnis von Mann und Frau sowie Jugend, Pubertät und Sexualität.

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Der wunderbare Roman von Lily King heißt Euphoria. Erschienen bei dtv, übersetzt von Sabine Roth.

In der Einführung erwähnen wir den Substack-Blog von Kaye Jones, The Herstorian.

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Quellen:
Mary Catherine Bateson: Mit den Augen einer Tochter. Meine Erinnerung an Margaret Mead und Gregory Bateson. Rowohlt 1986. Übersetzt von Rosemarie Lester.
Jane Howard: Margaret Mead. A Life. Simon and Schuster 1984.
Charles King: Schule der Rebellen. Wie ein Kreis verwegener Anthropologen Race, Sex und Gender erfand. Carl Hanser Verlag 2020. Übersetzt von Nikolaus de Palézieux.
Hilary Lapsley: Margaret Mead and Ruth Benedict. The Kinship of Women. University of Massachusetts Press 1999.

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Artwork und Musik: Uwe Sittig 

Frauenleben-Hosts: Susanne Popp und Petra Hucke 

Frauenleben-Podcast 

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Bettine von Arnim war eine Schriftstellerin der Romantik und eine schillernde Persönlichkeit, die sich nicht den Konventionen ihrer Zeit fügte. Als Witwe begann sie zu schreiben. Sie setzte sich für arme und benachteiligte Menschen ein, wollte den preußischen König belehren und die Welt verbessern, eckte dadurch jedoch auch innerhalb der eigenen Familie an.

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Catharina Ludovica Elisabetha Magdalena Brentano, wie sie mit vollem Mädchennamen hieß, wird am 4. April 1785 in Frankfurt geboren. Den Namen Bettine gibt sie sich selbst, so signiert sie ihre Briefe. Sie ist das dreizehnte Kind ihres Vaters Peter Anton Brentano (1735 – 1797), der aus einer alten italienischen Kaufmannsfamilie stammte, die ursprünglich aus Tremezzo am Comer See nach Frankfurt eingewandert war. Nach dem Tod seiner ersten Ehefrau ging Peter Anton – oder auch Pietro Antonio – mit 38 Jahren eine zweite Ehe ein. Er heiratete die 18jährige Maximiliane (1756–1793), Tochter von Sophie von La Roche (1730–1807) und Georg Michael Frank von La Roche (1720–1788).

Bettine von Arnim, Porträt mit Büchern von Ludwig Emil Grimm
Um 1809. Zeichnung von Ludwig Emil Grimm.
Quelle: Wikipedia

Die Mutter Maximiliane, der man heutzutage womöglich eine Depression bescheinigen würde, stirbt, als Bettine acht Jahre alt war. Vier Jahre später stirbt der Vater, zu dem Bettine trotz seiner häufigen Abwesenheiten ein enges Verhältnis gehabt haben soll. Neuer Vormund wird ihr Halbbruder Franz Brentano.

In der großen Familie mit der unübersichtlichen Geschwisterschar – zwanzig Kinder von drei Ehefrauen hatte der Vater insgesamt – fehlt es oft an Bezugspersonen für die junge Bettine, was ihr hohes Maß an Resilienz umso bemerkenswerter macht. Später blickt sie in ihrem literarischen Werk mit einer gewissen inszenierten Leichtigkeit auf ihre Kinder- und Jugendjahre zurück. Doch die Ehebriefe an Achim von Arnim oder die Briefe an ihre Söhne verraten – mehr als ihr literarisches Werk es könnte – etwas über die wahre Bettine, offenbaren auch Verunsicherung, Frustration und Zweifel.

Erziehung in der Kindheit – die Schwebereligion

Schon vor dem Tod der Mutter wird Bettine mit zwei ihrer Schwestern in ein Kloster der Ursulinen nach Fritzlar geschickt, wo sie insgesamt vier Jahre bleibt. Bemerkenswert sind Bettines Ansichten zur Religion. Im Kloster in Fritzlar gefallen ihr vor allem der Garten und die Natur. Die Gottesdienste verschläft sie hingegen, mit dem Katholizismus kann sie nicht viel anfangen, insbesondere nicht mit der Vorstellung, dass die Menschen Sünder seien. Bettine kennt zwar die Bibel, entwickelt jedoch ihren eigenen Glauben, da sie mit der Drohbotschaft des Christentums nichts anfangen kann. Sie bezeichnet Jesus als „Seelenschmetterling“ und die Kirchgänger als „ängstliches Raupengeschlecht.“ Bettines Religion ist der zu sich selbst kommende Mensch.

„Ich soll doch mein eigen werden, denn sonst wäre ich umsonst.“ Vertrauen auf Gott bedeutet für sie Selbstvertrauen, fromm sein heißt, die eigene Schönheit zu lieben. „Sei mit dir selbst wie mit einer Geliebten. Wer sich nicht liebt, ist sich verloren.“ Sie spielt sogar mit dem Gedanken, eine eigene Religion gründen, die sie die „Schwebereligion“ nennt. Bettines Credo: „Jeder soll neugierig sein auf sich selber und soll sich selbst zutage fördern wie aus der Tiefe ein Stück Erz oder einen Quell.“

„Mir deucht, mit den fünf Sinnen, die Gott uns gegeben hat, könnten wir alles erreichen.“

Bettine von Arnim

Bei der Großmutter Sophie von La Roche

Mit elf Jahren kommt Bettine – wiederum mit zwei Schwestern – zu ihrer als Schriftstellerin berühmten und sehr erfolgreichen Großmutter Sophie von La Roche. Sowohl im Kloster als auch bei der Großmutter wird ihr die typische eher mangelhafte und unsystematische Mädchenbildung der damaligen Zeit in Musik, Zeichnen und Malen zuteil. Bettine besitzt jedoch einen unerschütterlichen Glauben an die Selbstbildungsfähigkeiten des Menschen und noch dazu relativ große Freiheiten, sich lesend zu bilden. Bettine erweist sich als sehr begabte Schülerin, stilisiert sich jedoch im Nachhinein als bildungsunwillig. Sie mag keine Geschichte, denn männliche Heldentaten sind ihr zuwider, und sie mag keine Philosophie, durch die sie sich eingeengt fühlt. Dafür philosophiert sie selbst, ist beständig auf der Suche nach Wahrheit.

Sophie von La Roche, ihre Tochter Maximiliane und deren Gatte Peter Anton Brentano auf einem Familienbild, etwa 1773/1774 (Wikipedia)

Die Großmutter Sophie von La Roche, geborene Gutermann, hatte 1770 den überaus erfolgreichen Briefroman Das Fräulein von Sternheim veröffentlicht, den ersten deutschsprachigen Roman, der von einer Frau verfasst wurde. Sie unterhielt in ein Ehrenbreitstein einen literarischen Salon und galt als „Erzieherin der weiblichen Jugend zu Sitte und Anstand“. Sie fördert zwar die Bildung von Mädchen, ist jedoch gleichzeitig der Meinung, dass zu viel Bildung die Chancen auf dem Heiratsmarkt einschränkte.

Mit 12 Jahren lernt Bettine ihren sieben Jahre älteren Bruder Clemens Brentano (1778 – 1842) kennen. Ab 1801 beginnt der regelmäßige Briefwechsel zwischen den beiden, der ihr neue Impulse gibt.

Auf dem Heiratsmarkt

Als Bettine siebzehn ist, zieht sie zu ihrem Halbbruder Franz nach Frankfurt, um bei seiner Frau Antonie die Tugenden einer Hausfrau zu erlernen. Mit dem Umzug nach Frankfurt ist das schöne freie Leben für Bettine erst einmal vorbei. Sie ist unglücklich, denn sie würde gerne reisen, was ihr aber nicht gestattet wird. Auf die Entfaltung ihrer Begabung besteht keine Aussicht, nur die Ehe gilt für eine Frau als erstrebenswert.

