Die deutsche CDU-Politikerin war die erste Frau, die in der Bundesrepublik Deutschland das Amt einer Bundesministerin innehatte. Sie schrieb gegen die Nationalsozialisten an und setzte sich für die Reform des Familienrechts ein. Als Bundesgesundheitsministerin leistete sie Pionierarbeit auf dem Gebiet der Gesundheits- und Umweltpolitik.

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Ihr Elternhaus ist liberal eingestellt. Die Mutter, eine Lehrerin, und vor allem die Tante sind von der Frauenbewegung der 1880er Jahre beeinflusst. Elisabeth besucht die Schillerschule in Sachsenhausen, die als eine der besten Mädchenschulen Deutschlands gilt. 

Der Vater wird Oberschulrat und sitzt als Abgeordneter der Deutschen Volkspartei in der Weimarer Republik im preußischen Landtag. Er lebt seiner Tochter politisches Engagement vor, streitet für die Themen, die ihn bewegen und beschäftigen. Die selbstverständlich gleichberechtigte Lebensweise der Eltern prägt Elisabeth sehr. Gleichzeitig fragt sie sich, wie man die Rolle der Frau den neuen Gesellschaftsformen so anpassen könnte, dass sie Kinder haben und doch mit gleichen Entwicklungschancen leben könnte wie ein Mann. Es wird das Thema ihres Lebens. 

Lehrerin, Juristin, Kirchenbeamtin

Mit 19 Jahren hat sie ihr Abitur in der Tasche und will studieren, es zieht sie zum Journalismus. Der Vater empfiehlt ihr, Lehrerin zu werden. Ein Jahr später legt sie am Oberlyceum ihr Examen für Volks- und Mittelschulen ab, entscheidet sich aber dann, Jura zu studieren und Jugend- oder Vormundschaftsrichterin zu werden. Sie besucht Verhandlungen an Frankfurter Gerichten, Verhandlungen, die etwas Neuartiges haben, da der einfühlsame Richter sich für die Beweggründe der jungen Gesetzesbrecher interessiert. Der Geist der Güte, so sagt sie es selbst, durchweht den Gerichtssaal und sie ist sich nun sicher, dass dies ihr Beruf werden soll. 

Elisabeth Schwarzhaupt. Erste Bundesministerin Deutschlands
©ACDP

Dann kommen die Nazis an die Macht und alles anders als geplant. Elisabeth Schwarzhaupt liest Hitlers Schriften. Sie ist entsetzt, «und zwar wegen seines Niveaus, wegen dieser primitiven demagogischen Art, dass ich sagte, das darf doch nicht sein, dass dieser Mann eine große politische Rolle in Deutschland spielt.» In der Folge tritt sie in die DVP ein. Sie schreibt Broschüren und hält Vorträge, die die frauenfeindliche Haltung der Nationalsozialisten, ihre rein männlich ausgelegten Strukturen und ihr dümmliches Frauenbild zum Thema haben. Durch die Machtübernahme der Nationalsozialisten, die keine Frauen im Richteramt dulden, muss sie sich beruflich neu orientieren. 

Diese Chance bietet ihr die evangelische Kirche. Am 1. April 1939 wird sie zur Oberkirchenrätin ernannt und verbeamtet. Nach Kriegsende wechselt sie ins kirchliche Außenamt der EKD. Sie befasst sich mit dem Thema Abtreibung, die damals noch streng unter Strafe steht und wirft die Frage auf, ob es nicht erlaubt sein sollte abzutreiben, wenn das Leben der Mutter in Gefahr ist. Schwangerschaftsabbrüche aus anderen Gründen werden von der evangelischen Kirche allerdings damals noch rigoros abgelehnt. 

Die erste Frau in einem Ministeramt 

1953 kandidiert sie zum ersten Mal für den Bundestag, nachdem sie vier Jahr zuvor ein entsprechendes Angebot noch abgelehnt hat. Im zweiten Anlauf, vier Jahre später, gewinnt sie ihren Wiesbadener Wahlkreis. Im Jahr 1954 hält sie ihre erste Rede im Plenum zum Thema Änderung des Familienrechts. 

Elisabeth Schwarzhaupt im Bundestag
@ACDP

 „Ich glaube, dass ich mit meinem Eintritt in das Kabinett, wenn auch als Alibifrau, eine Tür für die Frauen geöffnet habe, die nicht mehr zugeschlagen werden konnte.”

Elisabeth Schwarzhaupt

Gleichstellung von Männern und Frauen ist ihr Thema und immer wieder auch die rechtliche Situation von Kindern. Beispielsweise setzt sie sich dafür ein, dass unehelich geborene Kinder den ehelich geborenen rechtlich gleichgestellt werden. 

1961 wird sie trotz Adenauers anfänglichem Widerstand gegen eine Frau in seinem Kabinett Ministerin. Das Familienministerium bleibt jedoch dank des Einsatzes mächtiger konfessioneller Gruppen einem verheirateten Katholiken vorbehalten. Für die unverheiratete Protestantin Elisabeth Schwarzhaupt wird das Amt des Gesundheitsministeriums neu geschaffen. Sie gestaltet es so aus, dass es auch Themen wie Verbraucher- und Umweltschutz umfasst. Die Umweltpolitik, die sie schon 1961 angestoßen hat, wird später der sozialliberalen Koalition ab 1971 zugeschrieben. 

Zu den Dingen, die sie auf den Weg gebracht hat, gehören das Mindesthaltbarkeitsdatum auf Lebensmitteln, die Kennzeichnung von Fremdstoffen in Lebensmitteln, eine Umweltschutzverordnung zur Reinhaltung des Wassers und der Luft und eine Reform des Arzneimittelgesetzes. 

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Quelle:

Harald Ille: “In diesem Kreise sind auch Sie ein Herr” – Elisabeth Schwarzhaupt, erste Ministerin der Bundesrepublik. In: Frankfurter Frauengeschichte(n), Societätsverlag 2017.

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Artwork und Musik: Uwe Sittig

Frauenleben-Hosts: Susanne Popp und Petra Hucke 

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Die Kinder- und Sozialpsychologin aus den USA beschäftigte sich mit den Auswirkungen von Rassismus und rassistischen Vorurteilen auf Kinder. Mit ihrem „Puppentest“ trug sie dazu bei, dass vor Gericht eine Integration von bislang segregierten Kindergärten und Schulen vorangetrieben wurde.

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Mamies Kindheit war geprägt von der Rassentrennung in den Südstaaten, wo die Familie Phipps sich vor jedem längeren Ausflug oder dem Besuch eines Footballspiels ganz genau überlegen musste, wo sie etwas zu essen oder eine Toilette finden würde – denn alles war streng nach Schwarz und Weiß getrennt. Dennoch sagte sie später, sie habe eine glückliche Kindheit gehabt.

Das mag eine nachträgliche Verklärung sein, denn die Frage, wie Schwarze Kinder auf ihre tiefgreifend rassistische Umwelt der Zeit reagieren, hat sie ihr ganzes Leben umgetrieben. Sie studierte Psychologie und entwickelte in dieser Zeit den erwähnten Puppentest. In den 1940ern bis 1960ern startete sie gemeinsam mit ihrem Mann Kenneth Clark verschiedene Projekte zur Förderung unterprivilegierter Kinder. Gerade in Harlem war die Skepsis gegen ihren psychologischen Ansatz erst einmal groß, denn zu oft wurden Schwarze von den „weißen“ Behörden als geistig zurückgeblieben oder verrückt tituliert, nur weil ihnen jede Chance auf Bildung fehlte.

Doch Mamie Phipps Clark erarbeitete sich das Vertrauen ihrer Community, und ihr Northside Center for Child Development, das sie mit 936 Dollar ihres großzügigen Vaters startete, ist auch heute noch aktiv.

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Quellen:

Das erwähnte Transkript des Interviews findet man hier: Notable New Yorkers

Der Supreme-Court-Fall wird auf Wikipedia ausführlich beschrieben.

Außerdem Karera, Axelle und Alexandra Rutherford (2010/2017). Profil zu Mamie Phipps Clark. In A. Rutherford (Ed.), Psychology’s Feminist Voices Multimedia Internet Archive.

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Unsere Podcastempfehlungen der Woche:

HerStory von Jasmin Lörchner

Frauen von damals von Bianca Walther

History Chicks

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Frauenleben-Hosts: Susanne Popp und Petra Hucke 

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Die Schweizerin aus gutbürgerlichem Hause war Juristin, Journalistin und Frauenrechtlerin. Scharfzüngig und hellsichtig analysierte sie die Geschlechterverhältnisse in der Schweiz. In ihrem Werk „Frauen im Laufgitter“, erschienen 1958, kritisiert sie, dass den Frauen oft nur berufliche „Abfallarbeit“ zugestanden werde. Sie verurteilt den „Haushaltsfron“, problematisiert Ehe und Mutterschaft sowie die politische Unmündigkeit der Frauen und propagiert überdies sexuelle Selbstbestimmung und freie Liebe. 

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Iris von Roten, geborene Iris Meyer, war ein ausgesprochen reflektierter Mensch. Und sie war bei aller intellektueller Schärfe ein sinnlicher Mensch. Sie liebte Literatur, Kunst und Kunstgeschichte und stellte schon als junges Mädchen fest, dass Arbeit und Genuss sich im Leben eines Menschen die Waage halten sollten. Die Rolle, welche die Gesellschaft für Frauen vorgesehen hatte, behagte ihr hingegen ganz und gar nicht.  

