Nach einem Leben im Dienste der Sozialarbeit gründete Deutschlands erste First Lady in den 1950ern das Deutsche Müttergenesungswerk. Denn Elly Heuss-Knapp war überzeugt: Nur wenn es der viel beschäftigten, der oft überlasteten Mutter gut geht, geht es der Familie gut.

Kindheit im Elsass
Geboren wird sie in Straßburg am 25. Januar 1881 als Elisabeth Eleonore Anna Justine Knapp. Der Deutsch-Französische Krieg ist erst zehn Jahre her, und erst seitdem gehört Elsass-Lothringen mit seinen überwiegend deutschsprachigen Einwohner:innen zum Deutschen Kaiserreich.
Ihr Urgroßvater war Pionier für die Limes-Forschung; und Justus von Liebig war der Schwager ihres Großvaters. Sie stammt somit aus einer der typischen bürgerlichen, akademischen, „alt-deutschen“ Familien, die man oft schon von Weitem auf der Straße von den Elsässer:innen unterscheiden konnte: Sie waren anders angezogen, hatte andere Sitten, sprachen Hochdeutsch statt Dialekt. Die beiden Bevölkerungsgruppen verkehrten nicht viel untereinander.
Von Elly Knapp als „höherer Tochter“ erwartet die Gesellschaft eine gute Ehe und höchstens ein paar wohltätige Aktivitäten. Doch ihr Vater ist glücklicherweise offen für mehr. Georg Friedrich Knapp ist Professor für Nationalökonomie an der Kaiser-Wilhelm-Universität und wird später deren Rektor.
Die Mutter Lydia von Karganow stammt aus einem kaukasischen Adelsgeschlecht und ist nicht lange für Elly und deren ältere Schwester Marianne da: Ab 1886 verbringt sie wegen psychischer Beschwerden die meiste Zeit in Sanatorien, Kurhäusern und Krankenhäusern –
unsere Mutter, so liebenswürdig und begabt sie war – sie sprach sieben Sprachen –, schied fast völlig aus der Erziehung aus. Sie war viel krank und jahrelang nicht bei uns im Hause. Wenn es ihr gut ging, spielte sie stundenlang Klavier. Ich habe bis heute eine Abneigung gegen dieses Instrument …, weil wir so oft, während sie virtuos spielte, mit irgendeinem Wunsch kamen und unser Ruf gar nicht gehört wurde.
Heuss-Knapp, S. 21
Als viermonatiger Säugling wird Elly deshalb für anderthalb Jahre zu den Großeltern väterlicherseits gebracht. Es entwickelt sich eine große Liebe zwischen ihr und dem Großvater, die ihr Leben lang bestehen bleibt. Sie schreiben sich Briefe und besuchen sich oft. Auch die Großmutter und Zwillingsschwester der Vaters („Tante Lelle“ oder „Mamli“ genannt) sind wichtige Bezugspersonen für sie.
Außerdem ist da Lotte Jürgens, die „gute Seele“ des Hauses Knapp, eine Art Ersatzmutter für Elly und später Patin ihres Sohnes. Die beiden Mädchen lernen viel durch Diskussionen mit ihrem Vater, der speziell auf ihre Begabungen eingeht: Mit Marianne spricht er über naturwissenschaftliche Themen, während Elly vor allem geisteswissenschaftlich interessiert ist.
Körperliche Nähe gibt es nicht in der Familie Knapp nicht. Dafür sind sie sehr religiös. Elly Heuss-Knapps evangelischer Glaube ist den Großteil ihres Lebens ihre Motivation, ihr Antriebsmoment.
Jugend und Ausbildung
Elly geht auf eine Privatschule, ist aber keine besonders gute Schülerin, weil sie sich nicht anstrengt, wenn sie etwas nicht interessiert. Dennoch unterrichtet sie schon mit 14 Jahren in der Sonntagsschule eines Knabenhorts: Sie liebt es, die biblischen Geschichten zu erzählen.
Später gründet sie mit Freund:innen einen Radelclub. Die Jugendlichen – Mädchen und Jungen gemeinsam – fahren mit den Fahrrädern in die Natur und diskutieren über verschiedenste Themen. Ein Vorläufer zu den später so beliebten Jugendbewegungen.