1803 gibt es einen ersten reichen Heiratskandidaten, den Bettine entsetzt ablehnt, obwohl er sehr reich ist. Sie findet, „er ist ein Esel“. Ihr Bruder Clemens schlägt ihr seinen Freund Friedrich Carl von Savigny (1779 – 1861) vor, doch der „fürchtet sich vor ihr“. 1804 heiratet Savigny die Schwester Gunda. Clemens stellt ihr Achim von Arnim vor (1781 – 1831). Die beiden freunden sich an und schreiben sich, haben jedoch zunächst ein rein freundschaftliches Interesse aneinander.

Bettine von Arnim Porträt
Bettine von Arnim. Quelle: Wikipedia

In den folgenden Jahren lebt Bettine in Marburg bei Savignys, dann in Kassel bei der Schwester Lulu, die einen Bankier geheiratet hat, dann wieder bei den Savignys in Landshut. Sie hilft im Haushalt und mit den Kindern. Bettine ist jetzt 23 Jahre alt. Obwohl sie gemeinsam mit den Schwestern endlich reisen kann und viele Bekanntschaften macht, gefällt es ihr nicht, auf ihre Verwandten angewiesen zu sein. Sie bezeichnet sich selbst als traurig und unruhig, empfindet Isolation und Einsamkeit, fühlt eine gewisse Fremdheit zwischen sich und der Familie.

Bettine von Arnim und Clemens Brentano

Clemens Brentano ist, genau wie seine Halbschwester Bettine, innerhalb der großen verzweigten Familie Brentano ein Außenseiter. Kaufmännisch weder interessiert noch begabt, widmete er sich vor allem der Schriftstellerei. Gemeinsam mit Achim von Arnim bringt er von 1805 bis 1808 die Volksliedsammlung Des Knaben Wunderhorn heraus. Bettine gegenüber wirkt er zwar gutwillig, aber auch übergriffig. Er glaubte immer zu wissen, was für Bettine gut ist, sagt ihr, was sie lesen, wie sie sich bilden soll. Auch gibt er ihr Handarbeiten auf, um sie beschäftigt zu halten, und er rät ihr, sich nie allein mit Männern abzugeben sondern stets nur in Gesellschaft von Franz und Toni. Sie schreiben sich nun regelmäßig – und Bettine beginnt, sich herrlich spitzzüngig gegen die Erziehungsversuche des Bruders zu wehren:

„Dein Rat ist: Scheine in der Gesellschaft stets lieber dumm als vorlaut“, empört sie sich. Oder sie verbietet dem Bruder den Mund mit den Worten: „Mit meinem Mund gebe ich einen Kuss auf deinen. In welcher Sprache kann ich gebieterischer ausrufen: Halt’s Maul Bruder.“ Sie verlangt: „Fordere nun nicht mehr, ich soll dir treu bleiben. Ich bleibe dir in allem treu, Was meine Natur nicht verleugnet.“ Einmal lautet ihr Fazit auch:

„Dein Brief ist so voll sorgender Liebe zu mir und doch so ohne Zutrauen, dass ich eigentlich nicht weiß, ob ich mich freuen soll oder nicht.“

Bettine von Arnim an ihren Bruder Clemens

1844 bringt Bettine den Briefwechsel mit ihrem Bruder stark überarbeitet unter dem Titel Frühlingskranz heraus.


Bettine von Arnim und Karoline von Günderode

1804 beginnt für Bettine eine intensive Freundschaft mit der fünf Jahre älteren Karoline von Günderrode (1780 – 1806). Die Freundin stammt aus verarmtem Adel. Der Vater starb früh, und Karoline lebte in einem evangelischen Damenstift in Frankfurt, wo sie Philosophie, Geschichte, Literatur und Mythologie studiert. Ab 1804 publizierte sie unter dem Namen Tian. Literatur von Frauen gilt vielen männlichen Zeitgenossen als etwas vollkommen Unnatürliches und gegen die „Bestimmung des Weibes“ gerichtet. Außer Begabung, Können und Fleiß ist zu diesen Zeiten von einer Dichterin vor allem auch Robustheit gefragt, was Karoline jedoch fehlt.
Karoline verliebt sich in den Altertumswissenschaftler Friedrich Creuzer (1771 bis 1858), der aus Pflichtgefühl mit der 13 Jahre älteren Witwe seines einstigen Professors verheiratet ist. Das leidenschaftliche Liebesverhältnis mit Karoline dauert von 1804 bis 1806. Creuzer spricht von Scheidung. Doch dann wird er krank und seine Frau pflegt ihn, woraufhin er mit der Günderode bricht und ihr die Nachricht von einer dritten Person überbringen lässt. Karoline bringt sich daraufhin in Winkel am Rhein um, indem sie sich einen Dolch ins Herz stößt. Die Freundschaft ist deshalb so bedeutend, weil Bettine ihrer Freundin 1840 mit dem Briefroman Die Günderrode ein literarisches Denkmal setzt. Es ist ihr zweites Werk nach Goethes Briefwechsel mit einem Kinde, das 1835 erscheint.

Karoline von Günderrode
Karoline von Günderrode 1797 (Quelle Wikipedia)

Bettine von Arnim und Frau Rath

Ab 1806 pflegt Bettine einen engen Kontakt zu Goethes Mutter, in Frankfurt unter dem Namen „Frau Rat“ bekannt. Katharina Elisabeth Goethe (1731-1808) war die Mutter von Johann Wolfgang von Goethe (1749 – 1832). Bettine geht täglich zu der 75 jährigen. Die fühlte sich zuvor etwas einsam und bittet Bettine, sie solle sie Mutter nennen. Die Verbindung ist tief – beide sprechen von Seelenverwandtschaft – und nicht auf Goethe beschränkt, auch wenn sie viel über ihn reden. Bettine schreibt auch auf Goethes ausdrücklichen Wunsch hin alles auf, was die Mutter über Goethes Kindheit erzählt. Bettine setzt auch Frau Rat ein schriftstellerisches Denkmal. In ihrem Buch von 1843 – Dies Buch gehört dem König – führt Frau Rath fiktive Gespräche mit Königin Luise, der Gattin von Wilhelm III. und repräsentiert somit das stolze freie Frankfurter Bürgertum. Goethe wiederum verwendet Bettines Mitschriften in seinem Buch „Dichtung und Wahrheit“.

Catharina Elisabeth Goethe
Catharina Elisabeth Goethe (Quelle: Wikipedia)

Bettines Ehe mit Achim von Arnim

Ihren späteren Ehemann lernt Bettine bereits 1802 kennen. In Briefen nähern sie sich einander an, dennoch ist nicht abzusehen, dass daraus einmal ein Liebesverhältnis entstehen könnte, vielmehr verlieben sie sich in jeweils andere und tauschen sich über ihren Kummer aus. Doch 1810 stirbt Achim von Arnims Großmutter, die ihn auch erzogen hat, und sie setzt nicht Arnim, sondern dessen Kinder (d. h. Söhne) als Erben und Achim als deren Vermögensverwalter ein. Nun braucht er eine Braut. 1810 macht er Bettine einen Heiratsantrag. Bettine ist 25 Jahre alt und willigt ein. Es handelt sich weder um eine Vernunftehe noch um eine Liebesheirat, sondern um eine Heirat aus gegenseitiger Wertschätzung, aus der mit der Zeit Liebe wird.

Auch in der Liebe bleibt Bettine sich treu. Sie ist der Meinung:

Die Liebe soll helfen, sich zu finden.

In rascher Folge werden die Kinder geboren: Freimund (1812), Siegmund (1813), Friedemund (1815), Kühnemund (1817), Maximiliane (1818), Armgart (1821) sowie Nachzüglerin Gisela (1827). Bettines Schwangerschaften sind schwer, den Entbindungen sehen sie und ihr Mann jeweils mit großer Sorge entgegen. Kein Wundern, denn am Ende des 18. Jahrhunderts stirbt jede zwölfte Frau im Kindbett.