Sie studiert Rechtswissenschaften an der Universität Bern, fällt auf durch ihre Intelligenz, ihre selbstbewusste Haltung und ihren Sinn für Mode. Nach ihrer Dissertation arbeitet sie als Journalistin, unter anderem als Chefredakteurin des Schweizer Frauenblatts. Gemeinsam mit ihrem Ehemann Peter von Roten, den sie während ihres Studiums kennengelernt hat, betätigt sie sich auch als Anwältin. Bereits 1948 beginnt sie mit den Recherchen für ihr Hauptwerk „Frauen im Laufgitter. Offene Worte zur Stellung der Frau“, das 1958 erscheint. 

efef-Verlag, Neuauflage 2014 mit einem Nachwort von Elisabeth Joris

Zu dieser Zeit dürfen Frauen in der Schweiz noch nicht wählen. Im Februar 1959 soll darüber abgestimmt werden – und ihr feministischen Manifest feuert die Debatten rund um das Thema Frauenwahlrecht an. Iris von Roten wird als wütend und aufrührerisch wahrgenommen und als „streitsüchtige Hysterikerin“ diffamiert. Selbst Frauenverbände distanzieren sich von ihr, da sie sich mit vielen ihrer radikalen Positionen nicht anfreunden können. Insbesondere ihre Auffassung von selbstbestimmter Sexualität findet bei ihren Geschlechtsgenossinnen keine Zustimmung. Dass Iris und Peter von Roten selbst ein unkonventionelles Beziehungsmodell leben, welches nicht strikt monogam ist und Haushalt und Kindererziehung auf beide Ehepartner verteilt, dürfte die Ablehnung zusätzlich verstärkt haben. 

Die „Simone de Beauvoir der Schweiz“ wird sie auch genannt und eine solch faszinierende Persönlichkeit hat natürlich einen Ehrenplatz in unserem Frauenleben-Podcast verdient. Diese Folge beruht auf der Doppelbiografie „Verliebte Feinde“ des Historikers Wilfried Meichtry, dem umfangreiches Archivmaterial für seine Arbeit zur Verfügung stand, unter anderem Tagebücher von Iris von Roten sowie der Briefwechsel des Ehepaars Iris und Peter von Roten. 

Quelle: 

Wilfried Meichtry, Verliebte Feinde. Iris und Peter von Roten. Nagel & Kimche 2012

Weiterlesen:

Frauen im Laufgitter. Offene Worte zur Stellung der Frau. Neuausgabe 2014, efef-Verlag

Lesetipp online: 

Mit Iris von Roten “den Problemen des weiblichen Lebens bis an die Wurzel nachgehen”, von Dolores Zoé Bertschinger

Anschauen:

Trailer zum Kino Film „Verliebte Feinde“, Drehbuch von Wilfried Meichtry (Docufiction) 

Iris von Roten interviewt Esther Vilar zu ihrem Buch „Der dressierte Mann“ 

Artwork und Musik: Uwe Sittig

Frauenleben-Hosts: Susanne Popp und Petra Hucke 

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Die afroamerikanische Chemikerin Alice Augusta Ball fand ein Wirkmittel gegen Morbus Hansen – eine Krankheit, die wir besser unter dem Namen Lepra kennen und die noch immer mit einem großen Stigma einhergeht. Würdigung dafür erhielt die junge Frau viel zu spät.

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Eigentlich dachten wir, dass wir interessante Frauen, über die wir nicht ausreichend Informationen für eine ganze Podcast-Folge finden, lediglich in einem Blogartikel vorstellen, wie ich es zum Beispiel mit Dr. Marie Maynard Daly und Frances Oldham Kelsey gemacht habe. Aber Alice Ball ist mir irgendwie so sympathisch, dass ich ausführlicher über sie reden möchte.

Sie wird im Juli 1892 in Seattle in eine recht wohlsituierte Familie geboren und kommt vielleicht im Fotolabor ihres Großvaters James Presley Ball zum ersten Mal mit Chemikalien in Kontakt. Diese werden sie ihr weiteres (kurzes) Leben faszinieren.

Sie geht zur High School und studiert als eine von wenigen Frauen (erst in Seattle, dann in Honululu) pharmazeutische Chemie und Pharmazie. Noch bevor sie ihr Masterstudium beginnt, kann sie eine erste wissenschaftliche Veröffentlichung im renommierten Journal of the American Chemical Society vorweisen: Beonzylations in Ether Solution – zu dieser Zeit eine außergewöhnliche Leistung. Ihre Masterarbeit schreibt sie über die aktiven Bestandteile des Kavapfeffers. Sie ist die erste Frau, die am College of Hawaii einen Mastertitel erhält, und auch die erste schwarze Studentin.

Quelle: knkx.org

Daraufhin arbeitet sie dort als Dozentin und bekommt gleichzeitig eine Stelle in einem Labor von Harry T. Hollmann angeboten, der zu dieser Zeit herausfinden möchte, wie man mit Chaulmoograöl Lepra behandeln kann. Mit ihren 20 Jahren muss Alice Ball eine zielstrebige, intelligente Frau gewesen sein, die trotz der doppelten Arbeitslast bald herausfand, wie man – Achtung, Chemie – die Ethylester der zwei in diesem Öl enthaltenen Fettsäuren (nämlich Chaulmoograsäure und Hydrocarpussäure) bei niedrigen Temperaturen trennen kann, sodass sie wasserlöslich werden und injiziert werden können.

Bevor sie diese Ergebnisse jedoch veröffentlichen kann, atmet sie wohl in ihrem Unterricht Chlorgas ein, wird schwer krank und stirbt 1916 mit nur 24 Jahren. Man wird sich wohl immer fragen müssen, was sie noch hätte erreichen können.

Nach ihrem Tod übernimmt Dr. Arthur L. Dean – ebenfalls Chemiker und gleichzeitig Präsident des College of Hawaii – ihre Arbeit. Es wird ein Medikament hergestellt und in großen Mengen verkauft und erfolgreich verabreicht. Dean veröffentlicht die Ergebnisse als seine eigenen, Alice Ball erwähnt er nicht einmal. Erst später wird ihr Name von einem anderen Forscher in einer Publikation genannt, und die „Dean-Methode“ wird zur „Ball-Methode“ umbenannt – und bleibt bis in die 1940er die beste Behandlungsmethode. Im Podcast erzähle ich mehr über die berühmt-berüchtigte Lepra-Kolonie Kalaupapa auf Hawaii.

„Wiederentdeckt“ wird Alice Ball von Dr. Kathryn Takara von der University of Hawaii, die 1977 mit der Erforschung schwarzer Frau in Hawaii beginnt, und von Stanley Ali, einem pensionierten Beamten, der sich mit der Geschichte der Schwarzen auf Hawaii beschäftigt. Er hat auch dafür gesorgt, dass ein Porträt von Alice Ball in der Hamilton Library (Teil des Uni-Campus) aufgehängt wurde. Seit 2008 gibt es für sie eine Gedenktafel neben einem Chaulmoograbaum auf dem Campus. Außerdem wurde der 29. Februar zum Alice-Ball-Tag ernannt. 2007 bekam sie posthum die Regents’ Medal of Distinction der Universität verliehen. Im Februar 2020 wurde ein Kurzfilm von Dagmawi Abebe namens The Ball Method auf dem Pan African Film Festival gezeigt, von dem ich online leider nur den Trailer finde. Außerdem ist wohl eine Biografie in Arbeit, durch Paul Wermager von der University of Hawaii.

Quelle: imdb.com

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Hier sind noch ein paar Zahlen dazu, wie die Situation für Afroamerikaner*innen zu Alice Balls Zeit aussah, was die Zulassung zu Universitäten und Colleges in den USA angeht:

Die erste Universität, die offiziell schwarze Student*innen fördern wollte, war Oberlin College in Ohio. Das war 1833, und viele Schwarze und Abolitionisten (die sich für die Abschaffung der Sklaverei einsetzten) zogen in der Zeit dorthin. Auch die Underground Railroad, über die Sklaven und Sklavinnen aus den Südstaaten in den Norden geschmuggelt wurden, hatte dort einen „Bahnhof“.

Zu Beginn des Sezessionskriegs hatte Oberlin ein Drittel aller afroamerikanischen Akademiker produziert, hauptsächlich Männer, und zwar ungefähr 13. (Die anderen zwei Drittel kamen von anderen Colleges im Norden.)

1850 bekam Lucy Ann Stanton, eine Schwarze, ein Abschlusszertifikat in Literatur vom Oberlin College, aber keinen offiziellen Bachelortitel. Zwölf Jahre später gelingt dies dann Mary Jane Patterson. Und Sarah Woodson Early war noch vor 1900 die allererste schwarze College-Dozentin, die vorher am Oberlin College studiert hatte. Dennoch war natürlich nicht plötzlich alles Friede, Freude, Eierkuchen. Noch 1944 gab es keinen Friseursalon auf dem Oberliner Campus oder in der Nähe, der Haare der schwarzen Student*innen hätte schneiden können. Guter Wille und praktische Umsetzung sind zwei Paar Stiefel. (Quelle)

Siehe auch Historically Black Colleges.