Dabei sind ihre gleichaltrige Freundin Helene Bresslau und deren späterer Ehemann Albert Schweitzer, dessen Intellekt sie alle sehr bewundern: „Später schrieb ich ihm einmal, daß ich ihn immer erst zehn Jahre hintennach halbwegs verstehen kann, in allem, was er tut und was er schreibt.“ (Heuss-Knapp, S. 65)
Elly Knapp besucht ein Lehrerinnenseminar und sagt danach: „Nun hatte ich also in so jungen Jahren eine Berufsausbildung und den dringenden Wunsch, einen Platz in der Welt zu finden, wo man meine Arbeit brauchte, um die Schäden dieser Welt endlich in Ordnung zu bringen!“ (Heuss-Knapp, S. 41) Sie gründet 1899 eine kleine Grundschule und drei Jahre später eine Fortbildungsschule für ältere Mädchen, wo sie selbst Bürgerkunde unterrichtet.
Große Verehrung hat sie für den sozialliberaler Politiker und evangelischen Theologen Friedrich Naumann, den sie durch das Netzwerk ihres Vaters persönlich kennenlernt. Naumann ist deutlich älter und erscheint ihr sehr weise:
Ich kann nicht beschreiben, wie stark der Eindruck war. Er verursachte die zweite schlaflose Nacht meines Lebens, die erste hatte ich als Kind erlebt, als ich zum erstenmal die „Jungfrau von Orleans“ sah und mir in der Nacht vornahm, wenn die deutsche Sprache etwas so Herrliches sein könne, so wollte ich von heute an gutes Deutsch sprechen.
Heuss-Knapp, S. 73/74
Im Jahr 1905 studiert Elly Knapp in Freiburg und Berlin Volkswirtschaftslehre. Offiziell eingeschrieben ist sie an beiden Universitäten nicht, weil Frauen dort noch nicht studieren dürfen. Währenddessen lernt sie Alice Salomon und andere Frauenaktivistinnen kennen, merkt aber, dass „die Frauenbewegung“ nichts für sie ist: Die Frauen seien alle unverheiratet und kinderlos und engagierten sich für nichts anderes als das Frauenwahlrecht, das ihnen das wichtigste Ziel sei. Elly Knapp sieht ihre Zukunft anders.
Sozialarbeit in Straßburg
Die Industrialisierung in Deutschland schreitet voran, aber der Sozialstaat kommt nicht nach. Zwischen 1883 und 1889 treten endlich die drei grundlegenden Säulen der Sozialversicherungsgesetze in Kraft: Unfallversicherung, Krankenversicherung, Invaliditäts-/Altersversicherung. Die Leistungen sind noch sehr bescheiden und gelten erst einmal nur für männliche Arbeiter.
Im Jahr 1891 wird das Arbeiterschutzgesetz verabschiedet mit einem Verbot von Sonn- und Feiertagsarbeit sowie von Fabrikarbeit für Kinder unter vierzehn. Die tägliche Höchstarbeitszeit wird begrenzt, der Betriebsschutz gestärkt, regelmäßige Fabrikinspektionen werden durchgesetzt.
In Straßburg wird ein neues Pflegesystem entwickelt und als vorbildliches Straßburger System bekannt. Dabei werden die Aufgaben zwischen ehrenamtlichen und hauptberuflichen Armenpfleger:innen aufgeteilt, je nach Schweregrad und Situation. Elly Knapp begrüßt diese Entwicklung, will aber die Wohltätigkeit keinesfalls abschaffen, denn ein Ehrenamt ist für Frauen oft immer noch die einzige Möglichkeit, sich zu engagieren. Auch hier ist ihr nicht an einer Systemänderung gelegen.
Sie schreibt Artikel zum Thema, die in Zeitschriften wie „Soziale Praxis. Zentralblatt für Sozialpolitik“ veröffentlicht werden. Naumann agiert als ihr Mentor und veröffentlicht ihre Abhandlungen auch in seiner eigenen Zeitschrift. Sie arbeitet in diversen Kommissionen mit und hält bald deutschlandweit Vorträge, die gut ankommen. Im Jahr 1910 veröffentlicht sie ein Buch mit dem Titel Bürgerkunde und Volkswirtschaftslehre für Frauen.