Streit um den Wohnort

Ständiger Streitpunkt des Ehepaars ist der Wohnort. Achim von Arnim hätte gerne eine Stelle als preußischer Beamter oder als Offizier angenommen, doch das gelingt ihm nicht. Darum ist er gezwungen, auf das geerbte Gut Wiepersdorf zu ziehen. Er findet Gefallen an der Landwirtschaft. Bettine jedoch fehlt Berlin und der kulturelle Austausch. Ab 1817 wohnt sie mit den Kindern hauptsächlich in Berlin, was zu neuen, anderen Konflikten mit Achim führt, die nun vor allem per Brief ausgetragen werden. Vor allem über die Finanzen und die Erziehung der Kinder streiten sie sich. Achim ist viel konservativer als seine Frau. Der Ton wird rauer, Bettine klagt über die „Verbauerung ihres Mannes“ und vermisst den Dichter. Sie beschwört Achim, seine geistigen Freiräume zu nutzen.

Berlin, In den Zelten 5, Bettina von Arnims Wohnung in den Jahren 1847 bis 1859
Berlin, In den Zelten 5, Bettina von Arnims Wohnung in den Jahren 1847 bis 1859, Zeichnung von Armgart von Arnim (Quelle: Wikipedia)

Doch da zeigt sich die Verschiedenartigkeit der beiden. Achim braucht die Abgeschiedenheit des Landlebens, Bettine das Kommunikative der Stadt. Bettine hat etwas eigenes Geld von der Familie, was ihr Unabhängigkeit verschafft. 1831 stirbt Arnim überraschend mit 49 Jahren – die jüngste Tochter Gisela ist erst 4 Jahre alt. Sie trauert sehr um ihn, trägt ihn jedoch weiterhin in ihrem Herzen, sagt, er bliebe ihr „als Gesprächspartner erhalten“. Vormund der Kinder wird ihr Schwager Carl von Savigny. 1835 ereilt Bettine ein weiterer schwerer familiärer Schicksalsschlag, als ihr Sohn Kühnemund nach einem Badeunfall mit 18 Jahren an einer Kopfverletzung verstirbt.

Bettine von Arnim und Johann Wolfgang von Goethe

Nach dem Tod ihres Mannes beginnt Bettines Leben als Schriftstellerin. Ihr erstes publiziertes Werk wird ihr größter Erfolg, nämlich Goethes Briefwechsel mit einem Kinde. Bettine hat schon als Kind viel von Goethe gehört und begegnete ihm 1807, mit 22 Jahren, endlich persönlich. Bettine ist von ihm begeistert, Goethe ist ihr gegenüber reserviert, und das bleibt auch so.

Von 1807 bis 1811 schreibt sie ihm 41 Briefe, Goethe schreibt ihr 17, sie teilweise von seinem Sekretär verfasst werden. Sie bittet ihn, seine Mutter in Frankfurt zu besuchen, die mittlerweile todkrank ist. Goethe erkennt seine Chance und bittet sie, Märchen, Anekdoten und Geschichten aus seiner Kindheit für ihn mitzuschreiben. Er verwendet die Notizen, teilweise wortwörtlich für Dichtung und Wahrheit.

Titelblatt Erstausgabe Goethes Briefwechsel mit einem Kinde Bettine von Arnim

Bettine die Goethe-Verehrerin

1810 begegnet sie ihm wieder. Ihre Schilderungen dieses Ereignisses geraten von Mal zu Mal erotischer. So schreibt sie beispielsweise, dass er ihr „viele Küsse auf den Hals drückt“. 1811 besucht sie Goethe zusammen mit ihrem Mann – und da kommt es zum Eklat mit Goethes Frau Christiane. Doch Bettine lässt sich auch dadurch nicht aufhalten. Sie plant ein Goethe-Monument und zeichnet es selbst. Sie zeigt es ihm 1824, woraufhin er kurzzeitig etwas gnädiger gestimmt ist. 1832 stirbt Goethe in Weimar und sie beginnt, ihre Veröffentlichung vorzubereiten. In Goethes Briefwechsel mit einem Kinde kombiniert sie collageartig Kindheitserinnerungen, philosophische Betrachtungen und die Behandlung politischer Themen und thematisiert in keiner Weise die reale problematische Beziehung zu Goethe. Vielmehr betreibt sie eine Form von Geniekult, bei dem das Individuum sich durch Kontakt mit dem Genius weiterentwickelt und zu sich selbst findet.

Goethe und Psyche, Statue
Goethe und Psyche (Statue von Carl Steinhäuser, 1851) Quelle: Wikipedia

Viele sehen die Publikation höchst kritisch. Clemens Brentano merkt an, dass weder Arnim und Goethe die Veröffentlichung gutgeheißen hätten. Sie trifft auf massiven Widerstand der Familie, alle sind dagegen, auch ihre Schwester Gunda von Savigny, ihr Sohn Siegmund, der jetzt 22 Jahre und preußischer Beamter ist. Doch Bettine lässt sich nicht abbringen. Der Erstdruck erfolgt 1835 und die erste Auflage von 5000 Exemplaren. ist rasch verkauft. Bettine ist auf einen Schlag berühmt und wird zur Hoffnungsträgerin der aufbegehrenden deutschen Jugend. Die Schriftsteller des Jungen Deutschland sehen zu ihr auf.

Die politische Bettine – Dies Buch gehört dem König

Bettine war von jeher eine Person mit einem sozialen Gewissen und eine, die angesichts von Armut und Elend nicht wegschaut. Als im Jahr 1831 eine Cholera Epidemie in Berlin wütet, versucht, sie die ärgste Not zu lindern. Sie bleibt in Berlin, auch wenn sie die Kinder zu Verwandten schickt, sammelt Geld, organisiert Kleidung, Schuhe und Decken und organisiert Arbeit für die Erwerbslosen. Als Anhängerin der homöopathischen Medizin Samuel Hahnemanns verteilt sie Belladonna.

Karitativ waren alle damals Damen tätig, Bettine aber erkennt die Ursachen.

Man soll Mitleid mit niemand haben, man soll sich schämen, dass es so werden konnte.

„Tugendgekitzel“ nennt sie derlei Wohltäterei, die den Gebern schmeichelt, die Nehmenden demütigt und ansonsten die Welt belässt wie sie ist. Sie interveniert für sogenannte Kleine Leute, steht beispielsweise der Mutter eines Schneidergesellen bei, der von Gendarmen krankenhausreif geschlagen wird und verstirbt. Und sie engagiert sich für arme Studenten. Angesichts der Not um sie herum wird sie politisch. Sie hofft auf eine Lösung „von oben“, fürchtet aber die revolutionären Wirren. Ihr schwebt ein „soziales Königtum“ vor.

Im Jahr 1843 mündet ihr politisches Engagement in einer Publikation, die die Widmung im Titel trägt. „Dies Buch gehört dem König“. Darin stellt sie die Forderung auf, der König solle revolutionär werden“. Sie fordert die Einheit von König und Demagogen, glaubt noch an einen „guten König“.

Geldschein 5 DM Bettine von Arnim

Im Buch behandelt sie brisante Themen der Zeit. Sie erklärt das Konzept des Volkskönigs, ergeht sich in Ausführungen zu Justiz und zum Gefängniswesen, kritisiert eine Religion die Menschen klein hält und behandelt Fragen des Pauperismus, denn Löhne unter dem Existenzminimum sind ein großes Problem.

Das Buch beinhaltet auch eine Sozialreportage, Erfahrungen eines jungen Schweizers im Vogtland, die Bettine ihrem ›Königsbuch‹ hinzufügt. Der Text geht auf die Aufzeichnungen des Schweizer Studenten Heinrich Grunholzer zurück, der anhand einer Auflistung von Einzelschicksalen die Lebensbedingungen der Bewohner des Vogtlandes, das war damals eine Armenkolonie in der Berliner Vorstadt, schildert. Bettine hält den Bericht für so bedeutend, dass sie ihn Grunholzer abkauft.