Was Frauen angeht (unabhängig von Herkunft/Hautfarbe), so gab es 1900 in den USA genau 85.338 College-Studentinnen, von denen 5.237 einen Bachelor-Abschluss machten. Im Semester von 1929/1930 waren dann schon 480.802 Frauen eingeschrieben. 1950 wurden 23,9 % der Bachelor-Abschlüsse von Frauen erworben und 9,7 % der Doktortitel. (Quelle)

Außerdem helfen vielleicht noch Erwähnungen von ein paar „die erste, die“-Jahreszahlen verschiedener Universitäten, wie zum Beispiel:

1864 gibt es den ersten medizinischen Abschluss für Rebecca Lee in New England.
1881 eröffnet Spelman College in Atlanta, eine Institution nur für schwarze Frauen.
1890 ist Ida Gray die erste schwarze Frau, die einen Abschluss in Zahnmedizin bekommt, an der University of Michigan.
1897 macht am Vassar College zum ersten Mal eine schwarze Studentin einen Abschluss, Anita Hemmings – von der das College die ganze Zeit dachte, sie sei weiß. Als sie ein paar Wochen vor ihrem Abschluss „geoutet“ wird, fühlt das College sich betrogen, gibt ihr aber trotzdem den Abschluss.
1899 wird zum ersten Mal eine schwarze Studentin Mitglied der Studentinnenverbindung Phi Beta Kappa (die es schon seit 1776 (?) gibt).
1900 ist Otelia Cromwell die erste Schwarze, die einen Abschluss am Smith College in Northampton, Massachusetts macht.
1880 gibt es 45 „schwarze“ Colleges und Universitäten in den USA.
1900 sind es 78.
1932 sind es 117. (Quelle)

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Quellen:

Jeannette E. Brown: African American Women Chemists. Oxford University Press 2012.

This Podcast Will Kill You – Episode 2: Skin in the Game, Horse in the Race

Es weihnachtet sehr – und unser Veröffentlichungstag fällt auf den 25. Dezember, weswegen wir eine Sonderfolge über Maria von Nazareth eingeschoben haben. Ein umfangreiches Unterfangen, wie sich schnell herausstellte. Im Laufe der Recherche ergaben sich drei Schwerpunkte: 1. Was erfahren wir aus der Bibel über Maria? 2. Wie sah die Lebenswirklichkeit für eine jüdische Frau und Mutter um das Jahr 1 in Palästina aus? 3. Wie kommt das mittelalterliche Bild der Muttergottes zustande, das bis heute unsere Vorstellungen von Maria prägt, und welchen Zusammenhang gibt es beispielsweise mit den heidnischen Göttinnen?

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Über die historische Gestalt der Maria wissen wir nicht wirklich viel – außer dass es sie gegeben haben muss, geht man davon aus, das auch Jesus gelebt hat. Geboren und aufgewachsen ist sie vermutlich in Nazareth, einem Ort, der so unbedeutend war, dass sich die Schreiber und Chronisten ihn sich kaum ausgedacht hätten. Doch da endet auch schon die gesicherte Erkenntnis. In den Evangelien taucht Maria entweder so gut wie überhaupt nicht auf – etwa im Evangelium nach Markus, welches als das älteste gilt – oder sie ist bereits eine literarische Figur, so wie im Evangelium nach Lukas. In diesem Evangelium, das etwa um das Jahr 180 herum entstanden ist, wurde die Geschichte nämlich nach vorne verlängert. Während Markus nur von Jesu Leben und Wirken als erwachsener Mann berichtet und die Mitglieder seiner Herkunftsfamilie nur als Randfiguren auftreten, berichtet Lukas auch von Jesu Geburt. Die Geschichte rund um Betlehem – die Geburt im Stall, jeder kennt sie – ist literarische Fiktion. Die Zeitangaben des Evangelisten lassen sich nicht mit tatsächlichen Ereignissen in Übereinstimmung bringen.

So menschlich wie auf diesem Bild wirkt die heilige Familie selten.
Johann Caspar Schinz (1797-1832), Kunsthaus Zürich, Foto: S. Popp

Die Jungfrauengeburt – ein Dogma der katholischen Kirche

Die feministische Theologie hat sich zu recht intensiv mit Maria beschäftigt, und vieles geriet mittlerweile beinahe schon wieder in Vergessenheit. Etwa die Tatsache, dass Uta Ranke-Heinemann im Jahr 1987 ihre Lehrbefugnis für katholische Theologie verlor, weil sie die Jungfrauengeburt anzweifelte. Dabei bezog sie sich explizit auf Joseph Ratzinger, der geschrieben hatte:

„Die Gottessohnschaft Jesu beruht nach kirchlichem Glauben nicht darauf, daß Jesus keinen menschlichen Vater hatte; die Lehre vom Gottsein Jesu würde nicht angetastet, wenn Jesus aus einer normalen menschlichen Ehe hervorgegangen wäre. Denn die Gottessohnschaft, von der der Glaube spricht, ist kein biologisches, sondern ein ontologisches Faktum; kein Vorgang in der Zeit, sondern in Gottes Ewigkeit.“

(zitiert nach Wikipedia)

Was aus Ratzinger wurde, wissen wir, ihn machte man zum Papst. Uta Ranke-Heinemann erhielt einen kirchenunabhängigen Lehrstuhl für Religionsgeschichte, und sie betrachtet sich nach eigener Aussage als exkommuniziert, da sie sich dem christlichen Glaubensbekenntnis (speziell: „geboren von der Jungfrau Maria“) verweigere.

Ihr „siebenfaches negatives Glaubensbekenntnis“ ist (für mich) so überzeugend, dass es wert ist, hier erwähnt zu werden:

  • Die Bibel ist nicht Gottes-, sondern Menschenwort.
  • Dass Gott in drei Personen existiert, ist menschlicher Fantasie entsprungen.
  • Jesus ist Mensch und nicht Gott.
  • Maria ist Jesu Mutter und nicht Gottesmutter.
  • Gott hat Himmel und Erde geschaffen, die Hölle haben die Menschen hinzuerfunden.
  • Es gibt weder Erbsünde noch Teufel.
  • Eine blutige Erlösung am Kreuz ist eine heidnische Menschenopferreligion nach religiösem Steinzeitmuster.

„Maria ist Jesu Mutter und nicht Gottesmutter“, sagt Frau Ranke-Heinemann. Ist das so? Und wie ist das für euch? Findet es selbst heraus – diese Podcast-Episode kann ein Einstieg dazu sein.

Quellen:
Jürgen Becker: Maria, Mutter Jesus und erwählte Jungfrau aus der Reihe Biblische Gestalten. Evangelische Verlagsanstalt, 2001

Ida Magli, Die Entstehung eines weiblichen Idols aus der männlichen Phantasie
Piper, 1987

Albrecht Koschorke: Die Heilige Familie und ihre Folgen. Fischer, 2000

Lesetipp:

Die Website y-nachten.de befasst sich unter anderem mit dem Marienbild – hier findet man aktuelle Stellungnahmen junger Theologinnen und Theologen zum Thema „Maria“ aber auch darüber hinaus. Unbedingte Leseempfehlung für alle Interessierte.

Empfehlungen für Podcasts:

„Unter Pfarrerstöchtern“, ein Podcast der Wochenzeitung Zeit, befasst sich mit den Texten der Bibel

Auch beim feministischen Podcast „Die Podcastin“ gibt es eine interessante Weihnachtsfolge.

Artwork und Musik: Uwe Sittig

Frauenleben-Hosts: Susanne Popp und Petra Hucke 

Podcast-Website: Frauenleben-Podcast 

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Rachel Carson war Meeresbiologin, Journalistin, Schriftstellerin und Pionierin des Nature Writing. In den 1960er Jahren war sie in den USA eine richtige Heldin, nachdem sie in ihrem Meisterwerk Der stumme Frühling auf die skandalöse Umweltverschmutzung durch Pestizide aufmerksam machte.

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Wenn Lucy von den Peanuts ein Fangirl ist, kann eigentlich nichts Großartigeres mehr folgen:

Rachel Louise Carson wird am 27. Mai 1907 in Springdale, Pennsylvania, geboren. Die Region um Pittsburgh ist industriell geprägt, und Luft und Wasser sind furchtbar ungesund, es stinkt. Ihre Schwester Marian ist zehn Jahre älter, ihr Bruder Robert acht. Ihre Mutter Maria stammt aus gutem Haus und hat als Klavierlehrerin gearbeitet. Sie hat deutlich größeren Einfluss auf Rachels Leben als der Vater, der Gelegenheitsarbeiter ist und es kaum je auf einen grünen Zweig geschafft. Die Familie kämpft mit der Armut.

Sie leben jedoch in einem kleinen Haus im Grünen, und Maria unterstützt Rachels Interesse an der Natur und ihre Liebe zur Literatur. Die beiden haben eine enge Beziehung. Rachel gewinnt erste Schreibwettbewerbe und schließt die High School als Klassenbeste ab.

Zwei Herzen in ihrer Brust: Englisch oder Biologie?

1925 bekommt sie ein Stipendium und studiert am Pennsylvania College for Women, deren Präsidentin und Dekanin sich immer wieder für eine gerechte Finanzierung ihrer nur für Frauen geöffneten Universität einsetzt.

Rachel wählt Englisch als Hauptfach und veröffentlicht eigene Texte in der Unizeitung. Am Wochenende kommt regelmäßig Mutter Maria zu Besuch – vermutlich ein seltsamer Anblick für die restlichen Studentinnen. Rachel gilt entsprechend als Eigenbrötlerin, wenn auch als humorvoll und hilfreich, und hat nur wenige enge Freundinnen.

Im dritten Jahr wechselt sie zu Biologie. Diese Entscheidung kommt nicht von ungefähr, hat sie doch schon früh Naturforschungen betrieben. Unterstützt wird sie von Mary Scott Skinker, einer Lehrerin, die sie fasziniert. Sie muss viel aufholen und lernt eifrig.

