Hypatia war eine griechische Mathematikerin, Astronomin und Philosophin in Alexandria – damals das kulturelle Zentrum der Welt, der Ort, an dem sich die Elite der griechischen Intellektuellen und Wissenschaftler versammelte. Im Alter von 60 Jahren wurde sie von Christen grausam ermordet. Ihr Tod wurde zum Symbol für das Ende des römischen Imperiums und den Beginn des christlichen Zeitalters.

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Frauen als Wissenschaftlerinnen und Lehrerinnen waren zur damaligen Zeit keinesfalls die Regel, und somit muss auch Hypatias Lebensweg als ungewöhnlich gelten. Zwar war für Frauen der Oberschicht eine formale Bildung vorgesehen, eine wissenschaftliche Karriere stand ihnen normalerweise trotzdem nicht offen.

Hypatias Vater Theon lehrte am Museion, einer wissenschaftlichen Akademie, und er ließ seiner Tochter die beste Bildung angedeihen. Wahrscheinlich arbeitete sie eng mit ihm zusammen. Sie beschäftigte sich unter anderem mit Algebra und Berechnungen zu Kegelschnitten. Doch ihren herausragenden Ruf erwarb sie sich unter ihren Zeitgenossen vor allem mit ihrer philosophischen Tätigkeit. Sie gilt als Neu-Platonikerin und analysierte in ihren Vorlesungen die Werke der bedeutenden Denker der Antike. Unter ihren Studenten befanden sich Christen, Juden und Heiden. Einer ihrer Schüler schrieb über sie:

»Im Philosophentalar zog sie durch die Innenstadt und sprach für alle, die zuhören wollten, öffentlich über die Lehren des Platon oder des Aristoteles oder irgendeines anderen Philosophen […] Die Magistraten pflegten für die Verwaltung der Staatsgeschäfte zuerst ihren Rat einzuholen.«

Als politische Ratgeberin geriet sie schließlich zwischen die Mühlen der Machthaber und wurde von fanatischen Christen grausam ermordet. 

Die Quellenlage zu Hypatia von Alexandria ist schwierig, wenige Überlieferungen gelten als gesichert, weshalb ihr Leben und ihr Tod schon seit Jahrhunderten Anlass für Spekulationen gibt. 

Rachel Weisz in der Rolle der Hypatia.
Original image by Focus Features, Newmarket Films, Telecinco Cinema.
Copyright, fair use

Für diese Episode verwendete Literatur 

Hypatia, The Life and Legend of an Ancient Philosopher, Edward J. Watts, Oxford University Press 2017

Hypatias Töchter. Der verleugnete Anteil der Frauen in der Naturwissenschaft, Margaret Alic, deutsche Ausgabe Unionsverlag 1987. 

Der erwähnte Film: Agora – Die Säulen des Himmels. Regie Alejandro Amenábar

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Artwork und Musik: Uwe Sittig

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Geboren wurde sie als Eva De la Gardie, am 10. Juli 1724 in Stockholm. Ihre Familie war adlig, sie hatte fünf Geschwister und heiratete mit 16 Jahren den Politiker und Grafen Claes Claesson Ekeblad, mit…

Bertha Pappenheim war Frauenrechtlerin, sprach sich aber gegen Frauenwahlrecht und Abtreibung aus. Sie war Sozialaktivistin, sprach sich aber dagegen aus, dass Menschen für Sozialarbeit bezahlt wurden. Sie übersetzte A Vindication of the Rights of Woman von Mary Wollstonecraft sowie die Memoiren von Glikl bas Judah Leib. Außerdem war sie Anna O. – die junge Frau hinter Sigmund Freuds psychoanalytischer Fallstudie zur sogenannten Hysterie, der Modekrankheit des 19. Jahrhunderts.

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Bertha Pappenheim selbst sprach in in ihrem späteren Leben nie mehr über ihre Erfahrungen mit ihrem Dr. Josef Breuer und seiner Psychoanalyse (die er noch nicht so nannte). Doch auch die modernen Biografien, in denen die Autorinnen behaupten, man solle Bertha Pappenheims spätere soziale Arbeit viel stärker betonen als die wenigen Jahre ihrer Krankheit, nehmen bereits in ihren Titeln immer wieder darauf Bezug. Das leicht Skandalöse, Dramatische dahinter zieht. Und so – shame on us – reden auch wir in dieser Folge darüber …

Bertha Pappenheim während ihres Aufenthalts im Sanatorium Bellevue 1882
Fotograf unbekannt, Quelle: Wikipedia

Bertha Pappenheim, die bereits früh schneeweiße Haare bekam, heiratete nie, sondern konzentrierte sich als Erwachsene auf Wohltätigkeitsarbeit. So erzählen wir auch von ihrer Zeit in Frankfurt am Main und der Gründung eines Waisenhauses für jüdische Mädchen und Frauen in Neu-Isenburg sowie von ihren Tätigkeiten im Jüdischen Frauenbund und ihren Reisen durch Osteuropa, wo sie sich Kinderheime und Bordelle ansah. Sie sprach mit Politik, Polizei und sogar einer Königin. Ihr großes Ziel war es, dass die armen, ungebildeten jüdischen Familien dort nicht mehr auf Menschenhändler hereinfielen, die den Frauen und Mädchen das Blaue vom Himmel – genauer: Arbeit und Auskommen versprachen, um sie in Deutschland als Prostituierte zu verkaufen.

Wie es vielen Menschen geht, die ihrem Leben einer solchen Aufgabe verschreiben, hatte Bertha Pappenheim oft Angst, niemals genug tun zu können. Doch viele ihrer Mitstreiter*innen und „Geretteten“ haben sie stets verehrt.

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Ergänzungen:

Susanne fragte nach Bertha Pappenheims Bruder. Wilhelm hieß er. Gefunden habe ich nur, dass sie gemeinsam beim Erforschen ihres Stammbaums herausgefunden haben, dass sie mit Glikl verwandt sind. Also hatten die beiden auf jeden Fall im Erwachsenenalter noch Kontakt.

Das erwähnte Buch von Irvin D. Yalom heißt Und Nietzsche weinte. (Und ja, einen Film gibt es davon auch!) Empfehlen kann ich allen, die sich für Psychoanalyse und -therapie interessieren, außerdem Yaloms Memoiren Wie man wird, was man ist. Und, wenn wir grad beim Thema sind: Vielleicht solltest du mal mit jemandem darüber reden von Lori Gottlieb.

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Quelle:
Marianne Brentzel: Sigmund Freuds Anna O. Das Leben der Bertha Pappenheim. Biografie, Reclam Verlag, Leipzig 2004.

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