Auszug aus der Reportage

«Im Dachstübchen Nr. 76 wohnt ein Schuster, Schadow. Ich sah lange Zeit durch die gespaltene Türe ins Zimmer. Er arbeitete fleißig; die Frau saß am Boden und nähte einige Lumpen zusammen; zwei kleine, halbnackte Kinder saßen am Boden und spielten mit einer alten Tabakspfeife. Als ich eintrat, war Schadow ganz. erschrocken; er hatte mich für den Inspektor gehalten, dem er Miete schuldig ist, und sah sich gern enttäuscht. Das Zutrauen der Unglücklichen hat man sich bald erworben: es dauerte nicht lange, so erzählte mir der Mann seine ganze Lebensgeschichte; dass er dabei nicht viel von seinen Fehlern sprach, schien mir sehr verzeihlich und zum Teil überflüssig, da ich an ihm ja leicht merken konnte, dass er den Branntwein liebt und seine Frau sehr unordentlich ist. (…) 1836 zog er ins Familienhaus. Fünf seiner Kinder starben an den Pocken, und während sie krank waren, fehlte es ihm an Arbeit. Von niemandem unterstützt, geriet er dadurch so in Schulden, dass er mehrmals aus dem Hause geworfen werden sollte.

Er verkaufte Hausgeräte und Kleider und ist jetzt so entblößt von allem, dass er nicht einmal ein Hemd besitzt. Durch Arbeit kann er sich nicht wieder auf-schwingen, weil es ihm an Leder fehlt und die Flickarbeit, die er den Leuten im Familienhause macht, schlecht bezahlt wird. Zudem hat er mit zwölf andern Schustern, die am gleichen Orte wohnen, zu konkurrieren. Ich sah es selbst, wie seine Frau um Arbeit ausging und er unterdessen die Kinder hütete. Es war drei Uhr abends, und er hatte an demselben Tag erst zwei Silbergroschen verdient; den einen gab er wieder aus für Zwirn, für den andern kaufte er Brot. Das Kleine fing an, vor Hunger zu weinen. Sch. hatte soeben einen Schuh geflickt und gab ihn der Frau mit den Worten: ›Trage ihn fort, laß dir einen Sechser dafür geben und bring dem Kind ein Semmelbrot; es hungert.‹ Die Frau kam mit leerer Hand zurück; das Mädchen, dem der Schuh gehörte, konnte nicht bezahlen. Das Kind weinte noch immer, und Vater und Mutter weinten.«

zitiert nach der Bettine-Biographie von Michaela Diers, Seite 164.

Reaktionen auf das Buch

Die Reaktionen auf das Buch sind gespalten. Fortschrittliche sind begeistert, aber in Bayern und Österreich wird das Buch verboten. Die Preußen reagieren hingegen gelassen, weil sie annehmen, dass Form und Sprache des Werks sich nicht für eine größere Verbreitung eignen.
König Wilhelm IV wurde im Jahr 1840 König. Sie korrespondierte schon vor dessen Amtsantritt mit ihm und setzte sich unter anderem für die Gebrüder Grimm ein, die nach ihrer Entlassung aus der Universität Göttingen in Berlin Aufnahme fanden. Doch sie täuscht sich im König. Wilhelm IV. hängt vorabsolutistischen Vorstellungen an. Er begreift sich als ein König von Gottes Gnaden zum Wohle eines nach Ständen geordneten Volks. Zwar mag er hier und da milde erscheinen, im Kern bleibt er jedoch hart.

Bettine wird Hetze vorgeworfen

In einer weiteren Broschüre veröffentlicht Bettine von Arnim eine Analyse zur entfremdenden Industriearbeit, die den Menschen zum „Automat“ herabwürdigt. Sie lässt 750 Exemplare auf eigene Kosten drucken. Als es im Jahr 1844 zum Weberaufstand in Schlesien kommt, dem sogenannten Armenhaus Preußens, wird Bettine von Arnim vorgeworfen, sie aufgehetzt zu haben. Auch ihre Verwandten wollen sich Bettines Argumentation nicht anschließen. Ihr Schwager Savigny ist beispielsweise der Meinung, die Schlesier seien niederträchtig und verdienten kein Erbarmen.

Bettine ist empört. Sie wehrt sich mit den Worten: „Allein den Hungrigen helfen wollen heißt jetzt Aufruhr predigen“. Bereits seit ihrem Goethebuch schart sie in ihrem Salon junge Leute um sich. Nun findet sie sich im Lager der Staatsfeinde wieder. Man befürchtet gefährliche Umtriebe
in ihrem Salon. 1848 bricht die Revolution aus und der Riss geht auch durch die Familie von Arnim. Im Hause von Arnim gibt es fortan zwei Salons, einen demokratischen und einen aristokratischen.

Wilhelm IV. versucht, die Revolution mit Zugeständnissen zu zerschlagen. Als ihm das nicht gelingt, greift er beispielsweise in Baden und in der Pfalz militärisch hart durch. In Berlin gibt es am 18. März 1848 230 Todesopfer zu beklagen. Die angebotene Kaiserkrone lehnt Wilhelm IV. ab.

Die letzten Jahre

In ihren letzten Lebensjahren lässt Bettine in ihrem Engagement kaum nach. Sie setzt sich beispielsweise, wenn auch vergeblich, beim König für Gottfried Kinkel ein, der ein Mitglied der pfälzischen Revolutionsregierung gewesen war. Außerdem arbeitet sie weiter an der Umsetzung ihre Goethe-Monuments. 1852 erscheint Des Königsbuchs zweiter Band, Gespräche mit Dämonen, das kaum mehr Beachtung findet. 1853 werden ihre sämtlichen Werke in 11 Bänden herausgegeben. Die Politik wird währenddessen immer reaktionärer. Im Bundestag werden 1854 alle Arbeitervereine verboten, Streiks werden fortan mit Gefängnis bestraft.

Ende Oktober 1854 erleidet Bettine einen schweren Schlaganfall, 1856 folgt ein zweiter. Sie wird von ihren Töchtern Armgart und Gisela umsorgt. Sie stirbt am 20. Januar 1859 73jährig im Kreise ihrer Familie in Berlin und wird auf dem kleinen Friedhof von Schloss Wieperdorf neben ihrem Mann Achim von Arnim beigesetzt.

Bettine von Arnim

Die konservativen Familienmitglieder sorgen dafür, dass Bettines Nachlass zunächst unter Verschluss bleibt. Aus finanziellen Gründen wird er 1929 versteigert und ist nun verstreut oder verloren. Das politische Engagement von Bettine von Arnim geriet in Vergessenheit. In der DDR begann seit den 1950er Jahren die Aufarbeitung, in der BRD entdeckten sie die 68er. Bettine von Arnim war die Einzige, die das freiheitlich-individualistische Denken der Frühromantik in den Kampf um politische Freiheit und gesellschaftliche Gerechtigkeit überführt hat. Die einst scheinbar rebellischen Herren (ihr Bruder Clemens Brentano, die Brüder Schlegel, von Görres oder Eichendorff) verabschiedeten sich nämlich sämtlich in Richtung Katholizismus.

Quelle und Leseempfehlung: Michaela Diers: Bettine von Arnim. Deutscher Taschenbuch Verlag. 2010

Hörempfehlungen:

Mit jedem Druck der Feder drück ich Dich an mein Herz. Aus dem Briefwechsel von Bettine von Arnim und Achim von Arnim. Lesung mit Corinna Kirchhoff und Max Volker Martens. Hörbuch

MDR Kultur, Goethes Briefwechsel mit einem Kinde, Hörspiel

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Die Architektin Zaha Hadid erhielt als erste Frau die bedeutendste Ehrung im Bereich Architektur: den Pritzker-Preis. Das war 2004. Ihre Entwürfe sind markant und streben nach Schwerelosigkeit. Sie selbst war eine hartnäckige, selbstbewusste Frau, der es gelang, sich in einer männerdominierten Branche durchzusetzen.