Im Sommer 1929 macht sie ein Praktikum am Marine Biological Laboratory (MBL) in Woods Hole, südlich von Boston. Zum ersten Mal in ihrem Leben sieht sie das Meer – und die Weichen scheinen gestellt. Ihren Master möchte sie danach in Zoologie an der Johns Hopkins University machen. Auch hier erhält sie ein Stipendium, aber das Geld reicht trotzdem hinten und vorne nicht. In der allgegenwärtigen Finanzkrise – im Oktober 1929 schockiert der Black Friday das ganze Land – ist die Arbeitssuche nicht einfach, bis sie schließlich eine Stelle als Laborassistentin findet.

Arbeit beim Fish and Wildlife Service

Wegen des fehlenden Geldes muss sie auch den Traum aufgeben, eine Doktorarbeit zu schreiben. Nach ihrem Master-Abschluss 1932 bekommt sie ihre erste Vollzeitstelle bei der US-Fischereibehörde und darin beim Fish and Wildlife Service (FWS). Es ist jedoch zum Glück ganz und gar nicht die übliche Sekretariatsarbeit, die sie dort als Frau zugewiesen bekommt. Als ihr Chef erfährt, dass sie gut schreiben kann, verfasst sie die Texte für eine geplante Radiosendung sowie Broschüren für die Öffentlichkeit. Dabei kommt sie mit Experten, Laborarbeitern und Fischern ins Gespräch, besucht Feldstationen und kann sogar selbst erste professionelle Beobachtungen anstellen. Auch Zeitungsartikel über Überfischung und Flussverschmutzungen sowie die Probleme von Dammbauten schreibt sie. Neben den Fischen wendet sie sich anderen Tieren, insbesondere den Vögeln, zu.

Schließlich nimmt der Atlantic, eine der renommiertesten Zeitschriften der USA, einen Text von ihr an, und Rachel, die immer gedacht hat, dass sie sich für die Literatur oder die Wissenschaft entscheiden muss, versteht nun, dass sich beides ideal vereinbaren lässt. Allerdings veröffentlicht sie anfangs geschlechtsneutral unter dem Namen R. L. Carson.

Ihre Familie ist inzwischen mit ihr nach Baltimore gezogen. 1935 stirbt ihr Vater plötzlich, ihre Schwester Marian nicht viel später. Ihr Bruder kümmert sich nicht um die Familie, und so hat Rachel die Aufgabe, sich weiterhin ihrer älter werdenden Mutter anzunehmen.

Ihr erstes Buch: Under the Sea-Wind

Im Jahr 1938 fragt der New Yorker Verlag Simon & Schuster an, ob sie ein Buch schreiben möchte, und drei Jahre später erscheint Under the Sea-Wind (dt. Unter dem Meerwind). Darin beschreibt sie in einer Mischung aus wissenschaftlichen Fakten und poetischen Schilderungen das Leben eines Seevogels, eines Fischs und eines Aals. Ein Auszug:

Indem [das Vogelweibchen] Silverbar unmittelbar der zurücklaufenden Strömung folgte, sah sie zwei schimmernde Luftblasen, die sich aus dem Sand hoben, und sie wusste, dass eine Krabbe darunter war. Während sie die Blasen beobachtete, entging ihrem scharfen Auge nicht, dass im wälzenden Aufruhr der Brandung eine Welle aufstand. … Über den tieferen Untertönen der wandernden Flut hörte sie das lichtere Zischen des versprühenden Wellenkammes. Fast im selben Augenblick erschienen die gefiederten Fühler der Krabbe über dem Sand. Silverbar, die gerade unter dem Kamm des grünen Wasserhügels herlief, bohrte ihren geöffneten Schnabel heftig in den nassen Sand und zog die Krabbe heraus.

Zitiert in Dieter Steiner, Rachel Carson. Pionierin der Ökologiebewegung. Eine Biographie. S. 89.

Das Werk erhält gute Kritiken, aber als kurze Zeit später Pearl Harbor angegriffen wird, spielt ein kleines Naturbuch plötzlich keine große Rolle mehr. Die USA treten in den Krieg ein.

Rachel wird währenddessen zur Gewässerbiologin und Informationsspezialistin befördert und zieht mit ihrer Mutter erst nach Chicago, dann nach Washington bzw. Maple Spring in Maryland. Sie wird zur begeisterten Vogelbeobachterin und Mitglied der Audubon Society. Vom FWS wird sie unterdessen auch beruflich auf Feldforschungsexpeditionen in Tierschutzgebiete und Naturparks geschickt, um danach Broschüren über die Vogelwelt, Bisons und Lachse zu schreiben. 1949 übernimmt sie die Hauptredaktion aller Publikationen.

Mit ihrer Agentin Marie Rodell arbeitet sie gemeinsam am nächsten Buch, The Sea Around Us,  erhält wieder ein Stipendium, und Teile werden vorab im renommierten New Yorker und in der Vogue abgedruckt. Es wird ein Bestseller. Neben großer Bekanntheit und viel Geld erhält sie öffentliche Würdigungen und Ehrendoktortitel, aber auch Spott und Misogynie lassen nicht lange auf sich warten.

Verantwortung für den Großneffen Roger

Im Jahr 1952 bekommt Marjorie, die Tochter ihrer verstorbenen Schwester, ein uneheliches Kind. Um einen Skandal zu vermeiden, zieht sie vorübergehend in eine andere Stadt, und die Carsons erzählen allen, dass es natürlich einen Ehemann gebe, der aber leider ganz schnell verstorben sei. Das Kind – Rachels Großneffe – ist ein Junge und wird Roger genannt.

Rachel kündigt ihre feste Stelle beim FWS, um nur noch zu schreiben und dafür zu forschen. Das gibt ihr nicht nur viel mehr freie Zeit, sondern auch die Möglichkeit, offener politische Strömungen und Entscheidungen zu kritisieren, zum Beispiel, als 1953 die Regierung wechselt und Nationalparks für wirtschaftliche Interessen freigibt.

Rachel baut sich ein Häuschen in Maine, wo sie ihre Nachbarin Dorothy Freeman und deren Mann Stanley kennenlernt. Es entwickelt sich eine dauerhafte, zeitintensive, liebevolle Brieffreundschaft. In den nächsten Jahren veröffentlicht sie den dritten Teil ihrer Meerestrilogie, The Edge of the Sea, der leider nicht ganz so erfolgreich ist, sie schreibt die Texte zu einem Film über Wolken, trägt zu einer Anthologie bei und schreibt ein Vogelbuch.

Die Familie vereinnahmt sie auch weiterhin, Mutter Maria ist inzwischen Mitte achtzig und pflegebedürftig, der Bruder hilft weiterhin nicht. Ihre Nichte Marjorie verstirbt, und Rachel, selbst schon 47 Jahre alt, übernimmt die Verantwortung  für ihren Großneffen Roger. Sie ziehen nach Silver Spring in Maryland um, und Rachels geliebte Katzen ziehen mit.

Das Dreckige Dutzend

In den kommenden Jahren arbeitet Rachel an dem Werk, das ihr den endgültigen Ruhm sichert: Silent Spring (dt. Der stumme Frühling).

Ausschlaggebend sind die verheerenden Umweltverschmutzungen der 1950er und 1960er Jahre, die immer mehr in das Bewusstsein der Bevölkerung vordringen – nicht zuletzt, weil auch das Wappentier der USA, der Weißkopfseeadler darunter leidet und kurz vor dem Aussterben steht. Dazu kommt der sogenannte cranberry scare, bei dem kurz vor Thanksgiving verlautbart wird, dass ein Großteil der geernteten Cranberrys vom Markt genommen werden müssen, weil sie mit Chemikalien verseucht sind. Der Truthahn hat in diesem Jahr bestimmt nicht gut geschmeckt …

Rachel konzentriert sich auf diese Chemikalien und Insektizide, allen voran Dichlordiphenyltrichlorethan. Das DDT gehört zu den CKW (Chlorkohlenwasserstoffen) und damit zum „Dreckigen Dutzend“. Es wurde schon zu Kriegszeiten eingesetzt, um zum Beispiel amerikanische Soldaten in Süditalien vor dem Fleckfieber zu schützen. Die Kriegsrhetorik wurde dabei auch auf diese zu verspritzenden Mittel ausgeweitet:

Neben den Auswirkungen des Japsen-Stahls fürchten unsere Kämpfer im Fernen Osten am meisten den Stich des Moskitos. Neben dem Getöse eines Japsen-Bombern haben sie Angst vor dem Summen dieser tropischen Plage, die eine tödliche Ladung von Malaria- und Gelbfieber-Erregern mit sich führt … In den Vereinigten Staaten hat der Mangel an Arbeitskräften dazu geführt, dass Millionen von Acres ungepflügt daliegen und dem frischen Übergriff von hungrigen Insektenhorden freien Raum bieten … Onkel Sam, der in einem Weltkrieg kämpft, bereitet sich schon auf den nächsten vor – und dieser wird eine lange und bittere Schlacht sein, um die kriechenden, zappelnden, fliegenden, grabenden Milliarden zu vernichten, deren Zahlen und Verwüstungen menschliches Verständnis übersteigen.

Zitiert in Dieter Steiner, Rachel Carson. Pionierin der Ökologiebewegung. Eine Biographie. S. 206.

Seit 1945 sind DDT und ähnliche Stoffe auch für die Öffentlichkeit erhältlich, und natürlich gibt es Warnungen, dass es sich um Gift handelt und nicht nur die gewünschten Insekten sterben und ganze Ökosysteme in Gefahr geraten, aber der Bevölkerung  gegenüber wird dies verharmlost. Und die Regierung wird selbst – und in viel verheerenderem Maße aktiv: Ganze Wälder werden vom Flugzeug aus besprüht, um sogenannte Schädlinge wie die Feuerameise, den Japankäfer oder den Schwammspinner loszuwerden. Die Ironie ist natürlich, dass zahlreiche andere Insekten, Vögel, Säugetiere und Pflanzen sterben und gerade die Schädlinge sich danach noch viel schneller verbreiten, weil jegliche natürliche Abwehrmechanismen nicht mehr funktionieren. Auch Resistenzen entstehen.