In Berlin hilft sie bei der Organisation der Ausstellung „Die Frau in Haus und Beruf“ sowie einer weiteren zum Thema Heimarbeit, bei der Frauen ausgebeutet werden:
Ganz Deutschland wurde damals überrascht von der Enthüllung der Not, der schlechten Lähne, der langen Arbeitszeit, der Ausbeutung der Kinder. Die ausgestellten Fabrikate trugen keine Preise, sondern Angaben über Arbeitszeit und Lohn. Die Gewerkschaften aller Richtungen waren die Aussteller.
Heuss-Knapp, S. 77
Ehe und Sohn
Über ihren Radelclub lernt Elly Knapp den schüchternen Studenten Theodor Heuss kennen, und 1908 heiraten sie schließlich. Die Traurede hält Albert Schweitzer: „Das hohe Glück in diesem Augenblick ist nicht daß zwei Menschen sich innerlich geloben: wir wollen füreinander leben, sondern daß dies in ihren Gedanken zugleich bedeutet: wir wollen miteinander für etwas leben.“ (Heuss-Knapp, S. 88)
In den Monaten vorher hat Elly Heuss-Knapp kochen gelernt, was sie im Professorenhaushalt des Vaters nie musste. Sie stellen aber auch ein junges Mädchen ein. Theodor legt wenig Wert auf Repräsentation und Luxus, und so müssen sie sich noch ein wenig zurechtruckeln.
Die Eheleute ziehen wegen Theodor Heuss’ journalistischen Aspirationen nach Berlin, und auch wenn es Elly Heuss-Knapp schwerfällt, ihren Vater und ihre Schwester zu verlassen, fühlt sie sich in der Großstadt, die sie ja bereits kennt, schnell wieder wohl. Sie unterrichtet, bis sie 1910 ihren Sohn Ernst Ludwig bekommt. Die Geburt ist schwierig und führt zu einer Herzkrankheit, wegen der Elly Heuss-Knapp immer wieder auf Kur geschickt wird.
Da sie selbst so früh zu ihren Großeltern gegeben wurde, sagt sie: „Deshalb würde ich nie ein Kind weggeben und habe meinen eigenen Jungen in den ersten zwei Jahren keinem fremden Menschen anvertraut.“ (Heuss-Knapp, S. 24) Nach mehreren Fehlgeburten bleibt es bei einem Kind.
Schon 1912 geht es weiter nach Heilbronn, wo Theodor Heuss Chefredakteur der Neckar-Zeitung werden soll. Ein Freund rät ihm, das sei seine Chance, in der kleineren Stadt wirklich wichtig zu werden, statt in Berlin einer von vielen Intellektuellen zu bleiben. Elly Heuss-Knapp will lieber in Berlin bleiben, aber wieder ist sein Beruf wichtiger als ihr Einwand.
Erster Weltkrieg
Elly Heuss-Knapp bricht bei Kriegsbeginn nicht in Jubel aus. Wie viele Elsässer:innen mit ihrer engen Bindung an Frankreich sieht ihn einfach als die große Katastrophe, die er ist. Ob des großen Leids verliert Elly Heuss-Knapp sogar über mehrere Jahre ihren Bezug zur Religion. Äußerlich stellt sie sich für die „nationale Sache“ zur Verfügung, d. h. sie arbeitet für das Rote Kreuz und organisiert für bis zu 900 Frauen Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen in Form von Strick- und Nähaufträgen, damit die Frauen nicht in die Fabrik müssen, sondern von zu Hause arbeiten und sich weiter um ihre Kinder kümmern können. Einmal fährt sie sogar persönlich nach Berlin, um Materialnachschub zu holen. Sie wirtschaften gut und haben sogar Geld übrig, mit dem sie einige der Mütter zur Erholung schicken können. Schon hier mag sie an so etwas wie das spätere Müttergenesungswerk gedacht haben.
Der erste kurze Ausflug in die Politik
Kurz vor Ende des Kriegs entscheidet Theodor Heuss sich, zurück nach Berlin zu ziehen. Wieder geht Elly Heuss-Knapp mit, auch wenn sie enttäuscht ist, ihre Arbeit nicht abschließen und das Ende des Krieges nicht mit ihren Mitstreiterinnen feiern zu können.
Das Elsass geht nun zurück an Frankreich. Viele der deutschen Einwohner:innen werden regelrecht verjagt. Der Kontakt zum 77-jährigen Vater wird schwierig, bis er schließlich nach einem Jahr seine Heimat verlassen und nach Darmstadt ziehen muss.