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Eine Biografie über diese beeindruckende Frau, die Forbes zeitweise unter den 100 mächtigsten Frauen der Welt führte, gibt es leider noch nicht. Dafür eine Reihe von Ausstellungskatalogen und Bildbänden mit ihren Werken, einen Gesprächsband mit Hans Ulrich Obrist, dazu verschiedene Kinderbücher und natürlich einen Wikipedia-Artikel und richtig gute Podcasts. Doch einer mehr kann definitiv nicht schaden!

Kindheit

Geboren wird Zaha Muhammad Hadid am 31. Oktober 1950 in Bagdad. Ihre Mutter Wajiha Sabunji (?–1983) und ihr Vater Muhammad Hussein Hadid (1907–1999) stammen aus Mossul; ihre wohlhabenden Familien sind in den Bereichen Handel, industrielle Investitionen und Immobilien aktiv. Ihr Vater studiert an der London School of Economics, ist 1946 Mitbegründer der Demokratischen Partei des Iraks, nach dem Staatsstreich 1958 zweimal Finanzminister in der neuen Republik. 1960 ist er Mitbegründer und Leiter einer progressiven Partei.

Sie pflegen einen westlichen Lebensstil. Zaha geht, obwohl ihre Familie dem sunnitischen Glauben anhängen, in eine von katholischen Nonnen geleitete Klosterschule, später wechselt sie auf ein Schweizer und dann ein englisches Internat, wie auch ihre beiden Brüder.

Mit ihren Eltern hat sie Glück: Ihr Vater beantwortet ihr geduldig all ihre Fragen, von denen sie viele hat. Die Mutter, selbst sehr kreativ, bringt ihr das Zeichnen bei, und als Zaha mit sieben oder acht Jahren zum ersten Mal Kleidung entwirft, lässt ihre Mutter sie tatsächlich nachschneidern. Zahas Freundinnen sind begeistert. Ein Freund der Familie ist jedoch Architekt, und so möchte sie dann mit elf lieber Architektin werden. Sie entwirft ihr eigenes Kinderzimmer neu – und ein Tischler setzt ihre Pläne um.

Studium

Um an der American University of Beirut Mathematik zu studieren, zieht Zaha Hadid von 1968 bis 1971 in den Libanon. Lieber hätte sie wohl gleich Ingenieurwesen studiert, ein Fach, was jedoch noch männlicher konnotiert war.

Doch so langsam beginnt die Zeit, in der Saddam Hussein an die Macht kommt, und die Familie entscheidet sich, nach London zu ziehen. Dort studiert Hadid schließlich von 1972 bis 1977 Architektur an der renommierten Architectural Association School (AA). Zu ihren Lehrern gehören so bekannte Architekten wie Oscar Niemeyer (Brasilien), Rem Kohlhaas (Niederlande), Bernard Tschumi (Schweiz) und Ilias Zengelis (Griechenland). Der Unterricht gilt als frei und modern; die Studierenden entwickeln eigene Projekte, die Professoren dienen ihnen als Mentoren. (Auf eine genderinklusive Formulierung muss hier kaum geachtet werden: Damals waren nur 6 % Frauen in der Architektur tätig, und vermutlich nicht als Professorinnen …)

Zenghelis (links oben), Meyer (rechts), Kohlhaas (links unten)

Erste Schritte ins Berufsleben

Von 1977 bis 1978 arbeitet Zaha Hadid im Office for Metropolitan Architecture (OMA) für Ilias Zengelis und Rem Kohlhaas. Schon 1980 gründet sie jedoch ihr eigenes Büro in London, mit vier Mitarbeitenden, die ihre Chefin als herzlich und witzig erleben. Hadid sagt selbst, ihr sei es nie darum gegangen, Ideen hinzuwerfen und die anderen herausfinden zu lassen, wie sich das bauen lässt. Ein Architekturstudio funktioniert nur mit Teamwork und Diskussionen, auch wenn sie als Chefin natürlich ein Veto hat.

Zaha Hadid Architects fangen früh mit Computeranimationen an. Allerdings bedauert Hadid in Interviews auch, dass das händische Zeichnen und die Kunstfertigkeit oder das Handwerk des Zeichnens so natürlich verloren gehe. Doch es heute wiederzubeleben, sei auch nicht sinnvoll und nichts als Nostalgie.

Aktuelle Website von Zaha Hadid Architects

1980 erhält Hadid die britische Staatsbürgerschaft.

1983 kommt als Praktikant der Deutsche Patrik Schumacher ins Unternehmen, 1988 wird er fester Mitarbeiter, 2002 auch Teilhaber/Partner. Auch wenn die Zusammenarbeit anfangs schwierig ist (Hadid feuert ihn mehrfach), entwickelt sie sich nach und nach zu einer sehr engen beruflichen Beziehung.

Passend zu Hadids Interesse an Theorie, lehrt sie bereits ab 1980 an ihrer Alma mater, der AA. 1987 bis 1994 ist sie Gastdozentin in Chicago, Hamburg und New York. 1994 übernimmt sie den Kenzo-Lange-Lehrstuhl in Harvard, 2000 den Städtebaulehrstuhl der Universität für Angewandte Kunst in Wien. Was die Praxis angeht, so hat ihr Büro Startschwierigkeiten, man nennt Hadid bereits „Papierarchitektin“. Doch was sie auf Papier bringt, hat es in sich.

Zwischen Suprematismus und Star Wars

In der architektonischen Postmoderne ist, ähnlich wie in der Literatur, keine „große Erzählung“ mehr möglich. Harmonien und Proportionen werden dekonstruiert und neu zusammengesetzt. Das Jüdische Museum von Daniel Libeskind in Berlin ist ein Beispiel dafür, das Guggenheim Museum von Frank O. Gehry in Bilbao ein anderes: Ein Gebäude zeichnet sich nicht mehr durch klassische Fassaden und Rechtwinkligkeit aus, bleibt aber dennoch funktionsfähig.

Dieser Dekonstruktivismus besteht aus mehreren Strömungen, Hadid ist vom Suprematismus und dessen „Gründer“ Kasimir Malewitsch beeinflusst. Schon ihr Dozent und späterer Kollege Ilias Zengelis macht sie während des Studiums auf Malewitsch aufmerksam, und für eine Projektarbeit projiziert sie eine seiner Skulpturen auf die Londoner Hungerford Bridge.

Der Suprematismus ist mit dem Futurismus und Konstruktivismus verwandt und stammt, wie viele andere Kunstrichtungen der Zeit, aus Russland. Geltung hatte er von 1913 bis zu Beginn der 1930er Jahre.

Malewitsch verstand unter Suprematie die „Vorrangstellung der reinen Empfindung vor der gegenständlichen Natur“ – das unterscheidet sich von abstrakter Kunst „insofern, als die Formen dieser Kunstwerke keine Abstraktionen von sichtbaren Gegenständen sind, sondern völlig von Gegenstandsbezügen befreit. Diese Kunstrichtung stellt die Reduktion auf einfachste geometrische Formen in den Dienst der Veranschaulichung ‚höchster‘ menschlicher Erkenntnisprinzipien“ (Quelle).

Das Schwarze Quadrat. Weiß auf Weiß. Für diese einfachsten geometrischen Formen ist Malewitsch auch heute noch bekannt. Hadid erzählt von einer „fast religiösen“ Erfahrung, als sie 1992 in New York eine Ausstellung kuratierte und das Schwarze Quadrat aufhängen durfte.