Proteste von Anwohner*innen, deren Häuser, Grundstücke und draußen spielenden Kinder von der flächendeckenden Behandlung betroffen sind, beschweren sich an offizieller Stelle, aber der Nutzen für die Gemeinschaft wird höher angesehen als die vermeintliche Beschädigung und der Eingriff in das Selbstbestimmungsrecht.

Es werden Vergleiche herangezogen: Diese Behandlung ist in etwa so, als ob man sich selbst skalpiert, um Schuppen loszuwerden. Oder als ob man mit dem Maschinengewehr in eine Gruppe Freunde schießt, um einen Dieb dazwischen zu erwischen.

(Und auch wenn man sich fragen mag, wie jemals jemand so etwas für eine gute, sinnvolle Idee gehalten hat, werden sich die Menschen in einigen Jahrzehnten hoffentlich fragen, wie wir jemals viel zu viele „Nutztiere“ in enge Ställe stellen und mit Antibiotika vollpumpen können, die sich nachweisbar in unserem Trinkwasser wiederfinden … (Die Antibiotika, nicht die Tiere.))

Was auch erst langsam klar wird: DDT und Konsorten schädigen das Ökosystem nicht nur einmal. Bioakkumulation oder Biomagnifikation bedeutet, dass sich die Gifte in den Organen anlagern und in der Nahrungskette nach oben weitergegeben werden. Die gemessenen Werte in Tieren können also nach und nach viel höher sein als die Mengen, die eigentlich versprüht wurden. Und es sind immense Mengen.

Rachel Carsons Meisterwerk: Silent Spring

Über diesen ganzen Komplex an chemikalischen, biologischen und politischen Faktoren schreibt Rachel innerhalb von vier Jahren ihr Buch Silent Spring (dt. Der stumme Frühling). Dass sie nicht mehr für den Staat arbeitet, war damit endgültig eine gute Entscheidung.

Sie erhält heimlich Hilfe von ganz verschiedenen Mitarbeiter*innen bei Behörden und holt sich Unterstützung von Fachleuten, damit die Fakten hundertprozentig stimmen. Sie rechnet bereits mit Kritik und Hass, unter anderem natürlich aus der Industrie, die mit ihren Insektiziden eine halbe Milliarde Dollar Umsatz pro Jahr macht. Rachel achtet penibel darauf, keine Markennamen zu nennen, weiß sie doch, dass Wirtschaft und Wissenschaft oft miteinander eng verbunden sind.

Sie spricht sich in ihrem Buch nicht vollständig gegen Insektizide aus, sondern möchte vor allem darauf hinweisen, dass man nicht immer glauben darf, etwas sei sicher, nur weil Autoritäten es behaupten. Sie befürwortet mehr Forschung im Vorhinein und eine fokussiertere Anwendung bei wirklichen Schädlingen sowie biologisch sanftere Methoden, die es teilweise schon gibt. So könnten zum Beispiel sterilisierte Männchen einer bestimmten Mücke ausgesetzt, falsche Lockstoffe verbreitet oder Fressfeinde gestärkt werden.

Eine schwere Diagnose

In dieser Zeit wird bei Rachel eine Brustkrebserkrankung diagnostiziert. Sie wird dies jedoch bis zum Ende geheimhalten, damit ihr Buch nicht als eine persönliche Abrechnung oder ähnliches angesehen wird. Für sie ist es jedoch erst einmal schwierig genug, die Wahrheit über ihre eigene Krankheit zu erfahren. Nach ihrer Mastektomie informieren die Ärzte sie nicht über die Bösartigkeit des Tumors, denn damals erfährt so etwas nur der Ehemann – den es in Rachels Fall aber ja nicht gibt. Erst ein befreundeter Arzt sagt ihr die Wahrheit. Rachel entscheidet sich für eine Bestrahlung und gegen eine Chemotherapie. Im Jahr 1958 stirbt dann auch noch ihre geliebte Mutter.

Dennoch lässt sie sich nicht unterkriegen. Sie schreibt an ihre Freundin Dorothy:

Letztes Jahr … ging ich in mich, wie Du Dir vorstellen kannst, und es war mir klar, dass ich, sollte meine Zeit bald abgelaufen sein, vor allem anderen dieses Buch fertig stellen will. … Aber jetzt, da es den Anschein macht, ich könnte dieses Ziel irgendwie erreichen, bin ich natürlich nicht zufrieden – nun möchte ich noch Zeit haben für das Help-Your-Child-to-Wonder-Buch und das große Man-and-Nature-Buch. Und dann gibt es noch mehr, denke ich – wenn ich bis 90 am Leben bleibe, will ich weiterhin etwas zu sagen haben.

Zitiert in Dieter Steiner, Rachel Carson. Pionierin der Ökologiebewegung. Eine Biographie. S. 240/241.

Negative Reaktionen auf Silent Spring

Natürlich bleiben die negativen Reaktionen auf ihr Buch nicht aus. Bevor es ans Inhaltliche geht, kommen die üblichen Einwände – eine hysterische Frau und alte Jungfer wie Rachel Carson hat doch keine Ahnung, wovon sie spricht. Sie hat ja nicht einmal einen Doktortitel. Sie ist eine Kommunistin, eine Feministin und/oder eine typische Bio-Spinnerin, die viel zu simpel argumentiert. (Als sie einmal gefragt wird, ob sie Feministin sei, sagt sie, dass es sie nicht interessiere, ob ein Mann oder eine Frau etwas getan habe, sondern nur, ob es gut geworden sein.)

Es werden ihr Klagen angedroht, aus denen aber nie etwas wird, und die Firmen geben sich stattdessen Mühe, in Werbung und Marketing weiterhin auf die positiven Aspekte ihrer Produkte zu setzen.

Positive Reaktionen auf Silent Spring

Im Allgemeinen wird das Buch jedoch finanziell und gesellschaftlich ein großer Erfolg.

Wieder werden Teile im New Yorker vorabgedruckt, und die Medien betiteln es als „Onkel Toms Hütte des 20. Jahrhunderts“. Sie erhält eine schriftliche Danksagung von ihrem Idol Albert Schweitzer, dem sie das Buch gewidmet hat, und zahlreiche Auszeichnungen. Zudem wird sie in die prestigeträchtige American Academy of Arts and Letters aufgenommen.

Am wichtigsten ist jedoch wohl, dass Präsident John F. Kennedy bereits den Vorabdruck zu lesen bekommt und eine Untersuchung aller Behörden beauftragt, was die Verwendung von Pestiziden angeht. Die Ergebnisse dieser Untersuchung geben Rachel recht. Empfohlen werden mehr Vorsicht mit den Chemikalien und, besser noch, die Suche nach biologischen Alternativen. Auch die Öffentlichkeit soll besser aufgeklärt werden.

Nach und nach werden in einigen Staaten Gesetze entworfen, die es zum Beispiel erlauben, seinen eigenen Grund vor Sprühaktionen zu schützen, die mehr Forschungen ermöglichen und dafür sorgen, dass nur noch vollständig untersuchte Chemikalien verkauft werden. (Im Laufe der Jahre und Jahrzehnte wird jedoch deutlich werden, dass neue Wirkstoffe nicht unbedingt besser sind als das gute, alte DDT. Ganz im Gegenteil – beim DDT ließen sich die Schäden zumindest schneller bestimmen und zuordnen.)

Die letzten Jahre

Rachel tritt vor Komitees, bei Konferenzen und im Fernsehen auf, muss sich jedoch immer weiter zurückziehen. Der Krebs hat gestreut, und Schmerzen in Rücken und Hüfte machen ihr die Arbeit unmöglich. Behandlungen schlagen kaum noch an. Sie bestimmt, dass ihr schriftlicher Nachlass an eine Yale-Bibliothek gehen soll. Sie richtet einen Fonds für ihren Großneffen Roger ein, versäumt es jedoch, einen neuen Vormund zu bestimmen. Nach einer Operation bekommt sie einen Herzinfarkt und stirbt am 14. April 1964. Ein Teil ihrer Asche wird von Dorothy Freeman an der Küste verstreut.

Eine letzte Sache: Die Beziehung zu Dorothy Freeman

Rachel hat nie geheiratet. Das kann mit ihrer Berufung als Schriftstellerin zu tun haben und mit der Verantwortung für Roger und ihre Mutter – es kann aber auch daran liegen, dass sie kein Interesse an Männern hatte. In Dieter Steiners Buch wird darauf nur kurz mit dem Hinweis eingegangen, dass uns Rachels sexuelle Orientierung nichts angeht, und das ist zwar wahr – gleichzeitig sollte jedoch berücksichtigt werden, dass sie sie in den Fünfziger- und Sechzigerjahren, in denen ihre eigene Nichte weggeschickt wurde, um in aller Heimlichkeit ihr uneheliches Kind zu bekommen, vielleicht verschweigen musste. Swantje Koch-Kanz und Luise F. Pusch gehen in ihrem Beitrag „Die schönsten Äußerungen der Liebe, die ich je gelesen habe“ in Berühmte Frauenpaare genau davon aus.