Dann wird auch endlich das Frauenwahlrecht durchgesetzt. Elly Heuss-Knapp schreibt: „Ich habe nicht zu denen gehört, die dafür gekämpft hatten oder sich große Illusionen über seine Bedeutung machten. Aber nun es gegeben war …, nun mußte man dafür sorgen, daß alle an die Wahlurne gingen.“ (Heuss-Knapp, S. 123)
Sie selbst lässt sich auf Drängen von Freund:innen für die linksliberale DDP (Deutsche Demokratische Partei) aufstellen. Theodor Heuss kandidiert ebenfalls. Beide werden jedoch nicht in die Nationalversammlung gewählt. Elly Heuss-Knapp ist froh darum und kann sich weiter um ihren Sohn kümmern.
Zurück zur Sozialarbeit
Bis 1923/24 herrscht in Berlin viel Hunger, unter dem die Familie Heuss-Knapp auch selbst leidet. Elly Heuss-Knapp engagiert sich weiter in der Sozialpflege. Nach dem Krieg gibt es viele invalide Kriegsrückkehrer. Die Branche professionalisiert sich weiter, und wie es häufig geschieht, bleiben die Frauen weiter in der Praxis, während die Verwaltung von Männern organisiert wird. Elly Heuss-Knapp beobachtet, dass viele Sozialpfleger:innen schnell „hart“ werden und nicht mehr mit Liebe dabei seien.
Wenn Sozialarbeiter noch sehr jung sind, gehen sie an die Arbeit in harmlosem Optimismus. In der Welt sind viele Risse zu verstopfen, das wird dem Mut und der Zuversicht schon glücken. – Dann aber spüren die einen früher, die andern später, daß es sich nicht um Risse in den Fundamenten handelt, sondern daß sie auf einem Sumpf aufgebaut sind. Zuerst kommt die Erkenntnis, daß die Notstände innerlich zusammenhängen. Vielleicht sagt die eine, ich bin Tuberkulose-Schwester, aber dieses Leid kommt aus der Wohnungsnot, da müßte man ansetzen. Eine andere sagt: Ich bin Wohnungspflegerin, aber die Not kommt durch den Alkohol. Diese Kette geht weiter und weiter, zuletzt spürt man, irgendein Gesamtfehler ist da. Wer sich bisher zu dem harmlosen Standpunkt Rousseaus bekannte, daß der Mensch gut sei und nur die Zustände schlecht, sieht nun, die Zustände sind schlecht, und der angeblich gute Mensch kann sie nicht ändern: Es gibt schwere Enttäuschungen.
Heuss-Knapp, S. 163
Elly Heuss-Knapp lehrt im Pestalozzi-Fröbel-Haus und in der Sozialen Frauenschule von Alice Salomon, einer Ausbildungsstätte für Gemeindepflegerinnen. Doch der Aufstieg der Nationalsozialisten führt dazu, dass sie 1933 von einer Schülerin denunziert wird und die Lehrtätigkeit aufgeben muss. Auch die Kirche ist bald keine Möglichkeit mehr, sich sozial zu engagieren.
Im Nationalsozialismus
Thedor Heuss wird aus allen politischen und öffentlichen Ämtern entfernt, da er sich journalistisch stets gegen den Nationalsozialismus ausgesprochen hat und sogar ein Buch gegen Hitler veröffentlicht hat. Nun verdient Elly Heuss-Knapp das Geld für die Familie, und zwar als Werbetexterin für den Rundfunk. Man sagt, sie habe in dieser Zeit den Werbejingle erfunden.
Die Familie wohnt eine Weile bei Elly Heuss-Knapps Schwester Marianne in Heidelberg und zieht sich während der langen Kriegsjahre in die „innere Emigration“ zurück.
Zum zweiten Mal in die Politik
Nach dem Krieg arbeitet Theodor Heuss in Stuttgart bei der Rhein-Neckar-Zeitung und wird Kultusminister in Württemberg-Baden (Allparteienregierung). Elly Heuss-Knapp selbst wird auch wieder aktiv: Sie wird Teil einer Kommission zur Neugestaltung von Schullesebüchern, hält Vorträge im Rundfunk zur Stärkung der Demokratiefähigkeit, veröffentlicht literarische Geschichten zu Frauenschicksalen im Nationalsozialismus und unterstützt ihren Mann bei seiner Korrespondenz.