Das Futuristische, Schwebende, Schwerelose dieser Strömung findet sich in Hadids eigenen Konzepten und Ausstellungsobjekten wieder: Star Wars ist wohl unsere heutige Assoziation, aber natürlich dachte ja auch Russland zur Zeit des Suprematismus an Raumfahrt und die Eroberung des Kosmos.

Von der Papierarchitektin zur einflussreichen Künstlerin

Ob ein Bürohaus am Kurfürstendamm in Berlin oder der Neue Zollhof in Düsseldorf: Hadid nimmt an Wettbewerben teil, gewinnt – und dennoch werden ihre Entwürfe nicht umgesetzt. Besonders schwer trifft sie das 1983 beim mit 100.000 US-Dollar Preisgeld dotierten Projekt „The Peak Leisure Club“ in Hongkong, das sie gegen 600 Konkurrent:innen gewinnt.

Hier eine Zeichnung und ein Rendering ihres Entwurfs:

Doch aufgrund politischer Entwicklungen wurde das Projekt nie gebaut. Ein großer Rückschlag für Zaha Hadid Architects.

Doch im Jahr 1993 wurde endlich ihr erstes wichtiges Projekt gebaut: Ein Feuerwehrhaus für die Firma Vitra, eine Schweizer Firma für Wohn- und Büromöbel in Weil am Rhein. Eigentlich sollte Hadid einen Stuhl entwerfen, doch der Auftraggeber war so begeistert, dass er ein ganzes Gebäude beauftragte. Es wurde eine Weile tatsächlich als Feuerwache genutzt, heute ist es für Veranstaltungen und Ausstellungen vorgesehen.

Sonia Ricon Baldessarini beschreibt es wie folgt:

Das Gebäude bohrt sich wie ein Keil mit seinen dreieckigen Spitzen horizontal in das Gelände und vertikal in die Luft hinein. … Jede Fassadenseite hat ein unterschiedlichen Erscheinungsbild … [es] ergibt sich ein dramatischer Effekt, der sich im Innenraum wiederholt. Schräge Trennwände intensivieren diesen Eindruck. … In den Decken sind Beleuchtungsschächte eingebaut, die längs durch den Raum ziehen und ein Gefühl von Tageslicht erzeugen. … Das Gebäude … wirkt durch seine Schlichtheit schwerelos und beruhigend.

Sonia Ricon Baldessarini: Wie Frauen bauen. Architektinnen von Julia Morgan bis Zaha Hadid, Aviva 2001.

Ablehnungen und Zusagen

Erneut enttäuscht wird sie Mitte der 1990er Jahre, als ihr Entwurf für ein neues Opernhaus im walisischen Cardiff dreimal die Ausschreibung gewinnt, aber dreimal von der Baukommission der Stadt abgelehnt wird. Mal vermutet man, die Statik könne nicht stimmen, mal hat man Angst vor einer Fatwa, weil der Entwurf Ähnlichkeiten mit der Kaaba in Mekka habe … Hadid ist sich sicher, dass es vor allem daran liegt, dass sie in London lebt und arbeitet (auf England ist man in Wales ja nicht immer gut zu sprechen), aber vor allem, dass sie eine Frau und Irakerin ist. Später sagt Hadid, diese Behandlung habe sie beruflich um sieben oder acht Jahre zurückgeworfen.

Aber andere Projekte werden umgesetzt:

  • 1999 der Info-Pavillon des Landes Baden-Württembergs für die Landesgartenschau in Weil am Rhein, genannt LF one oder Landscape Formation one, ein 140 Meter langes Gebäude aus drei Segmenten mit einem begehbaren Dach
  • 2003 das Contemporary Arts Center, ein Museum für zeitgenössische Kunst in Cincinnati, Ohio – das erste Museum in den USA, das von einer Frau gebaut wurde und die Frage beantwortet, wie man die typische, verlassene Innenstadt US-amerikanischer Städte „zurückholen “ und erneut zu einem kulturellen Zentrum machen kann
  • 2003 das BMW-Zentralgebäude in Leipzig, das die Grenzen zwischen öffentlichem Raum und öffentlichem Gebäude relativieren und zwischenmenschliche Interaktionen fördern soll – hier werden die gerade gefertigten Autos auf dem Band durch das Gebäude gefahren

Preise und Auszeichnungen

Im Jahr 2004 gewinnt sie dann den weltweit renommierten Pritzker-Architekturpreis, der auch „Nobelpreis für Architektur“ genannt, jährlich vergeben wird und mit 100.000 US-Dollar dotiert ist. Hadid ist 2004 die erste Frau. In den Jahren 2010, 2017, 2020 und 2021 gewinnen weitere Büros, die teilweise oder ganz von Frauen geleitet werden. Das Alter der Architekt:innen im Jahr der Preisverleihung liegt im Durchschnitt bei 65 Jahren (Hadid ist 54).

Nun wird sie auch endlich in der Fachpresse endlich ausreichend gewürdigt und steht bald in einer Reihe zum Beispiel mit Frank O. Gehry, Norman Foster und Daniel Libeskind. Sie wird zum Star, wie Architekt:innen in dieser Zeit überhaupt Stars sein konnten. Auf der Biennale in Venedig wirft sich ein junger Mann vor sie auf die Knie, reißt sein Hemd auf und fragt nach einem Autogramm auf seiner Brust. Andererseits muss sie sich als berühmte, ehrgeizige Frau natürlich auch manchmal solche Begriffe wie „Diva“ und „böse Hexe“ anhören.

Zaha Hadid Architects wächst und ist bald doppelt so groß. Weitere Projekte folgen:

  • 2005 das Wolfsburger Science Center / phaeno Wolfsburg als interaktives Museum für Wissenschaft und Technik, das die Tradition der expressionistischen Wolfsburger Kulturbauten weiterführt: es gibt geschwungene Rampen und Trichter, ein „schwebendes“ Obergeschoss, das die Abgrenzung zwischen Innen- und Außenraum aufhebt – als neuen nachhaltigen Baustoff nutzt Hadid hier selbstverdichtenden Beton
  • 2005 die Stationen für die Hungerburgbahn in Innsbruck
  • 2009 das mit dem Sterling Prize ausgezeichnete MAXXI (Museo nazionale delle arti del XXI secolo) in Rom, das die traditionelle Wand infrage stellt und eine „emanzipierte“ Wand dagegenstellt, als wandelbares Element. das mal zum Fußboden wird oder selbst aufgehängt wird, passend zur zeitgenössischen Kunst, die auch nicht mehr nur das macht, was man von Kunst gewöhnt ist – Hadid vergleicht das Gebäude mit einem Tanzstück von Martha Graham
  • 2011 das London Aquatics Center, das öffentliche Schwimmbad für die 2012 Olympics

Form oder Funktion

Sieht man sich die Entwürfe und Gebäude von Zaha Hadid an, kann es nicht überraschen, dass sie hin und wieder kritisiert wird, sie mache sich zu wenig Gedanken um Funktion und Raumoptimierung. Ihre Entgegnung: Früher sei es die Pflicht der Architekt:innen gewesen, die Idee dem Massengeschmack anzupassen und somit oft das geistige Niveau ihrer Entwürfe herunterzuschrauben. Architektur sei eine Dienstleistung gewesen. Doch das sei ihr nicht genug. Sie sei eben auch Künstlerin.

Auf die Frage, ob sie sich dem Kontext des Ortes anpassen würde, an dem ihre Gebäude entstehen, erklärt sie in einem Interview, dass sie den Kontext (also zum Beispiel die umstehenden Häuser oder die Struktur des Stadtviertels) berücksichtigt, ihn aber nicht unbedingt nachahmt.