Rachel und Dorothy leben meist 800 Kilometer voneinander entfernt und können sich nicht räumlich, körperlich nahe sein. Zudem bleibt Dorothy die ganze Zeit mit ihrem Mann Stan verheiratet, und er wird in den Briefwechsel immer wieder einbezogen. Auch Rachels Familie bekommt viel davon zu lesen. Gleichzeitig stecken die beiden Frauen aber immer wieder kleine „Äpfel“ in die Umschläge – Extrabriefe, die nur für die Augen der jeweils anderen gedacht sind. Nur darin nennen sie sich „Darling“, und nach einem Anruf schreibt Rachel einmal: „Brauchtest Du wirklich den Klang meiner Stimme? So sehr, wie ich Deine Stimme brauchte?“ (S. 277) Es sind wirklich zärtliche Worte, die sie austauschen. Und auch, wenn uns alles Nähere nichts angehen mag, so soll diese Beziehung, die für Rachel vielleicht die engste ihres Lebens war, nicht unter den Tisch gekehrt werden.

Quellen:
Swantje Koch-Kanz und Luise F. Pusch: Rachel Carson und Dorothy Freeman. In: Joey Horsley und Luise F. Pusch (Hrsg.): Berühmte Frauenpaare. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2005.
Dieter Steiner: Rachel Carson. Pionierin der Ökologiebewegung. Eine Biographie. oekom, München 2014.

Weitere Bücher über Rachel Carson:
Martha Freeman (Hrsg.): Always, Rachel. The Letters of Rachel Carson and Dorothy Freeman. 1952–1964. An Intimate Portrait of a Remarkable Friendship. Beacon Press, Boston 1995.
Linda Lear: Rachel Carson. Witness for Nature. Mariner Books, Boston 2009.

Bücher von Rachel Carson (zahlreiche deutsche Übersetzungen, teilweise antiquarisch erhältlich):
Under the Sea-Wind. Oxford University Press, New York 1941.
The Sea Around Us. Oxford University Press, New York 1950.
The Edge of the Sea. Houghton Mifflin, Boston 1955.
Silent Spring. Houghton Mifflin Company, Boston 1962.

Links:
Rachel Carson Center for Environment and Society der Uni München

Artwork und Musik: Uwe Sittig

Frauenleben-Hosts: Susanne Popp und Petra Hucke 

Podcast-Website: Frauenleben-Podcast 

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Die erste Universitätsprofessorin Europas inspirierte ihre Zeitgenossinnen und Zeitgenossen. Sie galt als Wunderkind, lehrte später Philosophie und Physik an der Universität von Bologna und ließ trotz Heirat und acht Kindern die Wissenschaft nicht ruhen. Wie sie die an sie gestellten Erwartungen erfüllt und doch ihren ganz eigenen Weg geht, erzählt diese Podcastfolge. 

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Sie sei «die deutsche Bassi» – diese Aussage begegnete mir mehrfach bei meinen Recherchen zu der eigenwilligen Frau Doktor Erxleben, der wir kürzlich schon eine Episode gewidmet haben. Naheliegend also, zu schauen, wer denn bitteschön «die Bassi» war? 

Laura Bassi gilt schon früh als Wunderkind, das von den Eltern herumgezeigt und vorgeführt wurde. Ähnlich wie Mozart, der ja auch von seinem Vater ausgestellt wurde. Ehrgeizige Eltern gehören zu Wunderkindern einfach dazu. Laura muss Rechenkünste vorführen oder wissenschaftlich «disputieren». Ganz entzückt ist man davon, was das Mädchen so alles kann und weiß. 

Abb. von Mailsapartbassimore

Sie lebt in Bologna und ist die einzige Tochter eines Juristen. Eine wohlhabende und angesehene Familie mit Verbindungen zu adligen Kreisen. Die Brüder sind verstorben. Für Mädchen ist keine schulische Ausbildung vorgesehen, daher wird Laura von ihren Cousins zu Hause unterrichtet. 

Laura Bassis Erziehung steht somit in der Tradition eines Kuriosums, welches im Renaissance-Humanismus entstanden war. Das Anliegen des Humanismus, Bildung und Studium in den antiken Sprachen, ihrer Literatur und Kultur zu fördern, ermöglichte nämlich auch einigen ausgewählten Mädchen und Frauen Zugang dazu, üblicherweise durch männliche Familienangehörige, also Brüder oder Väter – eine Parallele übrigens zu Dorothea Erxleben, die von ihrem Vater unterrichtet wurde. 

Die Gesellschaft liebt Wunderkinder

Das Phänomen der Wunderkinder gab es nicht nur in Italien, sondern auch in anderen europäischen Ländern, je jünger, je kurioser. Auch Knaben konnten Wunderkinder sein, doch Mädchen waren eben noch interessanter. Die italienischen Humanistinnen verkörperten zudem eine zweite Eigenschaft, nämlich die der keuschen Jungfräulichkeit. Studium und Heirat schlossen einander normalerweise aus. 

Als Laura Bassi etwa 14 Jahre alt ist, übernimmt es ein gewisser Gaetano Tacconi, Arzt der Familie Bassi und Universitätsprofessor, sie in Logik, Metaphysik und Naturphilosophie zu unterrichten. Er machte sie sehr wahrscheinlich auch mit dem wissenschaftlichen Streitgespräch bekannt. Für Laura Bassi ist dies etwas vollkommen Neues. Zuerst hatte sie die Grundlagen gelernt, um wissenschaftliche Texte überhaupt lesen zu können. Nun lernt sie auch etwas über die Inhalte und sie lernt, aktiv Wissenschaft zu betreiben. Wissenschaft sah damals so aus, dass man über Texte Rede und Gegenrede hielt– das war die Ausdrucksform schlechthin an der Universität und darüber hinaus, denn eine öffentliche Disputation spielte auch allgemein in Bologna eine wichtige Rolle.  

Ein Spektakel – und eine Professur mit 21 Jahren

Im Jahr 1732, sie ist 21 Jahre alt, entsteht um sie ein regelrechter Hype. Sie hält Disputationen in ihrem Elternhaus, wird im März in die Akademie aufgenommen, im April folgt die erste öffentliche Disputation, einen Monat später wird ihr in einer öffentlichen Zeremonie der Doktorgrad verliehen, im Juni gibt es eine weitere öffentliche Disputation, mit der sie sich um einen Philosophie-Lehrstuhl an der Uni bewirbt, den sie Ende Oktober vom Senat bekommt. Im Dezember 1732 hält sie ihre erste Vorlesung. Das Spektakel, das sich um ihre Person vollzieht, hat nicht nur mit der Ehrung einer überragenden jungen Frau zu tun, Bologna feiert sich auch selbst, alle nehmen an der Inszenierung teil. Trotz ihres Ruhms hält sie jedoch nur selten öffentliche Vorlesungen, da sie dafür jedesmal eine Ausnahmegenehmigung vom Senat benötigt. Sie macht sich als Privatgelehrte einen Namen.

Der Anatomiesaal von Bologna aus dem 17. Jahrhundert.
Von Wikipeder

Doch dann heiratet sie und fügt sich somit nicht dem gesellschaftlichen Dogma, welches für sie ein gelehrtes Leben ohne Familie vorgesehen hätte. Ihr Ehemann, der Arzt Giuseppe Verati (1707–1793) ist weit weniger bekannt als sie und noch nicht einmal vermögend, doch weil Laura Bassis Vater bereits tot ist, kann sie über ihre Ehe frei entscheiden. Das Paar bekommt acht Kinder.

Sie hält in ihrem Haus regelmäßig Vorlesungen, ist eine Anhängerin von Isaac Newton, unterstützt die Theorie von Benjamin Franklin zur Elektrizität und installiert zusammen mit ihrem Mann den ersten Blitzableiter Italiens auf dem Dach der Universität von Bologna – der wegen Aberglaubens der Bevölkerung wieder entfernt werden muss. Sie betreibt ein Observatorium in ihrem Landhaus und veröffentlicht Arbeiten zur Hydromechanik. Als im Jahr 1772, da ist sie 61 Jahre alt, eine Physikprofessur frei wird, bietet man diese zuerst ihrem Mann an, als dieser ablehnt, nimmt sie die Stelle an. 1778 stirbt sie mit 66 Jahren an einem Herzinfarkt. 

Münzkabinett, staatliche Museen zu Berlin, Silbermedaille von 1732
Münzkabinett, staatliche Museen zu Berlin, Silbermedaille von 1732

Rezeption von Laura Bassi 

Ein Wort noch zur Rezeptionsgeschichte Laura Bassis. Männer, die sich über sie geäußert haben, betonten sehr oft ihre Bescheidenheit. Man fand, dass Laura Bassi selbst gut daran tat, ihre eigenen Fähigkeiten und Leistungen für gering zu erachten, und man lobte sie ausdrücklich dafür. 

In Texten von Frauen über oder an Bassi hingegen, findet sich kein einziges Lob für Bescheidenheit, für häusliche oder charakterliche Tugenden, wie bei den Männern. Vielmehr wird Bassi als «Glorie unseres Geschlechts» gesehen und verehrt, ihre wissenschaftlichen Errungenschaften, ihre Begabungen und ihr Fleiß werden gepriesen. Es zeigt sich, dass sie als Rollenvorbild für andere gelehrte Frauen in Bologna wahrgenommen wurde und dass sich diese auch Jahrzehnte später noch auf sie beriefen. 

Christiana Mariana von Ziegler (1695-1760) eine deutsche Schriftstellerin, die in Leipzig lebte und einen literarischen Salon unterhielt, verfasste anlässlich des Todes von Laura Bassi ein Gedicht. Hier ein Auszug: 

Als die gelehrte Laura Maria Catharina Bassi in Bologna den Doctorhuth erhielt.