Noch einmal versucht sie es in der Politik, obwohl sie sich eigentlich zu alt und nicht gesund gefühlt. Doch sie wird in für die DVP (Demokratische Volkspartei) in den Landtag gewählt und legt ihren Schwerpunkt auf soziale Fragen innerhalb der Familie. Auch im Sozialpolitischen Ausschuss ist sie aktiv und engagiert sich für Schulspeisungen und heimatlose Jugendliche. Theodor Heuss wird schließlich zum Vorsitzenden der liberalen Partei der US-Zone gewählt, die 1949 zur FDP wird, und arbeitet am Grundgesetz mit.
Frau des Bundespräsidenten
Diese Arbeit und Öffentlichkeit führt schließlich dazu, dass Theodor Heuss im September 1949 zum Bundespräsidenten gewählt wird. Sie ziehen nach Bonn bzw. Bad Godesberg, und von der First Lady wird erwartet, dass sie sich entsprechend verhält. Ihre politischen Ämter gibt sie auf. Auch literarisch oder publizistisch darf sie nicht mehr tätig sein.
Das Müttergenesungswerk
Doch Elly Heuss-Knapp lernt Antonie Nopitsch (1901–1975) kennen, die den Bayrischen Mütterdienst gegründet und bereits verschiedene Müttererholungsheime erschaffen hat. Sie lädt Elly Heuss-Knapp persönlich ein und spricht mit ihr über weiteres Engagement für Mütter. Elly Heuss-Knapps Interesse ist sofort geweckt. Sie kümmert sich um die richtigen Kontakte und argumentiert damit, dass gesunde Mütter für die ganze Nation wichtig seien. Wenn das Volk nach dem Krieg wieder auf die Beine kommen soll, braucht es gesunde, starke Mütter.
In einer Radioansprache für Kinder formuliert sie es so:
Nun ist es schade, dass ich Euch nicht genau zeigen kann, wie es in so einem Mütterheim aussieht. Das könnte sehr lustig und erstaunlich für Euch sein zu sehen, dass die Mütter miteinander singen und auf Liegestühlen liegen und sich in der Sonne ausruhen – aber auch im Schatten – und sich Geschichten vorlesen und manchmal auch etwas spielen … Und wenn sie krank sind, z. B. Rheumatismus haben, so bekommen sie gute Bäder dafür und hinterher werden sie ins Bett gesteckt und es wird ihnen streng verboten, aufzustehen und sie müssen folgen. Wenn die Mütter dann ausgeschlafen haben, gehen sie spazieren und pflücken sich einen schönen Blumenstrauss. Und manchmal lesen sie ein gutes Buch. Und die allergrösste Freude ist, wenn ein Brief von den Kindern kommt und die Mutter hört, dass es zu Hause allen gut geht.
Goller S. 192/93
Schon im Dezember 1950 wird offiziell das Deutsche Müttergenesungswerk gegründet, in dem sich viele Verbände, auch konfessionelle, vereinigen. Elly Heuss-Knapp wird Schirmherrin (und bis heute wird die Schirmherrschaft immer von der jeweiligen Bundespräsidentengatting übernommen). Antonie Nopitsch wird Geschäftsführerin.
Doch schon Ende 1951 kann Elly Heuss-Knapp wegen ihrer schlechten Gesundheit keine öffentlichen Termine mehr wahrnehmen. Sie stirbt am 19. Juli 1952 in Bonn.
Ehrungen
Das Bürger- und Medienzentrum im Landtag von Baden-Württemberg ist nach ihr benannt, sowie zahlreiche Straßen und Schulen. In Stuttgart gibt es einen Brunnen und einen Gedenkstein zu ihren Ehren. 1957 wurde zudem eine Briefmarke mit ihrem Porträt veröffentlicht.
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Quellen:
Alexander Goller: Elly Heuss-Knapp – Gründerin des Müttergenesungswerks: eine Biografie. Tübingen 2009.
Elly Heuss-Knapp: Ausblick vom Münsterturm. Erinnerungen. Stuttgart 2008.
Ulrike Strerath-Bolz: Elly Heuss-Knapp: wie die First Lady ihr Herz für Mütter entdeckte. Berlin 2012.
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Artwork und Musik: Uwe Sittig
Frauenleben-Hosts: Susanne Popp und Petra Hucke
Podcast-Website: Frauenleben-Podcast
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