Im Jahr 2010 sagt sie:

Es ist eine interessante Zeit, weil noch vor dreißig Jahren ein starkes Misstrauen gegenüber Architektur und Architekten herrschte. Das hat sich nicht unbedingt sehr geändert, aber ich finde, heute herrscht größerer Optimismus. Es gibt diesen unglaublichen Wohlstand und Aufschwung. Länder wie die Niederlande haben immer schon Projekte gebaut; jetzt sind es Asien und der Mittlere Osten. Aber niemand hat alle Themen in einem Projekt für ein Land zusammengefasst. Niemand hat einen Masterplan für eine Stadt entwickelt, der alle Ideen vereinigt, wie die ideale amerikanische Stadt oder Berlin oder was auch immer aussehen soll. Es gibt keinen idealen Ort. Sie haben noch keinen Nutzen aus der Chance gezogen, zum Beispiel Beirut neu aufzubauen. Ich denke, darum überwiegen in einem bestimmte Kontext auch immer noch die Ideen von Überlagerung und Nebeneinander, weil wir nicht davon sprechen, die ganze Gegend abzureißen. Man muss sich mit Konzepten der Schichtung auseinandersetzen, um in Beziehung zu bestehenden Gebäuden zu treten. Und ich finde, es sollten mehr Untersuchungen zur angemessenen Bebauung durchgeführt werden. Wie leben wir? Wie ist unser Arbeitsumfeld?

Galerie Gmurzynska (Hrsg.): Zaha Hadid und Suprematismus. Hatje Cantz 2012.

Innenarchitektur und Design

Hadid ist multidisziplinär auch im Bereich Design tätig und entwirft Möbel, Gebrauchsgegenstände und Innenräume. An solchen Projekten gefällt ihr, wie schnell man, im Gegensatz zur Architektur, Ergebnisse sieht. Aber es fehlt ihr meist schlicht die Zeit.

Ihre grafischen Darstellungen und Planzeichnungen werden zum Beispiel im Guggenheim Museum in New York, im Museum of Modern Art in New York und in der GA Gallery in Tokio ausgestellt. Eine Dauerausstellung gibt es heute im Deutschen Architektur Museum in Frankfurt am Main zu sehen.

Sie trägt gern ausgefallene Kleider, Pelze und Schmuck – Mode, die selbst an Architektur erinnert. Zusammen mit ihrer beeindruckenden Präsenz und ihrer tiefen Stimme zieht sie stets die Aufmerksamkeit auf sich.

Weitere Erfolge

Im Jahr 2009 gewinnt sie den renommierten internationalen Kunstpreis Praemium Imperiale der Japan Art Association in Höhe von 95.000 Euro.

Im Jahr 2011 gibt es zeitweilig eine Filiale ihres Büros in Hamburg. Ihr Londoner Büro hat 2012 ca. 250 Mitarbeiter:innen, 2015 schon 400, die an über 950 Projekten in 44 Ländern arbeiten.

Sie gewinnt einen zweiten Sterling Prize.

Im Jahr 2012 wird sie zur Dame Commander of the Order of the British Empire ernannt, eine Auszeichnung, die ihr als Frau mit arabischem Hintergrund sehr wichtig ist. Ihr Berufsleben sei ein langer Kampf gewesen, weil sie nie Zugang zu diesen Männerwelten in der Architekturbranche gehabt habe, in denen man gemeinsam Golf spielen oder etwas trinken gehe. Es habe gedauert, bis sie erkannt habe, dass sie das auch gar nicht wollte. Und gerade dieser Kampf habe sie nur stärker und präziser gemacht.

Probleme mit Projekten außerhalb Europas

Hadid baut auch in Baku, in Shanghai oder Guangzhou. Im Zusammenhang mit dem Al Janoub Stadium in Katar wird kritisiert, dass Migrantenarbeiter gestorben seien und Anwohner:innen vertrieben worden seien, um Platz für das Gebäude zu schaffen. Hadid gibt zu, dass es in „diesen Ländern“ immer wieder zu solchen Problemen käme, sie aber so gut wie möglich aufpasse, dass es bei ihren Projekten nicht passiere und die Bedingungen für die Arbeiter stimmten.

Tod und Erbe

Im Jahr 2016 wird ihr letztes Projekt fertiggestellt, das Port House oder Havenhuis in Antwerpen, das als Regierungsgebäude dient und interessanterweise eine ehemalige Feuerwache ist – so war ihr erstes wichtiges Projekt eine Feuerwache, und ihr letztes fertiggestelltes ebenfalls.

Als sie für ein Projekt in Miami ist, muss sie sich wegen einer Bronchitis ins Krankenhaus begeben und stirbt dort im März im Alter von 65 Jahren an einem Herzinfarkt.

Ihren großen Traum, ein neues Parlamentsgebäude in Irak bauen zu können, kann sie sich leider nicht mehr erfüllen.

Sie liegt zwischen ihrem Vater Muhammad und ihrem Bruder Foulath auf dem Brookwood Cemetery bei London begraben. Ihr Grab ist von einer rechtwinkligen Steinplatte bedeckt. Sie hinterließ einen Bruder und ihre Nichte Rana Hadid, die ebenfalls Architektin ist.

Um ihren Nachlass in Höhe von 215 Millionen US-Dollar gab es einen vier Jahre währenden Gerichtsstreit, doch 2020 wurde der Großteil des Geldes an die Zaha Hadid Foundation übergeben, die arabische bzw. arabischstämmige Architekturstudentinnen unterstützt.

Ihr Büro, Zaha Hadid Architects, gibt es immer noch. Es legt seinen Schwerpunkt auf Nachhaltigkeit in der Baubranche, zum Beispiel was die eingesetzten Materialien und die Energieversorgung der Gebäude angeht.

Ihre Nichte Rana Hadid sagt:

Zaha hat uns beigebracht, dass es besser ist, Brücken zwischen Menschen zu bauen statt Mauern.

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Quellen:
Sonia Ricon Baldessarini: Wie Frauen bauen. Architektinnen von Julia Morgan bis Zaha Hadid, Aviva 2001.
Galerie Gmurzynska (Hrsg.): Zaha Hadid und Suprematismus. Hatje Cantz 2012.
„Dead Ladies Show“, Folge 48: „Zaha Hadid“
„Who, When, Wow!“, Folge „Zaha Hadid: Architect“
„Moonshots“, Folge 50: „Zaha Hadid, Architect“
„She Builds“, Folge 18: „Zaha Hadid“
Wikipedia: Zaha Hadid
OxfordUnion: Dame Zaha Hadid Full Q&A Oxford Union

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Artwork und Musik: Uwe Sittig 

Frauenleben-Hosts: Susanne Popp und Petra Hucke 

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All unsere inspirierende Frauen und ihre Zeit – wer hat eigentlich dafür gesorgt, dass Ada Lovelace sich stundenlang mit Babbages Erfindung beschäftigen konnte? Wer hat Friederike Ronnefeldt ihren Morgentee aufgebrüht? Das waren vermutlich ihre Dienstmädchen. Junge Frauen, die oft aus ärmeren Verhältnissen kamen und in den Haushalt der bürgerlichen Frauen eingegliedert wurden.

Die österreichische Autorin Maria Wachter hat sich im Rahmen ihres Romans Café Buchwald mit diesen Mädchen und Frauen beschäftigt, insbesondere solchen, die um das Jahr 1900 in Großstädten wie Wien und Berlin tätig waren. In dieser Folge erzählt sie uns von ihrer Recherche und den anstrengenden Aufgaben und langen Arbeitszeiten des damaligen Dienstpersonals.

Fotograf: Patrick Schörg

Wir machen außerdem kurze Abstecher nach Korea und Schlesien und sprechen über die großartige Erfindung der modernen Waschmaschine.

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Maria Wachter ist in Wien aufgewachsen. Nach vielen Jahren in Südkorea, den USA und Deutschland, wo sie in den Bereichen Werbung und Pressebetreuung arbeitete, kehrte sie in ihre Heimatstadt zurück, wo sie jetzt mit ihrer Familie lebt und historische Romane schreibt.