(…) 

Denkt nicht, als müste Pallas nur
Vor Männer Ehrenkleider weben.
Meynt ihr, euch hätte die Natur
Das Recht darzu allein gegeben?
Ach weit gefehlt. Wisst ihr denn nicht,
Was Seneca von Weibern spricht?
Der kann euch euren Stolz benehmen.
Befragt nur diesen weisen Greis,
Ob nicht ein Frauenzimmer weis
Die Männer vielmals zu beschämen?

Ja wohl, sie haben nichts voraus:
Was fänden wir denn zu beneiden?
Der Körper nur, das Seelenhaus,
Kann uns von ihnen unterscheiden;
Sagt, wie viel Sinne habet ihr?
Zählt sie nur selbst: Nicht mehr, als wir.
Wohnt Witz in einer Männer Stirne,
So hat auch dieser Satz sein Recht:
Es steckt dem weiblichen Geschlecht
Kein Spinngeweb in dem Gehirne.

(…) 

Quelle: 

Beate Ceranski: Und sie fürchtet sich vor niemandem. Die Physikerin Laura Bassi. Campus-Verlag, 1996

Das Gedicht von Christiana Mariana von Ziegler über Laura Bassi bei zeno.org

Weiterführender Link:

In der Datenbank fembio.org gibit es einen langen Artikel zu Laura Bassi und ihrem Leben 

Artwork und Musik: Uwe Sittig

Frauenleben-Hosts: Susanne Popp und Petra Hucke 

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Sie gründete eine eigene politische Partei, um sich zur Präsidentschaftskandidatin der USA aufstellen zu lassen, sie sagte einem Eisenbahnbaron die Aktienkurse voraus und trat für Frauenrechte, aber nicht unbedingt für die Frauenwahl ein. Victoria Woodhull kam aus schlechten Verhältnissen und legte sich mit mächtigen Männern an.

***

Frühling in England, Mitte der 1920er Jahre. Eine lange, von Bäumen gesäumte Auffahrt, Blütenblätter schweben durch die Luft. Die Musik schwillt an, als ein Ford Modell A den knirschenden Kiesweg hinauffährt, am Steuer eine betagte Dame mit weißen Haaren und einem im Fahrtwind flatternden Schal. Neben ihr ein junger Mann, ein Journalist, mit Notizblock auf dem Schoß, der sich auf dem Sitz zusammenkauert, als die Fahrerin noch einmal beschleunigt, bevor sie auf dem Hof des Herrenhauses zum Stehen kommen. Die Tür öffnet sich, ein Butler tritt heraus.

Nein, das ist keine Szene aus Downton Abbey, sondern eine aus einem ungeschriebenen Film, der in meinem Kopf läuft, wenn ich mir die späten Jahre der US-Amerikanerin Victoria Woodhull vorstelle. (Und ich weiß, Schals in offenen Automobilen sind gefährlich, fragt ruhig mal Isadora Duncan.)

Als Kind hätte sie sich solch einen Lebensabend wohl nicht vorgestellt. Die Familie Claflin war bitterarm, ihre Mutter umarmte Bäume, ihr Vater war ein Gauner und Betrüger, der in ganz schlechten Zeiten seine Töchter als Wahrsagerinnen oder zur Prostitution anbot.

So wusste Victoria früh, dass sie ausbrechen muss. Sie wurde Geschäftsfrau, Journalistin und Herausgeberin, Börsenmaklerin und Frauenrechtlerin, mischte die New Yorker Politik auf und erklärte sich zur ersten Präsidentschaftskandidatin. Zwischendurch heiratete sie zweimal, bekam zwei Kinder, propagierte die freie Liebe, wurde eingesperrt und freigelassen, scheffelte Geld und verlor es wieder.

Es ist ein wunderbar skandalöses, wildes Leben, von dem wir euch in dieser Folge erzählen. In Überlänge.

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PS: Ein Fehlerchen hat sich eingeschlichen. Cornelius Vanderbilt ist nicht „schon Mitte vierzig“, sondern „schon Mitte siebzig“.

Noch ein PS: Den empfehlenswerten Podcast hart aber fail von Juli und Julia, Kulturwissenschaftlerinnen und Schauspielerinnen, findet ihr unter anderem bei Spotify. Die beiden reden mit ihren Gästen übers Scheitern, feiern ganz bewusst die Dinge, die nicht geklappt haben, und ermuntern dadurch zu mehr Gelassenheit im Alltag.

Quelle:

Antje Schrupp: Vote for Victoria! Das wilde Leben von Amerikas erster Präsidentschaftskandidatin Victoria Woodhull (1838–1927), Ulrike Helmer Verlag, Sulzbach/Taunus 2016.

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Die «Grande Dame de la Champagne», Veuve Clicquot-Ponsardin, war eine erfolgreiche Unternehmerin und wurde für ihre Innovation in der Champagner-Herstellung bekannt. Ihr Erbe steckt weltweit in jedem Schaumwein, der nach der Methode der Flaschengärung hergestellt wird.

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Es gibt kein Gemälde, welches die junge oder gar jugendliche Barbe-Nicole Clicquot-Ponsardin zeigt. Es gibt nur Porträts von ihr als alte Dame. Dort präsentiert sie sich stolz als die berühmte «Grande Dame de la Champagne», schon zu Lebzeiten ein Mythos. 

Einer Romanschriftstellerin verschaffen solche und andere Lücken kreativen Spielraum. Es gibt Hinweise auf ihre Augenfarbe, ihre Größe oder Haarfarbe – und schon erscheint die Person vor dem inneren Auge. Ihr Charakter lässt sich aus dem Lebenswerk rekonstruieren. Das Privatleben entsteht rund um die bekannten historischen Daten. 

Da sind zum Beispiel die zahlreichen jungen Männer, die in ihrem Leben eine Rolle spielen. Monsieur Kessler, der später selbst eine Sektkellerei gründet, beginnt mit gerade einmal zwanzig Jahren bei ihr zu arbeiten. Monsieur Werlé, der im Roman noch keinen Auftritt hat, kommt etwa fünfzehn Jahre später als Praktikant zu ihr in die Firma, um sein Französisch aufzubessern, und wird schnell ihr Favorit und später ihr Nachfolger. Ich möchte Madame nichts unterstellen – sondern einfach nur annehmen, dass sie noch andere Dinge im Kopf hatte als ihre Arbeit. 

Portrait de Madame Clicquot par Cogniet (1794-1880).
Huile sur toile (129,5 cm X99,3 cm), peinte entre 1851 et 1861.

Dabei stand die Arbeit ganz ohne Frage im Mittelpunkt ihres Lebens, denn Madame Clicquot war ehrgeizig bis hin zur Besessenheit. Früh erkannte sie, was die Kunden im fernen Zarenreich von ihr erwarteten – und sie ruhte nicht, bis sie zuverlässig den für russische Gaumen perfekten Champagner liefern konnte. Als ihre Konkurrenten am Ende der napoleonischen Ära noch zögerten, charterte sie bereits ein Schiff, um ihren Wein nach Russland zu transportieren – und zwar ohne zu wissen, ob er dort überhaupt gehandelt werden durfte. Sie erfand die Remuage, und während der Wein der übrigen Produzenten immer noch unansehnlich trübe war, da war der Champagner von Veuve Clicquot bereits glasklar und sprudelnd.

Anonymes Gemälde aus dem Bildband von Frédérique Crestin-Billet. Das Etikett ist weiß – auch diese Variante gab es (für demi-sec), wesentlich häufiger war jedoch auch damals das orangenfabene Etikett.

Diese Liste ließe sich noch lange fortsetzen. Seien es die Brandzeichen auf den Korken, die perfekte Flaschenform, die Wahl der Farbe und des Schriftzugs für die Etiketten – absolut nichts überließ Madame Clicquot dem Zufall, davon zeugt ein umfassender Schriftverkehr. Ihre Risikobereitschaft brachte ihr Unternehmen auch das eine oder andere Mal in Gefahr, doch da sie sich mit zuverlässigen und charakterstarken Mitarbeitern umgeben hatte, bewältigten sie diese Krisen gemeinsam und gingen gestärkt daraus hervor. 

Mehr über das inspirierende Leben dieser beeindruckenden Unternehmerin und die spannenden historischen Hintergründe des Champagners und des Romans erzählen wir euch in dieser Podcast-Episode. 

Foto: Susanne Popp ℅ Veuve Clicquot, Reims

Quellen: 

Tilar J. Mazzeo: Veuve Clicquot. Die Geschichte eines Champagner-Imperiums und der Frau, die es regierte. Hoffmann & Campe 2009 

Frédérique Crestin-Billet: Veuve Clicquot. La Grande Dame de La Champagne. Glénat, 1992. 

Das Leben der Veuve Clicquot stellt die historische Vorlage dar für den Roman von Susanne Popp: Madame Clicquot und das Glück der Champagne, Rowohlt, 2020 (zum Beispiel bei Amazon erhältlich)

Artwork und Musik: Uwe Sittig

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Die britische Mathematikerin Ada Lovelace hat zwar auch einen berühmten Vater – sie ist aber vor allem dadurch bekannt geworden, dass sie ein Computer-Programm schrieb, obwohl Computer noch gar nicht erfunden waren.

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Eine zarte Dame mit rosaweißer Haut, spitzer Nase und spitzem Kinn, gekleidet in kostbar schimmernde Seide. Gleich einer Marmorbüste ragen Kopf, Hals und Schultern aus dem Dekolletee, das dennoch züchtig wirkt. Die Keulenärmel betonen die schmale Taille. Ein Kleid für einen offiziellen Anlass. Nicht einmal zum Tanzen scheint es recht zu taugen, die rote Schleppe würde dabei stören. Entstanden ist das Bild 1836, da war Ada seit einem Jahr verheiratet. Wohin ihr Blick wohl gerichtet ist? Vielleicht schaut sie hoffnungsvoll in Richtung Zukunft, nachdem sie durch die Hochzeit mit Baron William King, dem späteren Earl of Lovelace der Erziehungshölle ihrer Mutter Lady Annabelle Byron entkommen ist. 