Website: https://www.maria-wachter.at
Instagram: mariawachter.stories

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Die Autorin Heidi Rehn lebt in München, und die bayrische Metropole ist auch der Schauplatz ihres im August 2023 erschienen Romans „Wir träumten vom Sommer“. Mit ihr reden wir über Hesitationspartikel, das Leben von Frauen im 19. und im 20. Jahrhundert, die Olympischen Spiele von 1972 – und natürlich über ihre Romane.

Heidi Rehn

Es ist kein Zufall, dass unsere heutige Gästin sich mit historischen Themen befasst. Heidi Rehn entdeckte schon früh ihre Faszination für Geschichte und Geschichten, hat Germanistik und Geschichte studiert und machte 1997 das Schreiben zum Beruf. In ihren Gesellschaftsromanen macht sie die großen Umbrüche quer durch die Jahrhunderte zum Thema, lässt anhand historischer Kriminalerzählungen die Vergangenheit wieder auferstehen oder schildert das Leben bekannter Künstlerinnen und Persönlichkeiten.

Mehr über Heidi Rehn erfahrt ihr auf ihrer Website.

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Äh, ach ja – und falls euch das Thema interessiert: Hier geht’s zum Podcast über Hesitationspartikel.

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„Es drehte sich alles um Kunst und Liebe“, so Peggy Guggenheim (1898–1979) über ihr Leben. Von der schillernden Kunstsammlerin erzählt uns die Autorin Sophie Villard.

Sophie Villard mit ihrem Roman "Peggy Guggenheim"

Sie liebte die Kunst, und sie liebte die Künstler: Peggy Guggenheim rettete im Zweiten Weltkrieg hunderte Werke von Kandinsky, Miró, Dalí, Picasso, Klee, Chagall, Brancusi, Arp … Aber sie rettete auch zahlreiche Menschenleben. Wie sie das gemacht hat und warum sie bis heute unterschätzt wird, erzählt uns die Autorin Sophie Villard. Sie nimmt uns mit in das aufregende Jetset-Leben der Mäzenin zwischen Paris, London, New York bis in ihr Refugium, den Palazzo Venier dei Leoni am Canale Grande in Venedig, wo heute ihre Sammlung zu sehen ist.

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Die Autorin Sophie Villard schreibt historische Romane beim Penguin Verlag. Ihre Romanbiografie über Peggy Guggenheim stand auf der Spiegel-Bestsellerliste und wurde in mehrere Sprachen übersetzt. Neben Peggy Guggenheim und der Traum vom Glück sind bisher erschienen: Madame Exupéry und die Sterne des Himmels über Consuelo de Saint-Exupéry, die „Rose“ des Kleinen Prinzen und Ehefrau des Autors Antoine de Saint-Exupéry. Und Mademoiselle Eiffel und der Turm der Liebe über Claire Eiffel, Tochter von Gustave Eiffel und dessen Privatsekretärin beim stark umstrittenen Bau des berühmten Turms. Derzeit arbeitet Sophie Villard an einem Zweiteiler über eine berühmte Pariser Familie, dessen erster Band im Herbst 2024 erscheint.

Sophie Villard im Caféhaus
Foto: www.andreaartz.com

Die Peggy Guggenheim Collection in Venedig ist unbedingt einen Besuch wert!

Und Sophies Website auch 😉

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Hättet ihr’s gewusst? Privatdetekteien setzten in den 60er Jahren mit Vorliebe Frauen für verdeckte Ermittlungen ein, um Ehebrechern und Ehebrecherinnen auf die Spur zu kommen. Das brachte das konservative Ehe- und Scheidungsrecht so mit sich.

Darüber und über viele andere spannende Themen sprechen wir in dieser Folge des Frauenleben-Podcast. Eine Episode unserer Minireihe „Autorinnen-Special“. Unsere heutige Gästin Charlotte Printz aka Beatrix Mannel hat schon über dreißig Bücher veröffentlicht und versteht ihr Handwerk, weshalb sie ihr Wissen auch in der Münchner Schreibakademie an andere weitergibt. In ihrem neuesten Roman, „Die rätselhafte Klientin“ aus der Reihe „Die Detektivinnen von Nachtigall & Co.“ geht es um ein ungewöhnliches Schwesternpaar, das eine Detektei in Berlin betreibt. Eine spannende Geschichte aus der Zeit des Berliner Mauerbaus.

Fotograf: Erol Gurian

Website von Charlotte Printz / Beatrix Mannel: https://www.beatrix-mannel.de/
Instagram: https://www.instagram.com/gurianbeatrixmannel/?hl=de
Münchner Schreibakademie: https://www.xn--mnchner-schreibakademie-cpc.de/

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Beitragsbild von Erol Gurian.

Heute begrüßt der Frauenleben-Podcast wieder eine Gästin, nämlich die Autorin Rebekka Eder. Rebekka schreibt historische Romane und hat unter anderem eine dreiteilige Reihe über die Familie Stollwerck in Köln verfasst: „Die Schokoladenfabrik“.

Rebekka Eder Die Schokoladenfabrik

Während ihrer Recherchen hat Rebekka sich viel mit dem Frauenbild im 19. Jahrhundert auseinandergesetzt – und das ist auch das Thema der heutigen Folge. Wir reden über Frauen damals und heute und versuchen herauszufinden, wie es dazu kommen konnte, dass man den Frauen jegliche Befähigung zum Intellekt und zur höheren Bildung abgesprochen hat. Außerdem sprechen wir über das Gleichgewicht von Fakten und Fiktion im historischen Roman, über die Erwartungen der Leser:innen und wie wir diese erfüllen. 

Für uns war es eine sehr spannende und unterhaltsame Dreiviertelstunde. Danke Rebekka für den Besuch und euch viel Spaß mit dieser Folge!

Die Schokoladenfabrik / Die Stollwerck-Saga:
Teil 1: Die Tochter des Apothekers
Teil 2: Das Geheimnis der Erfinderin
Teil 3: Der Traum der Poetin

Außerdem: Der Duft von Zimt

Rebekka ist zu finden bei Instagram: https://www.instagram.com/rebekka.mit.k/

Bei TikTok: https://www.tiktok.com/@rebekka.mit.k

Und auf ihrer Website: www.rebekkaknoll.de

Und hier geht’s noch zum Podcast Platonisch nackt: https://platonischnackt.de

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Beitragsbild von Mario Wezel

Astrid Töpfner ist die erste von fünf Autorinnen, die wir euch in einer Reihe von Spezialfolgen vorstellen möchten. Sie schreibt historische und zeitgeschichtliche Romane, und wir fragen sie über ihre Spanien-Trilogie Wir sind für die Ewigkeit aus.

Astrid Töpfner ist in der Schweiz aufgewachsen, lebt aber seit vielen Jahren an der Costa Brava und hörte eines Tages davon, dass im Jahr 1939 viele Katalan:innen vor den Kämpfen des Spanischen Bürgerkriegs aus Barcelona fliehen mussten – und knapp hinter der französischen Grenze in Internierungslagern landeten. Das nahm sie als Ausgangspunkt für ihre Trilogie um drei Frauen aus einer Familie, die so einige Schicksalsschläge zu bewältigen haben.

Wir erfahren in dieser Podcastfolge interessante Hintergründe zur Geschichte Kataloniens, zum Spanischen Bürgerkrieg und zur Franco-Diktatur. Außerdem erzählt sie uns, wie sie ihre Ideen findet und Geschichten über solch emotional schwierige Themen schreibt. Und sie verrät uns bereits etwas über ihren neuen Roman, der im Oktober 2023 erscheint!

Astrids Website: https://astrid-topfner.com/
Astrids Newsletter: https://astrid-topfner.com/newsletter/
Astrids Instagram: https://www.instagram.com/astrid_topfner
Astrids Facebook: https://www.facebook.com/Astrid.Topfner/

Und hier findet ihr Astrids Bücher: https://www.amazon.de/stores/author/B07CTK6HQJ/allbooks

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