Ada Lovelaces Persönlichkeit ist so schimmernd und schillernd wie das Kleid auf diesem Bild. Ihr Leben verlief tragisch. In eine privilegierte Stellung hineingeboren, war es ihr dennoch nicht vergönnt, ihre Gaben, Talente und ihre Fantasie zur Gänze zu nutzen und auszuleben. Vielmehr glänzen sie nur hier und da hervor, etwa als sie mit zwölf Jahren ein paar Flügel ersinnt, die in Verbindung mit einer Dampfmaschine den Menschen vom Boden abheben lassen sollen. Oder als sie jenen Aufsatz über die Difference Engine von Charles Babbage schreibt und publiziert, der sie im Nachhinein zu einer Berühmtheit macht. Posthum wohlgemerkt, denn damals hat kaum jemand ihre Vision verstanden. Zu ihren Lebzeiten überstrahlen ihre Biografie und ihr Lebenswandel ihr Werk. 

Einsame Tochter eines Popstars

Sie war die Tochter des großen englischen Dichters der Romantik Lord Byron. Die kurze Ehe der Eltern verlief ausgesprochen unglücklich. Mutter Anne Isabella (Annabella) trennt sich direkt nach Adas Geburt von ihrem Ehemann, den sie für geisteskrank hält, und lässt sich scheiden, was ihr aufgrund des nachweislich unmoralischen Lebenswandels ihres Ehemannes gestattet wird. Die Zeitgenossen verzeihen dem Dichtergenie. Byron wird trotz seiner Verfehlungen verehrt und gefeiert wie ein Popstar. Die kleine Ada bekommt davon nichts mit, die Mutter hält sie fern vom Vater, es darf nicht über ihn gesprochen werden, seine Werke haben Hausverbot und jede Beschäftigung, welche die Emotionen oder die Fantasie anregen könnte, ist dem Kind streng untersagt. Nachdem die dem Kind liebevoll zugewandte Großmutter gestorben ist, wird die inzwischen Siebenjährige nur noch von Gouvernanten und Hauslehrern erzogen. Die rastlose Mutter hält es nie lange zu Hause. Sie ist viel unterwegs, eine hoch gebildete, angesehene Dame der Gesellschaft, die sich mit der Gründung von Schulen für Unterprivilegierte hervortut. Für Ada ersinnt sie ein rigides Erziehungssystem. Unterrichtsstoffe sind Mathematik, Naturwissenschaften und moralische Fragen – Schöngeistiges bleibt außen vor. Auch allzu Kreatives ist nicht gewünscht, die Beschäftigung mit der erwähnten Flugmaschine wird dem Kind sehr bald verboten. Eine Liebelei mit dem Hauslehrer ein paar Jahre später wird entdeckt und streng bestraft. Ada wird sehr krank, überhaupt hat sie eine labile Gesundheit.

Eine Erfindung aus der Zukunft

Einigermaßen genesen, lernt sie bei einer Vorführung in London Charles Babbage kennen, vierundzwanzig Jahre älter als Ada. Er ist ein genialischer wenn auch mäßig erfolgreicher Erfinder, Tüftler und Ingenieur. Sein Eigensinn und seine Wankelmütigkeit hindern ihn immer wieder daran, sein Talent in bare Münze umzusetzen. Die Difference Engine, eine Rechenmaschine, die automatisierte Rechenoperationen durchführt, wie sie vor allem für die Berechnung von aufwendigen Tabellen benötigt werden (Tabellen finden beispielsweise in der Schifffahrt oder im Versicherungswesen Verwendung), führt das ungleiche Paar zusammen. Ada ist fasziniert, die mechanischen Puppen im Nebenzimmer interessieren die Siebzehnjährige kein bisschen. Sie will verstehen, wie dieses mechanische Wunderding, bei dem es sich um ein Demonstrationsmodell der Rechenmaschine handelt, funktioniert, und sie will von dem Erfinder alles darüber erfahren. Ein reger Briefwechsel beginnt und eine Freundschaft zu beiderseitigem Nutzen entsteht. Adas Verstand bekommt Futter und Anregungen und Charles Babbage erhofft sich vom Kontakt in adlige Kreise eine Förderung seiner Arbeit. Er plant nämlich schon den nächsten Apparat, dessen Fähigkeiten diejenigen der Difference Engine weit übertreffen sollen: Die Analytical Engine, eine Maschine die mit Lochkarten gesteuert wird und mit der sich weit komplexere Berechnungen durchführen lassen.

Doch leider erweisen sich seine Pläne als undurchführbar. Die Analytical Engine sollte, so Babbages Plan, von einer Dampfmaschine angetrieben werden, aus 55‘000 Teilen bestehen, neunzehn Meter lang und drei Meter hoch sein. Eine solch komplexe und riesige Maschine, die ein Vorläufer eines Computers gewesen wäre, ließ sich nicht bauen. Die theoretischen Ausführungen dazu erweisen sich jedoch (auch im Nachhinein, also aus heutiger Sicht) als absolut korrekt, und Lady Ada Lovelace gehört zu den Zeitgenossen, die in der Lage sind, Babbages Erfindung zu begreifen. 

Sie übersetzt einen wissenschaftlichen Artikel zur Maschine aus dem Französischen ins Englische und fügt einen Anhang bei, dessen Umfang den ursprünglichen Aufsatz um das Dreifache übersteigt. Darin hält sie unter anderem Handlungsanweisungen für die Maschine zur Berechnung von Bernouillizahlen fest und schreibt somit das erste Programm. Außerdem betont sie die Universalität der Maschine, mit der sich nicht nur Berechnungen mit Zahlen durchführen ließen, sondern mit der man auch mit anderen Dingen operieren könnte, deren Relationen sich mit den Methoden der exakten Wissenschaft beschreiben ließen. Als Beispiel nennt sie Musikstücke von beliebiger Komplexität und Länge. Charles Babbage lässt sich das gerne gefallen, jede Publikation dient der dringend benötigten Publicity. Auch Adas Selbstbewusstsein stört ihn nicht, als sie ihm schreibt: «Ich denke nicht, dass Sie auch nur die Hälfte meiner Vorausahnung besitzen und meines Vermögens, alle möglichen Eventualitäten zu sehen.»

Die Arbeit an diesem Aufsatz, der schließlich anonym und nur mit ihrem Namenskürzel A.A.L. versehen, veröffentlicht wird, bietet Lady Ada Lovelace für ein paar Monate Beschäftigung und geistige Nahrung. Ihr Leben verändert sich dadurch nicht. Sie fängt danach kein ähnliches Projekt mehr an und publiziert auch nichts mehr. Stattdessen beginnt sich, sich mit Pferdewetten abzulenken, eine fatale Entscheidung, die sie viel Geld kostet und in Schulden stürzt. Sie lebt sich mit ihrem Ehemann auseinander, das Ehepaar wohnt fortan die meiste Zeit getrennt. Wieder macht ihr ihre labile Gesundheit zu schaffen. Gegen die Schmerzen nimmt sie Opium, gegen Schlaflosigkeit und Nervosität Laudanum, sie kombiniert beides aber auch mit Wein und Chloroform. Eine Drogenabhängigkeit ist die Folge. Dann wird bei ihr Gebärmutterkrebs diagnostiziert und eine lange Leidensphase beginnt. In ihren letzten Tagen ist ihre Mutter bei ihr, die ohne Unterlass an ihrem Bett wacht und die Gelegenheit nutzt, ihrer Tochter wieder einmal ins Gewissen zu reden. Alle möglichen Verfehlungen soll Ada eingestehen und den Allmächtigen dafür um Verzeihung bitten, darunter mindestens ein Seitensprung, für den sie auch ihren Ehemann und Vergebung bittet, sowie die Verpfändung des Familienschmucks. 

Lady Ada Lovelace stirbt im November 1852 kurz vor ihrem 37. Geburtstag und wird auf ihren Wunsch hin neben ihrem Vater Lord Byron bestattet.

Kontakt

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Quellen und Literaturhinweise:

Sybille Krämer (Hg.) Ada Lovelace. Die Pionierin der Computertechnik und ihre Nachfolgerinnen (Verlag Wilhelm Fink, 2015) 

Benjamin Woolley. Byrons Tochter, Ada Lovelace – Die Poetin der Mathematik, (Aufbau Taschenbuch, 2005)

Der Artikel von Ada Lovelace wurde veröffentlicht in Richard Taylor‘s Scientific Memoir, eine Zeitschrift, die kurz zuvor gegründet worden war, speziell um fremdsprachige Veröffentlichungen einem englischsprachigen Publikum in Übersetzung zur Verfügung zu stellen. Wer sich vertiefend damit befassen will kann hier weiterlesen: http://www.yorku.ca/christo/papers/Babbage-CogSci.htm

Der Autor des Ursprungsartikels, den Ada übersetzt hat, hieß Luigi Frederico Menabrea (1809-1896). Er erschien zuerst auf Französisch im Schweizer Journal Bibliothèque Universelle de Genève

The Thrilling Adventures of Lovelace und Babbage – so lautet der Titel eines wunderbaren Comics, herrlich gezeichnet aber auch sehr informativ, da mit zahlreichen Literaturhinweisen und Quellenangaben versehen. Von Sydney Padua, Penguin Books, 2015